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An Bord gibt es kein Seil
Bordsprache wirkt von außen wie ein Ritual. Sie ist das Gegenteil: eine Abkürzung. Im Manöver, bei Wind und mit Motorlärm muss ein Wort genügen, und es muss für alle dasselbe bedeuten.
Backbord und Steuerbord
Links und rechts hängen davon ab, wohin jemand gerade schaut. Backbord und Steuerbord hängen am Schiff und ändern sich nicht, wenn der Rudergänger sich umdreht. Rot ist backbord, grün ist steuerbord, das gilt an Deck wie in der Lichterführung.
Luv und Lee
Luv ist die Seite, von der der Wind kommt, Lee die andere. Fast jede Sicherheitsregel an Deck steht in diesen zwei Wörtern: über Lee wird gearbeitet und ausgestiegen, nach Luv wird gesichert.
Vorn, achtern, Bug, Heck
Nicht vorne und hinten, sondern vorlich und achterlich, weil beides auch als Richtung funktioniert: „achteraus“ ist eine Peilung, „hinten“ ist keine.
Leine, Schot, Fall, Tampen
Ein Seil gibt es an Bord nicht. Es heißt Leine, solange es festmacht oder schleppt. Es heißt Schot, wenn es ein Segel trimmt, und Fall, wenn es eines hochzieht. Tampen ist das Ende eines Stücks Tauwerk, nicht das Tauwerk selbst.
Warum der Unterschied zählt
„Die Leine ist gerissen“ und „das Fall ist gerissen“ beschreiben zwei völlig verschiedene Vorfälle: einmal steht das Boot am Steg, einmal fällt ein Segel mitten auf See. Wer den Unterschied macht, spart sich die Rückfrage.
Bordsprache lernen: mit welchen Wörtern Sie anfangen
Wer mit dem Segeln oder Motorbootfahren beginnt, steht oft vor einer Wand aus Fachwörtern. Der Trick ist, nicht alles gleichzeitig zu lernen. Fangen Sie mit den Wörtern an, die für die Sicherheit zählen: vorn und achtern, Backbord und Steuerbord, Luv und Lee. Wer diese sechs sicher beherrscht, versteht schon die meisten Anweisungen an Deck.
Danach kommen die Wörter, die im Manöver fallen, also die Namen der Leinen und was man mit ihnen tut. Erst zuletzt lohnen sich die vielen Einzelteile, die man nur selten in den Mund nimmt. Diese Reihenfolge folgt dem, was an Bord tatsächlich passiert, und nicht dem Inhaltsverzeichnis eines Lehrbuchs.
Am schnellsten lernt man seemännische Begriffe, indem man sie benutzt. Sprechen Sie beim Handgriff aus, was Sie tun: „Ich belege die Vorleine.“ Ein Zettel mit zehn Wörtern am Niedergang hilft in der ersten Saison mehr als jede Liste im Regal.
Seemännische Begriffe für Richtungen und Peilungen
Auf dem Wasser genügt es nicht zu sagen, dass da drüben ein Boot ist. Die Bordsprache hat für Richtungen ein festes Raster, das vom eigenen Schiff ausgeht. Voraus liegt alles vor dem Bug, achteraus alles hinter dem Heck, querab oder dwars alles im rechten Winkel zur Seite.
Dazwischen gibt es Zwischenstufen. „An Backbord voraus“ heißt schräg vorn links, „an Steuerbord achteraus“ schräg hinten rechts. Eine Meldung des Ausgucks könnte lauten: „Segelboot an Steuerbord querab, kommt näher.“ Mit diesen wenigen Wörtern weiß die Person am Ruder sofort, wohin sie schauen muss.
Manche Crews nutzen zusätzlich die Uhr: zwölf Uhr ist voraus, drei Uhr ist Steuerbord querab, sechs Uhr achteraus. Das ist keine amtliche Bordsprache, aber eine nützliche Faustregel, besonders für Gäste, denen die Fachwörter noch nicht geläufig sind. Wichtig ist nur, dass alle an Bord dasselbe System verwenden.
Bordsprache unter Deck: Kombüse, Koje und Pütz
Auch unter Deck haben die Dinge eigene Namen. Die Küche heißt Kombüse oder Pantry, das Bett Koje, der Wohnraum Salon. Am Kartentisch wird navigiert. Ein Schapp ist ein kleiner Schrank, eine Backskiste das Staufach unter den Sitzen in der Plicht. Die Pütz ist der Eimer an einer Leine, mit dem man Wasser schöpft.
Die Toilette an Bord ist meist eine Pumptoilette, die mit Seewasser spült und an Seeventile angeschlossen ist. Wer zum ersten Mal mitfährt, sollte sie sich zeigen lassen. Falsch bediente Bordtoiletten gehören zu den häufigsten kleinen Ärgernissen auf Törns.
Licht und Luft kommen durch Luken und Bullaugen. Eine Luke ist eine Öffnung im Deck mit Deckel, ein Bullauge ein rundes Fenster in der Bordwand. Vor dem Auslaufen gilt die Regel: Alle Luken und Bullaugen sind zu, damit bei Krängung und überkommendem Wasser nichts ins Innere läuft.
Segeln lernen: Begriffe für Wind und Wetter
Wind beschreibt die Bordsprache genauer als der Wetterbericht im Radio. Frischt der Wind auf, wird er stärker, flaut er ab, wird er schwächer. Die Stärke wird in Beaufort angegeben, von null für Windstille bis zwölf für Orkan. Böen sind kurze, kräftige Windstöße über dem mittleren Wind.
Zwei Wörter verwirren Anfänger besonders: raumen und schralen. Raumt der Wind, dreht er nach achtern, und Sie können höher am Wind segeln oder müssen weniger kreuzen. Schralt er, dreht er nach vorn, und Sie müssen abfallen oder öfter wenden. Beide Wörter beschreiben die Drehung im Verhältnis zum eigenen Boot, nicht zur Himmelsrichtung.
Für die Prüfung zum Sportbootführerschein werden viele dieser Begriffe abgefragt, auf See wie auf Binnen. Die amtlichen Fragen sind öffentlich zugänglich. Wer beim Lernen die Wörter gleich mit dem Bild auf dem Wasser verbindet, behält sie besser als mit reinem Auswendiglernen.
Bordsprache mit Gästen und im Ausland
Gäste an Bord kennen die Fachwörter meist nicht, und das ist in Ordnung. Wichtig ist, dass sie die wenigen Wörter verstehen, die ihre Sicherheit betreffen. Erklären Sie vor dem Ablegen kurz, was Luv und Lee bedeuten und wo vorn und achtern ist. Für alles andere darf an Bord auch Alltagssprache gelten.
Wer im Ausland chartert oder mit einer gemischten Crew segelt, merkt schnell, dass Englisch die gemeinsame Sprache vieler Häfen ist. Port und starboard, bow und stern, line, sheet und halyard sollten Sie deshalb kennen. Im Hafenhandbuch und am Funk begegnen Ihnen die englischen Begriffe ohnehin.
Am Funkgerät gilt eine eigene Sprechweise mit Buchstabiertafel, festen Verfahrensworten und klarer Reihenfolge. Sie wird für das Funkzeugnis gelernt, das SRC für den Seefunk oder das UBI für den Binnenfunk. Eine genaue Bordsprache hilft auch später, etwa wenn Sie einer Werft oder Ihrer Versicherung schildern müssen, was an Bord passiert ist.
Häufige Fragen
Muss ich die Bordsprache für den Sportbootführerschein können?
Einen Teil davon, ja. In den amtlichen Prüfungsfragen tauchen viele seemännische Begriffe auf, etwa zu Richtungen, Kursen und Ausrüstung. Wer sie beim Lernen versteht statt nur auswendig lernt, hat es in der Praxis leichter.
Was bedeuten raumen und schralen?
Raumen heißt, der Wind dreht nach achtern, schralen heißt, er dreht nach vorn. Beides bezieht sich auf das eigene Boot. Raumender Wind macht das Segeln leichter, schralender zwingt zum Abfallen oder zu mehr Wenden.
Was ist eine Kombüse?
Die Kombüse ist die Küche an Bord. Auf modernen Yachten sagt man oft auch Pantry. Gemeint ist immer der Bereich mit Herd, Spüle und Kühlbox.
Gilt die Bordsprache auch auf Motorbooten?
Ja, die meisten Wörter gelten auf jedem Boot. Richtungen, Leinennamen und Begriffe unter Deck sind gleich. Nur Wörter rund um Segel und Kurse zum Wind brauchen Motorbootfahrer seltener.
Wie lerne ich seemännische Begriffe am schnellsten?
Indem Sie sie an Bord laut benutzen. Sagen Sie beim Handgriff, was Sie tun, und lassen Sie sich korrigieren. Zehn Wörter, die Sie täglich verwenden, sitzen schneller als hundert aus einer Liste.
Was heißt querab oder dwars?
Beides bedeutet im rechten Winkel zur Längsachse des Bootes, also genau seitlich. „Steuerbord querab“ ist rechts neben dem Boot, „Backbord dwars“ links daneben.
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