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Kleines Bordwörterbuch
Diese Wörter sind keine Folklore. Sie sind eindeutig, wo Alltagssprache mehrdeutig wäre, und sie funktionieren auch dann noch, wenn der Wind einem die Hälfte des Satzes wegnimmt.
Am Schiff
Bug ist vorn, Heck ist achtern, Backbord ist links und Steuerbord rechts, immer vom Schiff aus und nie vom Betrachter. Die Reling ist der Handlauf, der Seezaun das Netz oder Draht darunter. Die Bilge ist der tiefste Punkt innen, dort sammelt sich Wasser.
Am Tauwerk
Ein Seil gibt es nicht. Eine Leine macht fest oder schleppt, eine Schot trimmt ein Segel, ein Fall zieht es hoch, ein Tampen ist ein Ende. Aufschießen heißt ordentlich aufrollen, klarieren heißt entwirren, belegen heißt festmachen.
Am Segel
Vorliek, Achterliek und Unterliek sind die drei Kanten, Kopf, Hals und Schothorn die drei Ecken. Reffen verkleinert die Fläche, killen heißt flattern, backstehen heißt gegen den Wind stehen, wie die Fock beim Beidrehen.
Am Wetter
Luv ist die Seite, von der der Wind kommt, Lee die andere. Anluven heißt näher an den Wind drehen, abfallen weiter weg. Eine Bö ist kurz, eine Frischung hält an. Raumschots ist Wind von schräg achtern, am Wind ist so nah heran wie möglich.
Seemannssprache: woher die Wörter kommen
Viele Wörter an Bord stammen aus dem Niederdeutschen und dem Niederländischen, also aus den Sprachen der Häfen an Nord- und Ostsee. Deshalb klingen sie für Binnenländer fremd, für Niederländer oder Skandinavier dagegen oft vertraut. Luv, Lee, Bug, Heck, Kiel oder Want haben Verwandte in fast allen Seefahrersprachen Nordeuropas.
Die Wörter haben überlebt, weil sie praktisch sind. Sie sind meist einsilbig oder zweisilbig, lassen sich auch bei Wind rufen und bezeichnen jeweils genau ein Ding. In der Alltagssprache kann „hinten“ vieles heißen. An Bord heißt „achtern“ immer Richtung Heck, egal wo man gerade steht.
Wer Seemannssprache lernt, lernt also keine Folklore, sondern ein Werkzeug. Sie müssen nicht jedes alte Wort kennen. Es reicht, die Begriffe sicher zu beherrschen, die im Manöver und im Notfall fallen, und die übrigen nach und nach dazuzunehmen.
Backbord und Steuerbord sicher unterscheiden
Steuerbord ist die rechte Seite, in Fahrtrichtung gesehen. Der Name geht auf alte Schiffe zurück, die mit einem Steuerruder an der rechten Seite gelenkt wurden. Der Steuermann stand mit dem Rücken zur linken Seite, und daraus wurde Backbord, nach dem alten Wort für Rücken.
Im Alltag hilft eine Eselsbrücke über die Farben: Backbord ist rot, Steuerbord ist grün. So sind die Seitenlichter gesetzt, die nachts zeigen, welche Seite eines anderen Bootes Sie gerade sehen. Sehen Sie nur das rote Licht, blicken Sie auf seine Backbordseite.
Die beiden Wörter tauchen in den Regeln immer wieder auf. Bei den Kollisionsverhütungsregeln muss zum Beispiel ein Maschinenfahrzeug, das ein anderes auf Kreuzkurs an seiner Steuerbordseite hat, ausweichen. Und im Betonnungssystem der Region A, das in Europa gilt, liegen die roten Fahrwassertonnen an Backbord, wenn Sie in Fahrwasserrichtung, also meist von See kommend, fahren.
Segelbegriffe für Rigg, Segel und Kurse
Das Rigg ist alles, was den Mast hält und die Segel trägt. Der Mast steht, der Baum liegt waagerecht darunter. Die Wanten halten den Mast seitlich, die Stagen von vorn und von hinten, das Vorstag vorn, das Achterstag hinten. Was fest bleibt, heißt stehendes Gut, was bewegt wird, wie Schoten und Fallen, heißt laufendes Gut.
Bei den Segeln unterscheidet man das Großsegel am Mast von den Vorsegeln am Vorstag. Eine Fock ist ein kleineres Vorsegel, eine Genua ist größer und reicht über den Mast hinaus nach achtern. Für raume Kurse gibt es große, bauchige Segel wie Spinnaker oder Gennaker.
Die Kurse zum Wind haben feste Namen. Am Wind segeln Sie so hoch, wie das Boot kann. Bei halbem Wind kommt er genau von der Seite, bei raumem Wind schräg von hinten, und vor dem Wind direkt von achtern. Direkt gegen den Wind kann kein Segelboot fahren, dafür kreuzt man mit Wenden im Zickzack.
Bootsbegriffe für Rumpf, Deck und Antrieb
Der Rumpf ist der schwimmende Körper. Unter Wasser sitzen bei Segelbooten Kiel oder Schwert, die seitliches Abtreiben verhindern, und das Ruderblatt, mit dem gesteuert wird. Gesteuert wird über eine Pinne oder ein Steuerrad. Der Tiefgang ist das Maß vom Wasserspiegel bis zur tiefsten Stelle, der Freibord der Abstand von der Wasserlinie bis zur Deckskante.
An Deck sitzen Sie in der Plicht, oft auch Cockpit genannt. Über den Niedergang geht es unter Deck. Der hintere Abschluss des Rumpfes heißt Spiegel, daran hängt bei vielen Motorbooten eine Badeplattform. Was im Gespräch mit Werft oder Gutachter zählt, ist die genaue Stelle: Ein Riss am Spiegel ist etwas anderes als ein Riss am Kiel.
Beim Antrieb unterscheidet man den Außenborder, der außen am Heck hängt, vom eingebauten Innenborder. Dieser treibt die Schraube über eine Welle, einen Saildrive oder bei vielen Motorbooten einen Z-Antrieb an. Ein Bugstrahlruder schiebt den Bug beim Anlegen seitlich. Und Seeventile sind die Absperrhähne an den Öffnungen im Rumpf, die jeder an Bord finden sollte.
Bootsbegriffe an Deck: Beschläge und Ausrüstung
An Deck sitzen die Beschläge, an denen gearbeitet wird. Auf Klampen und Pollern werden Leinen belegt. Mit einer Winsch holen Sie eine Schot oder ein Fall unter Last dicht, eine Klemme hält die Leine danach fest. Der Traveller ist eine Schiene quer über das Boot, auf der die Großschot seitlich verschoben werden kann.
Zur Ausrüstung, die jeder an Bord beim Namen kennen sollte, gehören die Fender, die den Rumpf am Steg schützen, und der Bootshaken, mit dem Sie Leinen oder Ringe greifen. Die Relingsstützen tragen den Seezaun, und die Strecktaue sind die Leinen oder Gurte an Deck, an denen Sie sich mit der Lifeline einpicken. Wer diese Wörter kennt, findet bei einer kurzen Ansage sofort das richtige Teil.
Häufige Fragen
Woher kommen die Wörter Backbord und Steuerbord?
Von alten Schiffen mit einem seitlichen Steuerruder an der rechten Seite. Daraus wurde Steuerbord. Der Steuermann hatte die linke Seite im Rücken, daraus wurde Backbord.
Wie merke ich mir Backbord und Steuerbord?
Eine verbreitete Eselsbrücke ist die Farbe der Seitenlichter: Backbord rot, Steuerbord grün. Manche merken sich auch, dass das kürzere Wort Backbord zur linken Seite gehört. Am wichtigsten ist, es an Bord immer wieder laut zu benutzen.
Ist die Plicht dasselbe wie das Cockpit?
Ja. Plicht ist das alte Wort aus der Seemannssprache, Cockpit das heute verbreitete. Beide meinen den vertieften Sitzbereich an Deck, von dem aus meist gesteuert wird.
Was ist der Unterschied zwischen Fock und Genua?
Beides sind Vorsegel. Die Fock ist kleiner und endet vor dem Mast, die Genua ist größer und überlappt den Mast nach achtern. Bei viel Wind ist eine kleinere Fläche oft angenehmer zu segeln.
Gelten diese Bootsbegriffe auch für Motorboote?
Die meisten ja. Bug, Heck, Backbord, Steuerbord, Rumpf, Spiegel, Tiefgang oder Seeventil gibt es auf jedem Boot. Rigg und Segel sind dagegen nur auf Segelbooten ein Thema.
Was heißt stehendes und laufendes Gut?
Stehendes Gut ist alles Tauwerk und aller Draht, der fest bleibt und den Mast hält, also Wanten und Stagen. Laufendes Gut wird bewegt und bedient, etwa Schoten, Fallen und Reffleinen.
Was das mit der Versicherung zu tun hat
In der Schadenmeldung sind diese Wörter kein Stil, sondern Genauigkeit. „Die Leine ist gerissen“ und „das Fall ist gerissen“ sind zwei verschiedene Vorfälle, und wer die richtige Bezeichnung nennt, erspart sich die Rückfrage und bekommt schneller eine Entscheidung.