Ist die PV-Anlage über die Gebäudeversicherung versichert?
Kurz gesagt
Nur dann, wenn Ihr Versicherer die Anlage ausdrücklich eingeschlossen hat. Eine Aufdachanlage gilt in vielen Bedingungen nicht automatisch als Gebäudebestandteil, eine Indachanlage eher schon. Melden Sie die Anlage nach der Inbetriebnahme schriftlich. Der Einschluss kostet meist 0 bis 60 Euro im Jahr, ohne Meldung droht eine Kürzung wegen Gefahrerhöhung.
Richtwerte aus öffentlich genannten Marktübersichten für Deutschland, Stand 2026.
Beispiel
Richtwert
Einschluss in die bestehende Wohngebäudeversicherung, Einfamilienhaus mit 8 bis 12 kWp
etwa 0 bis 50 Euro Aufschlag im Jahr, teils beitragsfrei
Typischer PV-Aufschlag in der Gebäudeversicherung laut Marktübersicht
etwa 20 bis 60 Euro im Jahr
Eigener PV-Baustein zur Wohngebäudeversicherung
ab etwa 35 Euro im Jahr
Eigenständige Photovoltaikversicherung mit Allgefahrendeckung
etwa 60 bis 150 Euro im Jahr
Richtwerte, Stand September 2026, aus öffentlich genannten Marktübersichten.
Ihr Aufschlag hängt von Leistung, Bauart, Wert und Versicherer ab;
das genaue Angebot holen wir ein.
Die Reparaturbeträge im Rechenbeispiel sind Richtwerte aus der Angebotspraxis.
Rechenbeispiel
Einfamilienhaus mit 10 kWp auf dem Dach
Die Anlage ging im Frühjahr in Betrieb. So sieht die Rechnung aus, wenn Sie den Einschluss melden und die Lücken kennen.
Anschaffungswert der Anlage mit Montage
etwa 15.000 Euro
Aufschlag für den Einschluss in die Gebäudeversicherung
etwa 20 bis 60 Euro im Jahr
Alternative: eigene Police mit Allgefahrendeckung
etwa 60 bis 150 Euro im Jahr
Neuer Wechselrichter nach Kurzschluss
etwa 1.200 bis 2.500 Euro (Richtwert aus der Angebotspraxis)
Ertragsausfall bei sechs Monaten Stillstand, 10 kWp
etwa 770 Euro
Der Einschluss kostet weniger als ein einziger Wechselrichterschaden, deckt ihn aber in aller Regel nicht. Wer Kurzschluss, Diebstahl und Ertragsausfall mitversichern will, zahlt rund 100 Euro im Jahr mehr für die eigene Police.
Wann die Anlage zum Gebäude gehört
Die Gebäudeversicherung zahlt für das Gebäude und für das, was fest damit verbunden ist. Ob eine Solaranlage dazugehört, steht nicht im Gesetz, sondern in Ihren Versicherungsbedingungen. Genau deshalb gehen die Antworten auseinander.
Eine Indachanlage ersetzt die Dachhaut, sie ist also Teil des Dachs. Viele Versicherer behandeln sie daher wie einen Gebäudebestandteil. Eine Aufdachanlage liegt dagegen auf dem fertigen Dach und wird in den Bedingungen häufig als eigene technische Anlage geführt, die man gesondert einschließen muss.
Neuere Verträge enthalten oft einen Einschluss bis zu einer bestimmten Leistung, zum Beispiel 10 oder 15 kWp. Ältere Policen und einfache Basistarife lassen die Anlage dagegen ganz weg. Suchen Sie in Ihrer Police nach den Wörtern Photovoltaik, Solaranlage oder Zubehör.
Bauart
Wie Versicherer sie meist einordnen
Was Sie tun sollten
Indachanlage, ersetzt die Dachhaut
eher Gebäudebestandteil
trotzdem schriftlich melden und bestätigen lassen
Aufdachanlage auf dem fertigen Dach
meist eigene technische Anlage
ausdrücklichen Einschluss vereinbaren
Anlage auf Garage oder Carport
oft nur mitversichert, wenn das Nebengebäude in der Police steht
Nebengebäude und Anlage getrennt prüfen
Freiflächenanlage im Garten
in der Regel kein Gebäudebestandteil
eigene Police nötig
Stromspeicher im Keller
selten automatisch dabei
Wert und Standort gesondert angeben
Die Anlage anzeigen: Gefahrerhöhung nach Paragraf 23 VVG
Eine Photovoltaikanlage erhöht den Wert des Gebäudes und verändert das Risiko, etwa durch die Gleichstromleitungen und den Wechselrichter. Nach Paragraf 23 VVG dürfen Sie eine Gefahrerhöhung nicht ohne Einwilligung des Versicherers vornehmen. Erkennen Sie sie nachträglich, müssen Sie sie unverzüglich anzeigen.
Praktisch heißt das: Melden Sie die Anlage kurz nach der Inbetriebnahme schriftlich, mit Leistung in kWp, Anschaffungswert, Bauart und Datum. Eine Marktübersicht nennt vier Wochen nach Inbetriebnahme als Faustregel. Bewahren Sie die Bestätigung auf.
Wenn Sie es versäumen, wird es unangenehm. Paragraf 26 VVG lässt den Versicherer bei vorsätzlicher Verletzung ganz von der Leistung frei; bei grober Fahrlässigkeit darf er die Leistung so weit kürzen, wie es der Schwere Ihres Verschuldens entspricht. Ehrlich bleibt aber auch: War die Anlage für den Schaden nicht ursächlich, muss der Versicherer nach Paragraf 26 Absatz 3 VVG trotzdem zahlen. Ein Wasserrohrbruch im Bad wird also nicht deshalb abgelehnt, weil die Anlage nicht gemeldet war.
Was der Einschluss deckt und was nicht
Der Einschluss zieht die Anlage in die Gefahren Ihrer Gebäudeversicherung hinein. Das sind Feuer, Blitzschlag und Explosion, Sturm ab Windstärke 8 und Hagel sowie Leitungswasser. Mit dem Baustein für weitere Naturgefahren kommen Überschwemmung, Schneedruck und Erdrutsch dazu.
Was bleibt, sind die Schäden, die bei einer PV-Anlage am häufigsten vorkommen: Diebstahl einzelner Module, Marderbiss am Kabel, Bedienfehler, ein Kurzschluss oder technischer Defekt im Wechselrichter, Überspannung ohne direkten Blitzeinschlag und der Ertragsausfall während der Reparatur. Dafür brauchen Sie eine Allgefahrendeckung.
Prüfen Sie besonders den indirekten Blitzschlag. Viele Gebäudebedingungen zahlen nur beim direkten Einschlag; die Überspannung aus der Nachbarschaft ist dann ein eigener Baustein.
Schadenfall
Gebäudeversicherung mit Einschluss
Eigene PV-Police
Sturm reißt Module vom Dach
in der Regel gedeckt ab Windstärke 8
gedeckt
Hagel schlägt Module ein
in der Regel gedeckt
gedeckt
Brand oder direkter Blitzschlag
gedeckt
gedeckt
Überspannung ohne direkten Einschlag
oft nur mit Zusatzbaustein
meist gedeckt
Diebstahl von Modulen
meist nicht gedeckt
meist gedeckt
Marderbiss am Kabel
meist nicht gedeckt
meist gedeckt
Kurzschluss im Wechselrichter
meist nicht gedeckt
meist gedeckt
Bedienfehler
nicht gedeckt
je nach Tarif gedeckt
Ertragsausfall während der Reparatur
nicht gedeckt
als Zusatz möglich
Versicherungssumme erhöhen, sonst fehlt Geld
Mit der Anlage wird Ihr Gebäude teurer im Wiederaufbau. Bleibt die Versicherungssumme unverändert, sind Sie unterversichert und bekommen im Schadenfall anteilig weniger, selbst bei einem Schaden, der mit der Anlage nichts zu tun hat.
Bei den üblichen Verträgen nach gleitendem Neuwert wird der Wert der Anlage in die Berechnung übernommen, meist über den Anschaffungswert samt Montage. Lassen Sie sich die neue Summe schriftlich bestätigen und achten Sie auf die Wertanpassungsklausel, damit die Summe jedes Jahr mitwächst.
Ehrlich gesagt: wann der Einschluss reicht
Der Einschluss reicht oft, wenn Ihre Anlage klein ist, auf einem Wohnhaus in einer ruhigen Lage liegt, Sie den Strom vor allem selbst verbrauchen und ein Ausfall von ein paar Wochen Sie nicht in Schwierigkeiten bringt. Dann zahlen Sie wenig und sind gegen die großen Gefahren abgesichert.
Eine eigene Police lohnt eher, wenn die Anlage abseits liegt oder frei zugänglich ist, wenn Sie viel einspeisen und den Ertrag fest eingeplant haben, wenn ein Speicher dazugehört oder wenn Sie die Anlage finanziert haben und die Rate weiterläuft.
Rechnen Sie einfach nach: Der Einschluss kostet oft 20 bis 60 Euro im Jahr, die eigene Police 60 bis 150 Euro. Der Unterschied sind rund 100 Euro im Jahr. Fragen Sie sich, ob Ihnen dafür der Schutz gegen Diebstahl, Marderbiss und Wechselrichterdefekt wert ist.
Schritt für Schritt
Police heraussuchen und nach Photovoltaik, Solaranlage oder Zubehör suchen.
Bauart klären: liegt die Anlage auf dem Dach oder ersetzt sie die Dachhaut?
Anlage schriftlich melden, mit Leistung in kWp, Anschaffungswert, Bauart und Datum der Inbetriebnahme.
Bestätigung des Einschlusses und die erhöhte Versicherungssumme schriftlich verlangen.