Startseite / Seemannschaft / Bordsprache: Leine, Schot, Fall / Kommandos an Bord: wer sagt was
Wer sagt was, und wann
Ein Kommando ist keine Höflichkeitsform und keine Machtfrage. Es ist ein kurzes Wort, das an Bord genau eine Bedeutung hat, damit niemand raten muss, was als Nächstes passiert.
Die Absprache vor dem Ablegen
Wer steht wo, wer nimmt welche Leine, was passiert, wenn das Manöver nicht aufgeht. Zwei Minuten am Steg ersparen zehn Minuten Rufen im Hafenbecken. Bei Gästen an Bord gehört dazu, wo Rettungswesten und Seenotmittel liegen.
Wende und Halse
„Klar zum Wenden?“ ist eine echte Frage und braucht eine Antwort, meist „Klar!“. Erst danach folgt „Ree!“, und erst dann geht das Ruder. Bei der Halse heißt es „Klar zur Halse?“, und alle Köpfe bleiben unter dem Baum.
Anlegen und Ablegen
Vorher sagen, welche Leine zuerst an Land geht und welche zuletzt gelöst wird. Im Manöver reicht dann ein Wort: „Vorleine“, „Achterspring“, „Los vorn“. Wer stattdessen ganze Sätze ruft, wird bei Wind nicht verstanden.
Der Notfall
„Mann über Bord“ ist das einzige Kommando, das jeder an Bord geben darf, auch der Gast. Danach gilt die feste Reihenfolge: rufen, Knopf drücken, werfen, zeigen. Wer zeigt, tut sonst nichts mehr.
Segelkommandos: warum an Bord kurz gesprochen wird
An Bord kämpft jede Stimme gegen Wind, Wellen, Motor und schlagende Segel. Ein Satz wie „Könntest du bitte mal die Leine da vorne lösen?“ kommt bei fünf Windstärken nur als Murmeln an. Segelkommandos sind deshalb kurz, immer gleich und stellen das wichtige Wort nach vorn. Wer sie einmal gelernt hat, versteht sie auch dann, wenn nur die Hälfte ankommt.
Ein gutes Kommando beantwortet drei Fragen: Wen betrifft es, was soll passieren und wann. „Vorschiff, Vorleine los!“ ist eindeutig. Ein einzelnes „Los!“ ist es nicht, wenn drei Leinen belegt sind. Viele Skipper sprechen Personen deshalb mit Namen an, vor allem wenn die Crew neu zusammengewürfelt ist.
Genauso wichtig ist die Rückmeldung. Wer ein Kommando ausgeführt hat, sagt es laut: „Vorleine ist los.“ Erst dann weiß die Person am Ruder, dass sie Gas geben oder den Kurs ändern kann. Dieses Wechselspiel aus Ansage und Bestätigung verhindert die meisten Missverständnisse, die im Hafen später als Kratzer im Gelcoat sichtbar werden.
Klar zur Wende: der Ablauf Schritt für Schritt
Bei der Wende dreht der Bug durch den Wind. Sie gehört zum Alltag, und gerade deshalb lohnt es, die Kommandos jedes Mal vollständig zu sprechen. In deutschsprachigen Segelschulen ist die Folge weitgehend einheitlich: „Klar zur Wende?“, die Antwort „Ist klar!“, dann „Ree!“.
„Klar zur Wende?“ ist keine Ankündigung, sondern eine echte Frage. Die Crew prüft, ob die Fockschot auf der neuen Seite frei läuft, ob die Winsch bereit ist und ob niemand im Weg sitzt. Erst wenn die Antwort kommt, legt die Person am Ruder um. Kommt keine Antwort, wird nicht gewendet. Vorher geht der Blick nach Luv und nach Lee, ob auf dem neuen Kurs Wasser frei ist.
Mit „Ree!“ geht die Pinne nach Lee, beim Steuerrad dreht man entsprechend. Die alte Fockschot wird gelöst, wenn das Vorsegel zu killen beginnt, nicht früher. Zu früh gelöst verliert das Boot Fahrt und bleibt im Wind stehen. Zu spät gelöst steht die Fock back und drückt den Bug zurück.
- Freies Wasser auf dem neuen Kurs prüfen.
- „Klar zur Wende?“ rufen und auf „Ist klar!“ warten.
- „Ree!“ ansagen und gleichmäßig Ruder legen.
- Alte Fockschot lösen, sobald das Vorsegel killt.
- Neue Fockschot dichtholen und den neuen Kurs anliegen.
Kommandos für Wende und Halse: warum die Halse mehr verlangt
Bei der Halse geht das Heck durch den Wind, und der Großbaum wechselt die Seite. Das ist der Moment mit der größten Verletzungsgefahr an Deck. Die Kommandos sind deshalb ausführlicher: „Klar zur Halse?“, „Ist klar!“, dann „Hol dicht die Großschot!“, „Rund achtern!“ und zum Schluss „Fier auf die Großschot!“.
Das Dichtholen vor dem Durchgang ist der Kern. Je kürzer die Großschot, desto kürzer der Weg des Baums und desto weniger Wucht steckt in ihm. Bei viel Wind verzichten manche Crews ganz auf die Halse und drehen über eine Wende auf den neuen Bug, die sogenannte Kuhwende. Das kostet Strecke, aber keine Nerven.
Ein Bullenstander, also eine Leine, die den Baum auf Vorwindkurs nach vorn sichert, schützt vor einer ungewollten Patenthalse. Vor einer geplanten Halse muss er gelöst werden, und das gehört in die Ansage. Bis der Baum sicher auf der neuen Seite liegt, steht niemand auf und niemand greift in die Großschot.
Segelkommandos beim An- und Ablegen
Im Hafen fallen die meisten Kommandos auf engem Raum. Hilfreich ist, die Leinen klar zu benennen: Vorleine, Achterleine, Vorspring, Achterspring. Dazu kommen die Tätigkeiten: „Über!“ für das Übergeben an Land, „Belegen!“ für festmachen, „Fier auf!“ für Lose geben, „Hol dicht!“ für Lose nehmen und „Los!“ für lösen.
Bewährt hat sich, jedes Kommando aus Leine und Tätigkeit zusammenzusetzen: „Achterspring belegen!“ oder „Vorleine fieren!“. Die Person an der Leine wiederholt kurz und meldet, wenn es erledigt ist. Wer ein Kommando nicht verstanden hat, bleibt mit der Leine in der Hand stehen, statt zu raten.
Beim Ablegen gilt eine einfache Reihenfolge. Zuerst fallen die Leinen ohne Last, zuletzt die Leine, in die das Boot gerade eindampft. Das Sammelkommando „Leinen los!“ ist nur sinnvoll, wenn vorher feststeht, welche Leine als letzte gelöst wird und wer sie an Bord holt.
Kommandos im Notfall und beim Ankern
Für den Notfall gibt es wenige Rufe, die jeder kennen muss, auch Gäste. Wer jemanden über Bord gehen sieht, ruft laut „Mann über Bord!“ und zeigt mit ausgestrecktem Arm auf die Person. Danach verteilt die Schiffsführung die Aufgaben: Rettungsmittel werfen, Position im Plotter markieren, Manöver fahren. Wer zeigt, lässt die Person nicht mehr aus den Augen.
Beim Ankern liegen Bug und Steuerstand oft zu weit auseinander, um sich zuzurufen, besonders bei laufendem Motor. Hier helfen vorher abgesprochene Handzeichen: der Arm zeigt die Richtung, die flache Hand heißt Stopp, der Daumen nach oben heißt „Anker hält“. Entscheidend ist nur, dass alle dieselben Zeichen meinen.
Für Funkrufe gelten eigene, festgelegte Abläufe. Wie ein Notruf mit Mayday, eine Dringlichkeitsmeldung mit Pan-Pan oder eine Sicherheitsmeldung mit Sécurité nach GMDSS abgesetzt wird, lernt man für das Funkzeugnis, das SRC auf See oder das UBI auf Binnengewässern. Die Crew sollte zumindest wissen, wo das Funkgerät steht und wo die Notruftaste sitzt.
Häufige Fragen
Heißt es „Klar zur Wende“ oder „Klar zum Wenden“?
Beides ist verbreitet und wird verstanden. Wichtiger als die genaue Form ist, dass an Bord immer dieselbe benutzt wird und dass auf die Frage eine Antwort folgt.
Was bedeutet das Kommando „Ree“?
„Ree“ ist das Ausführungskommando der Wende. Es sagt: Das Ruder geht jetzt, der Bug dreht durch den Wind. Das Wort ist kurz und klingt anders als alle übrigen Kommandos, deshalb hört man es auch bei Lärm heraus.
Was ist der Unterschied zwischen Halse und Patenthalse?
Eine Halse ist geplant und angesagt, der Baum wird über die Großschot kontrolliert geführt. Eine Patenthalse passiert ungewollt, etwa durch eine Winddrehung oder einen Steuerfehler auf Vorwindkurs. Dann schlägt der Baum ungebremst über.
Müssen Gäste die Segelkommandos kennen?
Nicht alle. Gäste brauchen mindestens den Ruf „Mann über Bord“ und den Hinweis, bei Wende und Halse den Kopf unten zu halten. Alles Weitere erklären Sie in einer kurzen Einweisung vor dem Ablegen.
Warum soll die Crew jedes Kommando bestätigen?
Weil die Person am Ruder sonst nicht weiß, ob das Kommando angekommen ist. Eine kurze Bestätigung wie „Ist klar“ oder „Vorleine ist los“ schließt den Kreis. Ohne sie wird oft zu früh Gas gegeben oder zu früh gewendet.
Sprechen Einhandsegler auch Kommandos?
Viele tun es halblaut für sich selbst. Das klingt ungewohnt, hilft aber, die Reihenfolge einzuhalten und nichts zu vergessen, zum Beispiel den Blick nach Lee vor der Wende.
Was das mit der Versicherung zu tun hat
Als Eigner oder Skipper haften Sie für die Führung des Bootes, auch gegenüber Ihrer eigenen Crew. Eine kurze Einweisung vor dem Ablegen ist deshalb nicht nur Seemannschaft, sondern der Teil Ihrer Sorgfalt, der sich hinterher am leichtesten belegen lässt, etwa mit einem Eintrag im Logbuch.