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Aufgeschossene Leinen in verschiedenen Stärken in einem Segelschapp

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Tauwerk wählen: Material und Stärke

Tauwerk ist nicht gleich Tauwerk. Die wichtigste Frage ist nicht, wie viel es hält, sondern wie sehr es sich dehnt: Genau daran entscheidet sich, ob eine Leine an ihren Platz gehört oder dort Schaden anrichtet.

Oben drei Leinen im Schnitt: geflochten, gedreht und mit Dyneema-Kern, Durchmesser in Millimetern. Unten zieht ein Ruck an allen drei, und die Pfeile zeigen, wie weit jede nachgibt.

Polyester, der Regelfall

Für Schoten, Fallen und die meisten Leinen an Deck. Wenig Dehnung, gute Beständigkeit gegen Sonne, günstig. Wo nichts dagegen spricht, ist Polyester die richtige Antwort.

Polyamid für Festmacher

Nylon dehnt sich unter Last und federt damit die Rucke ab, die Schwell und Böen in den Liegeplatz tragen. Genau diese Dehnung, die an einer Schot stören würde, schützt hier Klampe und Deck.

Dyneema, wo es steif sein muss

Sehr fest und praktisch dehnungsfrei, dafür teuer, glatt und empfindlich gegen Hitze. Gut für Fallen und Strecker, schlecht für alles, was geknotet wird: viele Knoten rutschen darin.

Die Stärke

Dicker ist nicht automatisch besser. Ab einem gewissen Durchmesser bestimmt nicht mehr die Bruchlast die Wahl, sondern was in Klemme, Winsch und Hand passt. Eine Leine, die sich nicht greifen lässt, wird im Manöver zum Problem.

Tauwerk fürs Segelboot: welche Leine wohin gehört

An Bord eines Segelboots arbeiten Leinen mit sehr unterschiedlichen Aufgaben. Fallen halten ein Segel oben und sollen sich dabei möglichst nicht recken. Schoten laufen ständig durch die Hand und über die Winsch, sie müssen griffig sein und gut in der Klemme halten. Festmacher und Ankerleine dagegen sollen gerade nachgeben. Wer diese drei Gruppen auseinanderhält, hat die wichtigste Entscheidung schon getroffen.

Für Fallen und Strecker zählt geringe Dehnung, denn ein Fall, das sich unter Winddruck längt, verändert das Profil des Segels. Für Schoten zählt die Hand: Eine zu dünne Schot schneidet in die Finger, eine zu dicke passt nicht mehr in Klemme und Selbstholer. Kontrollleinen wie Reffleinen, Unterliekstrecker oder Traveller liegen dazwischen und sind meist mit einer guten Polyesterleine richtig versorgt.

Hilfreich ist ein Blick auf die Beschläge, bevor Sie Tauwerk kaufen. Klemmen, Blöcke und Winschen sind für einen bestimmten Durchmesserbereich gebaut, und die Angaben dazu finden Sie beim Hersteller des Beschlags. Eine Leine außerhalb dieses Bereichs rutscht durch oder klemmt fest, egal wie gut sie sonst ist.

Festmacherleine: Stärke und Länge richtig wählen

Bei der Stärke einer Festmacherleine richten sich viele nach den Tabellen der Tauwerkhersteller, die nach Bootslänge und Gewicht gestaffelt sind. Als grobe Faustregel finden sich dort für Yachten von acht bis zehn Metern oft Festmacher um 12 bis 14 Millimeter, für zehn bis zwölf Meter eher 14 bis 16 Millimeter. Schwere Boote und Liegeplätze mit viel Schwell vertragen eine Stufe mehr.

Die Obergrenze setzt die Klampe. Auf ihr müssen Rundtörn, zwei bis drei Kreuzschläge und ein Kopfschlag Platz finden. Passt das nicht mehr, ist die Leine für diese Klampe zu dick, und ein dicker Festmacher, der schlecht belegt ist, hält weniger als ein etwas dünnerer, der sauber liegt.

Bei der Länge hilft ebenfalls eine Faustregel: Vor- und Achterleinen etwa eine Bootslänge, Springs etwa anderthalb Bootslängen. Für fremde Häfen, Schleusen oder Päckchenliegen lohnt mindestens eine deutlich längere Leine an Bord. Kürzen lässt sich eine Leine im Notfall immer, verlängern nur mit Knoten, die unter Last schwer wieder aufgehen.

Dyneema an Bord: Stärken und Grenzen

Dyneema ist der Markenname einer hochfesten Polyethylenfaser. Sie ist bei gleichem Durchmesser deutlich fester als Polyester, dehnt sich kaum und ist sehr leicht. Deshalb steckt sie heute oft im Kern von Fallen und in Stroppen, Softschäkeln und Laschings, wo es auf Festigkeit bei geringem Gewicht ankommt.

Die Grenzen sind ebenso klar. Die Faser ist sehr glatt, viele Knoten halten darin schlecht oder rutschen, und die Festigkeit sinkt am Knoten stark. Bei Dyneema wird deshalb gespleißt statt geknotet. Die Faser verträgt außerdem wenig Hitze, etwa durch Reibung auf einer schnell laufenden Winsch, und sie kann sich unter dauernder Last langsam längen. Für Festmacher und Ankerleinen ist sie ungeeignet, weil dort gerade die Dehnung gebraucht wird.

Bei Mantel-Kern-Leinen mit Dyneema-Kern trägt der Kern die Last, der Polyestermantel sorgt für Griff in Klemme und Hand. Hält die Klemme nur den Mantel, kann er sich auf dem glatten Kern verschieben. Achten Sie daher darauf, dass Leine und Klemme zueinander passen, und lassen Sie Spleiße an solchen Leinen im Zweifel von einem Rigger machen.

Ankerleine: Material, Kettenvorlauf und Länge

Eine Ankerleine sollte sich dehnen, denn sie federt die Rucke ab, die Wellen am Ankerplatz erzeugen. Darum ist Polyamid das übliche Material, als dreikardeelige Leine oder als achtfach geflochtene, die sich im Ankerkasten gut stauen lässt und kaum kinkt. Polyester dehnt sich weniger und ist hier nur zweite Wahl.

Zwischen Anker und Leine gehört ein Kettenvorlauf. Er schützt die Leine vor Scheuern am Grund und legt den Zug am Anker flacher, damit er sich besser eingräbt. Als Faustregel gilt mindestens eine Bootslänge Kette, mehr schadet nicht. Die Verbindung von Kette und Leine ist am besten gespleißt, ein Schäkel mit gesichertem Bolzen tut es ebenfalls, wenn er durch die Klüse passt.

Für die Länge rechnet man mit der Wassertiefe. Eine verbreitete Faustregel lautet: mit reiner Kette mindestens das Dreifache der Wassertiefe stecken, mit Leine und Kettenvorlauf mindestens das Fünffache, bei Wind und Welle mehr. Wer in tiefen Buchten ankern will, braucht entsprechend lange Leine, und das muss schon beim Kauf bedacht werden.

Mantel, Kern und Machart beim Tauwerk-Kauf

Neben dem Material entscheidet die Machart. Geschlagenes, also gedrehtes Tauwerk aus drei Kardeelen lässt sich leicht von Hand spleißen und dehnt sich gut, neigt aber zu Kinken. Geflochtenes Tauwerk mit Mantel und Kern liegt ruhiger, läuft besser durch Blöcke und ist an Deck heute der Standard für Schoten und Fallen.

Achten Sie beim Kauf auf die Angaben des Herstellers zu Bruchlast, Dehnung und empfohlenem Einsatz. Die Bruchlast gilt für eine neue, ungeknotete Leine, ein Knoten und das Alter nehmen davon spürbar etwas weg. Wer zwischen zwei Stärken schwankt, wählt bei Festmachern und Ankerleinen eher die stärkere, bei Schoten eher die, die besser in der Hand liegt.

Farbige Leinen helfen im Manöver. Wenn jede Schot, jedes Fall und jede Reffleine eine eigene Farbe hat, findet auch eine neue Crew schneller die richtige Leine. Das ist kein Schmuck, sondern verhindert, dass im falschen Moment das falsche Ende losgeworfen wird.

Häufige Fragen

Welche Stärke braucht meine Festmacherleine?

Als Richtwert dienen die Tabellen der Tauwerkhersteller nach Bootslänge und Gewicht. Grob gilt für acht bis zehn Meter oft 12 bis 14 Millimeter. Prüfen Sie zusätzlich, ob die Leine sauber auf Ihre Klampen passt.

Warum ist Polyamid für Festmacher und Ankerleine besser als Polyester?

Polyamid dehnt sich unter Last deutlich mehr und fängt damit Rucke aus Schwell und Böen ab. Das schont Klampen, Beschläge und den Anker im Grund.

Kann ich Dyneema für Festmacher nehmen?

Davon ist abzuraten. Dyneema dehnt sich kaum und gibt jeden Ruck ungefedert weiter. Seine Stärken liegen bei Fallen, Stroppen und Laschings.

Wie lang sollte die Ankerleine sein?

Das hängt von den Wassertiefen in Ihrem Revier ab. Nach verbreiteter Faustregel stecken Sie mit Leine und Kettenvorlauf mindestens das Fünffache der Wassertiefe, bei Wind mehr. Rechnen Sie also von der tiefsten Bucht aus, in der Sie ankern wollen.

Welches Tauwerk eignet sich für Schoten?

Meist eine geflochtene Polyesterleine mit griffigem Mantel. Der Durchmesser richtet sich nach Klemme, Winsch und Hand, nicht nur nach der Bruchlast.

Muss eine Dyneema-Leine gespleißt werden?

In der Regel ja. Viele Knoten rutschen in der glatten Faser oder schwächen sie stark. Ein Spleiß hält deutlich besser und ist bei hochfesten Leinen die übliche Verbindung.

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Was das mit der Versicherung zu tun hat

Ein Festmacher aus dehnungsarmem Material überträgt jeden Ruck ungefedert ins Deck. Der Schaden zeigt sich dann nicht an der Leine, sondern an Klampe, Verschraubung und Laminat, und das ist eine Reparatur, die deutlich teurer ist als der richtige Festmacher. Wer im Schwell liegt, sollte hier nicht sparen.

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Vor dem Ablegen

Weste an, Leine fest, dann los.

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