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Schleppen: Leine, Belegpunkt und Bergung
Irgendwann steht der Motor, oder ein anderes Boot braucht Hilfe. Schleppen sieht einfach aus und ist es nicht: es ist das Manöver mit den höchsten Lasten an Bord, und es hat eine rechtliche Seite, die man kennen sollte, bevor man die Leine annimmt.
Die Leine
Lang und dehnfähig, also Polyamid, nicht das kürzeste Ende an Deck. Die Länge nimmt den Ruck aus dem Schlepp, und im Seegang sollten beide Boote möglichst gleichzeitig auf demselben Wellenteil liegen.
Der Belegpunkt
Nicht die nächstbeste Klampe. Die Last gehört auf einen Punkt, der ins Schiff eingeleitet ist, notfalls über eine Bucht um den Mastfuß oder den Poller. Eine Klampe, die eine Festmacherlast trägt, trägt noch lange keine Schlepplast.
Während des Schleppens
Langsam anfahren, bis die Leine straff steht, dann gleichmäßig ziehen. Niemand steht in der Verlängerung der Leine: reißt sie, schlägt sie zurück. Beide Boote brauchen eine Möglichkeit, den Schlepp im Notfall sofort zu lösen, am besten ein Messer griffbereit.
Schlepphilfe oder Bergung
Nachbarschaftshilfe bei ruhiger See ist Schlepphilfe. Liegt aber echte Gefahr vor, wird daraus rechtlich eine Bergung, und der Helfer kann Bergelohn verlangen, der sich am Wert des geretteten Bootes bemisst. Klären Sie deshalb vorher, worüber Sie sprechen, am besten über Funk und mitgehört.
Boot schleppen: Absprache und Leinenübergabe
Bevor eine Leine fliegt, wird gesprochen. Vereinbaren Sie über Funk einen Arbeitskanal und klären Sie die Eckpunkte: wohin geschleppt wird, wer welche Leine stellt, wie schnell gefahren wird und mit welchen Handzeichen Sie sich verständigen, falls der Funk ausfällt. Das schleppende Boot sagt außerdem, wo es anfahren will. Das geschleppte Boot bereitet bis dahin seinen Belegpunkt vor, damit die Leine sofort fest ist.
Die Übergabe ist der Moment, in dem am häufigsten etwas schiefgeht. Das schleppende Boot fährt langsam von Lee oder von achtern heran und behält seine Schraube im Blick, denn eine treibende Leine ist schnell eingefangen. Bei Seegang ist es sicherer, eine leichte Wurfleine hinüberzugeben, an der die eigentliche Schleppleine nachgezogen wird. Ist das nicht möglich, lässt man die Leine an einem Fender oder Rettungsring zum anderen Boot treiben.
- Arbeitskanal, Ziel, Fahrt und Handzeichen absprechen.
- Belegpunkt und Scheuerschutz auf dem geschleppten Boot vorbereiten.
- Langsam annähern, Schraube und treibende Leinen im Blick behalten.
- Wurfleine übergeben und die Schleppleine nachziehen.
- Leine belegen und erst auf Zuruf langsam Zug aufnehmen.
Die Schleppleine: Material, Länge und Hahnepot
Die Schleppleine muss vor allem Rucke abfedern. Polyamid dehnt sich unter Last deutlich und gibt die Energie langsam wieder ab. Schwimmende Leinen aus Polypropylen bleiben zwar eher von der Schraube weg, dehnen sich aber kaum und werden durch Sonne schnell spröde. Leinen mit sehr geringer Dehnung, wie sie für Fallen verwendet werden, sind für einen Schlepp ungeeignet, weil jeder Ruck ungebremst auf beide Boote geht. Ein langer Festmacher oder die Ankerleine sind meist die bessere Wahl.
Als Faustregel wird die Länge im offenen Wasser so gewählt, dass beide Boote gleichzeitig auf einem Wellenberg oder in einem Wellental liegen. Läuft das eine bergab, während das andere bergauf muss, entstehen harte Rucke. Im Hafen und auf engem Raum dagegen gehört die Leine kurz, damit das geschleppte Boot nicht ausschert.
Am Bug des geschleppten Bootes verteilt eine Hahnepot die Last. Dafür wird die Leine zu einem Dreieck auf beide Bugklampen geführt oder um den Mastfuß gelegt und über die Bugrolle nach außen gegeben. Wo sie über Kanten läuft, braucht sie Scheuerschutz. Auch auf dem schleppenden Boot hilft eine Hahnepot über beide Achterklampen: Der Zug sitzt dann mittig, und das Boot bleibt steuerfähig.
Abschleppen auf dem Wasser: Fahrt, Kurs und Seegang
Die Fahrt richtet sich nach dem langsameren Boot. Ein Verdränger lässt sich nicht schneller ziehen, als sein Rumpf hergibt, und wer es versucht, erzeugt vor allem Last auf Leine und Beschläge. Als Faustregel bleiben Sie mit der Schleppgeschwindigkeit deutlich unter der Rumpfgeschwindigkeit des geschleppten Bootes. Kurswechsel fahren Sie in weiten Bögen, damit das geschleppte Boot folgen kann, ohne quer zur Leine zu geraten.
Wer geschleppt wird, steuert mit, und zwar leicht versetzt zum Kielwasser des Schleppers. So zieht die Leine nicht direkt auf dessen Ruder, und das Boot giert weniger. Schert es trotzdem stark aus, hilft ein Treibanker oder ein Eimer an einer Leine achteraus. Denken Sie daran, dass das geschleppte Boot keine Bremse hat: Wird der Schlepper langsamer, läuft es auf. Rechtzeitig ankündigen und langsam Fahrt wegnehmen ist deshalb Pflicht.
Bei Nacht gelten besondere Lichter für Schleppverbände. Wer nicht gewerblich schleppt und einem Boot in Not hilft, muss sie nach den Kollisionsverhütungsregeln nicht zwingend führen, sollte die Verbindung aber auf andere Weise kenntlich machen, etwa indem er die Schleppleine anleuchtet.
Schleppen im Päckchen: längsseits in den Hafen
Für die letzten Meter in den Hafen ist eine lange Schleppleine ungeeignet, das geschleppte Boot lässt sich daran nicht kontrollieren. Besser ist es, das Boot längsseits zu nehmen. Beide Boote liegen dann im Päckchen nebeneinander, gut abgefendert, und das schleppende Boot steuert den ganzen Verband.
Damit das funktioniert, liegt das Heck des schleppenden Bootes ein Stück hinter dem Heck des geschleppten. Dann wirken Ruder und Schraube frei, und der Verband lässt sich drehen. Vorleine, Achterleine und zwei Springs werden straff durchgesetzt, sodass sich die Boote nicht gegeneinander bewegen. Weil der Verband zur Seite des geschleppten Bootes zieht, braucht es etwas Gegenruder. Legen Sie nach Möglichkeit mit der freien Seite des schleppenden Bootes an.
Schlepphilfe annehmen: was Sie vorher klären sollten
Ob eine Hilfe als Schlepphilfe oder als Bergung gilt, hängt davon ab, ob das Boot in Gefahr war, nicht davon, wie der Helfer sie nennt. Bei einer Bergung gilt traditionell der Grundsatz, dass ein Bergelohn nur bei Erfolg geschuldet ist und sich unter anderem am Wert des geretteten Bootes und an der Gefahr bemisst. Deshalb lohnt es sich, Art und Preis der Hilfe vor dem Übergeben der Leine klar zu vereinbaren, am besten über Funk, sodass andere mithören.
Halten Sie fest, was passiert: Uhrzeit, Position, Wind und Seegang, den Zustand Ihres Bootes und den Wortlaut der Absprache. Fotos vom Schlepp und vom Boot ergänzen das. Unterschreiben Sie an Bord keine Formulare, deren Tragweite Sie in diesem Moment nicht beurteilen können, und informieren Sie zeitnah Ihre Bootsversicherung über den Vorgang.
Geht es um Menschenleben, gelten andere Regeln. Wer Menschen in Seenot sieht, ist zur Hilfe verpflichtet, soweit das ohne ernste Gefahr für das eigene Boot möglich ist. Rettung von Personen ist keine Frage des Preises.
Häufige Fragen
Wie lang sollte eine Schleppleine sein?
Im offenen Wasser so lang, dass beide Boote gleichzeitig auf einem Wellenberg liegen, also oft mehrere Bootslängen. Im Hafen kurz oder gar nicht, dort nehmen Sie das Boot besser längsseits.
Welche Leine eignet sich zum Schleppen?
Eine dehnbare Leine aus Polyamid, etwa ein langer Festmacher oder die Ankerleine. Leinen mit sehr wenig Dehnung geben jeden Ruck ungebremst an die Beschläge weiter.
Darf ich als Sportbootfahrer ein anderes Boot abschleppen?
Einem Boot in Schwierigkeiten zu helfen ist grundsätzlich erlaubt, bei Gefahr für Menschen sogar geboten. Wer gewerblich schleppt, braucht dafür eigene Voraussetzungen.
Muss das geschleppte Boot steuern?
Wenn irgend möglich, ja. Ein gesteuertes Boot folgt ruhiger, giert weniger und schont damit Leine, Beschläge und Nerven auf beiden Booten.
Was kostet eine Schlepphilfe auf dem Wasser?
Das ist sehr unterschiedlich und hängt von Entfernung, Wetter und Anbieter ab. Vereinbaren Sie den Preis, bevor Sie die Leine annehmen, und lassen Sie die Absprache mithören.
Was tue ich, wenn die Schleppleine bricht?
Abstand halten, niemand greift nach der zurückschlagenden Leine. Das geschleppte Boot sichert sich, notfalls mit dem Anker, und beide Boote sprechen über Funk ab, wie die Verbindung neu hergestellt wird.
Was das mit der Versicherung zu tun hat
Bergungskosten sind bei uns im Premium bis 2,5 Mio. € gedeckt, Wrackbeseitigung eingeschlossen. Diese Zahl ist der Grund, warum das Wort im vorigen Absatz zählt: Bergelohn kann ein Vielfaches der Reparatur ausmachen. Nehmen Sie Hilfe an, aber melden Sie den Vorgang, und unterschreiben Sie nichts an Bord, ohne mit uns gesprochen zu haben.