Ordentlich kündigen Sie zum Ende des Versicherungsjahres, meist mit drei Monaten Frist. Die erste Laufzeit beträgt oft ein Jahr, in älteren Verträgen drei. Nach einer Beitragserhöhung ohne mehr Leistung haben Sie einen Monat ab Zugang der Mitteilung, nach einem Leistungsfall meist einen Monat ab Anerkennung oder Ablehnung. Textform genügt, eine E-Mail reicht also. Kündigen Sie nie, bevor der neue Vertrag steht.
Richtwerte aus veröffentlichten Tarifbeispielen, damit Sie sehen, ob sich der Wechsel überhaupt rechnet.
Beispiel
Richtwert
Paket Privat, Beruf und Verkehr, Single
etwa 240 bis 680 Euro im Jahr
Paket Privat, Beruf und Verkehr, Familie
etwa 260 bis 820 Euro im Jahr
Dasselbe Paket zusätzlich mit Wohnen und Miete, Familie
etwa 320 bis 850 Euro im Jahr
Nur Verkehrsrechtsschutz, ohne übriges Paket
etwa 65 bis 180 Euro im Jahr
Übliche Selbstbeteiligung je Fall
150 bis 300 Euro
Selbstbeteiligung ganz weglassen statt 150 Euro
etwa 85 Euro mehr im Jahr
Kostenrisiko eines Streits um 5.000 Euro, erste Instanz verloren
etwa 2.670 Euro
Richtwerte, Stand September 2026,
aus öffentlich genannten Tarifbeispielen und aus Kostenrechnern nach dem
Rechtsanwaltsvergütungsgesetz und dem Gerichtskostengesetz.
Die Ersparnis im Rechenbeispiel ist aus diesen Spannen gerechnet und damit ein Richtwert aus der
Angebotspraxis.
Welche Frist für Sie gilt, steht in Ihrem Versicherungsschein.
Rechenbeispiel
Beitragserhöhung im November, Vertragsbeginn am 12. Mai
Der Versicherer hebt den Familienbeitrag von 420 auf 468 Euro an. Die Mitteilung liegt am 8. November im Kasten. So sehen die beiden Wege aus.
Zugang der Mitteilung
8. November
Sonderkündigung möglich bis
8. Dezember, Ende zum 31. Dezember
Ordentliche Kündigung stattdessen bis
11. Februar, Ende erst zum 11. Mai
Neuer Vertrag mit denselben Bausteinen
etwa 320 bis 420 Euro im Jahr
Wartezeit im neuen Vertrag bei lückenlosem Anschluss
meist angerechnet, aber nur für die Bausteine, die vorher schon liefen
Über die Sonderkündigung sind Sie fünf Monate früher draußen und sparen im ersten Jahr rund 48 bis 148 Euro. Verpassen Sie den 8. Dezember, zahlen Sie den höheren Beitrag noch fünf Monate lang.
Die Fristen mit Zahlen
Das Versicherungsjahr beginnt am Tag des Vertragsbeginns, nicht am 1. Januar. Wer am 12. Mai abgeschlossen hat, muss bei drei Monaten Frist bis zum 11. Februar gekündigt haben. Das genaue Datum steht im Versicherungsschein, und nur dieses Datum zählt, nicht das Datum der ersten Beitragsabbuchung.
Wie lang die Frist ist, darf der Versicherer in Grenzen selbst festlegen: § 11 Absatz 3 Versicherungsvertragsgesetz erlaubt nicht weniger als einen und nicht mehr als drei Monate, und sie muss für beide Seiten gleich sein. In der Rechtsschutzversicherung sind drei Monate der Regelfall. Läuft Ihr Vertrag über mehr als drei Jahre, gibt § 11 Absatz 4 desselben Gesetzes Ihnen ein eigenes Kündigungsrecht zum Schluss des dritten oder jedes folgenden Jahres, wieder mit drei Monaten Frist.
Anlass
Frist
Was zu beachten ist
Ende des Versicherungsjahres
meist drei Monate vorher
Stichtag ist der Vertragsbeginn im Versicherungsschein, nicht der Jahreswechsel
Mindestlaufzeit ein Jahr
erst zum Ende des ersten Jahres
danach verlängert sich der Vertrag automatisch um je ein Jahr
Laufzeit von drei Jahren
erst zum Ende des dritten Jahres
ein Rabatt für die lange Bindung kann bei früherem Ende zurückgefordert werden
Laufzeit über drei Jahre
drei Monate zum Ende des dritten oder jedes folgenden Jahres
gesetzliches Recht nach § 11 Absatz 4 Versicherungsvertragsgesetz, es steht nicht in jedem Vertrag
Beitragserhöhung ohne mehr Leistung
ein Monat ab Zugang der Mitteilung
wirkt frühestens zum Tag der Erhöhung; fehlt der Hinweis auf das Kündigungsrecht, ist die Erhöhung angreifbar
Leistung gesenkt bei gleichem Beitrag
ein Monat ab Zugang der Mitteilung
wird oft übersehen, gilt aber genauso wie eine Erhöhung
Nach einem Leistungsfall
meist ein Monat nach Anerkennung oder Ablehnung
gilt für beide Seiten; manche Bedingungen setzen zwei Fälle in zwölf Monaten voraus
Der Versicherer lehnt zu Unrecht ab
ein Monat ab der Ablehnung
Sie dürfen kündigen, der laufende Fall wird trotzdem weiter bearbeitet
Vertrag gerade erst im Fernabsatz abgeschlossen
14 Tage Widerruf ab den Vertragsunterlagen
gilt nur beim Neuabschluss, nicht bei einem alten Vertrag
Die Falle: ein Monat ab Zugang, nicht ab dem Erhöhungstag
Das Sonderkündigungsrecht nach einer Beitragserhöhung ist das schärfste Werkzeug, das Sie haben, und gleichzeitig das kürzeste. Die Frist beginnt mit dem Zugang der Mitteilung, also mit dem Tag, an dem der Brief bei Ihnen im Kasten liegt. Sie beginnt nicht mit dem Tag, ab dem der höhere Beitrag gilt. Weil viele Versicherer die Erhöhung schon im Herbst für den 1. Januar ankündigen, ist die Frist oft längst abgelaufen, wenn der erste höhere Betrag vom Konto geht.
Zwei Punkte retten Sie trotzdem oft. Erstens muss der Versicherer die Erhöhung spätestens einen Monat vor dem Wirksamwerden mitteilen und Sie in derselben Mitteilung auf Ihr Kündigungsrecht hinweisen. Fehlt dieser Hinweis, ist die Erhöhung angreifbar, und Sie sollten sie schriftlich zurückweisen statt sie stillschweigend zu zahlen. Zweitens gilt das Sonderkündigungsrecht nur, wenn der Beitrag ohne mehr Leistung steigt. Wird gleichzeitig die Deckungssumme erhöht oder ein Baustein ergänzt, entfällt es. Prüfen Sie den Brief also Zeile für Zeile, bevor Sie annehmen, Sie kämen heraus.
Was in ein Kündigungsschreiben gehört
Eine Vorlage brauchen Sie nicht, vollständige Angaben schon. Hinein gehören Ihr Name und Ihre Anschrift, die Nummer des Versicherungsscheins, das Wort Kündigung im Betreff, der Vertrag, den Sie meinen, und der Termin: entweder zum nächstmöglichen Zeitpunkt oder mit einem konkreten Datum. Bei einer Sonderkündigung nennen Sie den Grund und das Datum des Schreibens, auf das Sie sich beziehen, etwa die Mitteilung über die Beitragserhöhung vom 8. November.
Dazu zwei Sätze, die Ärger sparen: die Bitte um eine schriftliche Bestätigung mit dem Datum, zu dem der Vertrag endet, und der Hinweis, dass eine erteilte Einzugserlaubnis mit dem Vertragsende endet. Textform genügt, eine E-Mail ist also gültig; wählen Sie trotzdem einen Weg, der den Zugang belegt. Einen Kündigungsknopf auf der Website muss ein Versicherer nicht anbieten, denn § 312k Bürgerliches Gesetzbuch nimmt Verträge über Finanzdienstleistungen aus; gibt es trotzdem einen, erzeugt er gleich einen Nachweis.
Erst der neue Vertrag, dann die Kündigung
Das ist die wichtigste Reihenfolge auf dieser Seite. Ein Rechtsschutzvertrag ist kein Stromtarif: Der neue Versicherer nimmt Sie nicht in jedem Fall, und er fragt nach Vorschäden. Wer aus einem gekündigten Vertrag heraus sucht, verhandelt aus der schwächsten Position, und jeder Tag ohne Deckung ist ein Tag, an dem ein neuer Streit in keine Police mehr fällt.
Dazu kommt die Wartezeit. Für Arbeitsrecht, Mietrecht, Vertragsrecht, Steuerrecht und Sozialrecht gelten üblicherweise drei Monate. Wechseln Sie lückenlos, rechnen viele Häuser die Zeit beim Vorversicherer an, aber nur für Bausteine, die dort schon versichert waren. Entsteht auch nur ein Tag Lücke, kann die Wartezeit von vorn laufen. Setzen Sie den Beginn des neuen Vertrags deshalb genau auf den Tag, an dem der alte endet, und kündigen Sie erst, wenn die Annahme schriftlich vorliegt.
Wann Sie besser nicht kündigen
Wenn ein Streit schon absehbar ist, ist Kündigen der falsche Schritt. Zuständig bleibt der Versicherer, in dessen Vertragszeit der erste Verstoß gegen eine Rechtspflicht fällt. Ein Fall, der jetzt beginnt, ist also noch Sache des alten Vertrags, während der neue ihn nicht deckt, selbst wenn Sie ihn dort erst später melden. Wer mitten in einer Auseinandersetzung wechselt, steht am Ende zwischen zwei Häusern.
Auch beim Sparen lohnt Rechnen statt Reflex. Eine Selbstbeteiligung von 150 Euro statt keiner senkt den Beitrag um rund 85 Euro im Jahr, und die meisten Versicherten melden in zehn Jahren keinen Fall. Oft ist der günstigere Weg, den bestehenden Vertrag anzupassen: überflüssige Bausteine wie den Vermieterschutz ohne vermietete Wohnung streichen und die Selbstbeteiligung erhöhen. Das kostet keine Wartezeit und keine Frage nach Vorschäden. Als Ihr Makler sehen wir uns beides an, bevor etwas gekündigt wird.
Schritt für Schritt
Vertragsbeginn und Frist im Versicherungsschein nachsehen und den Stichtag in den Kalender schreiben.
Prüfen, ob gerade ein Sonderkündigungsrecht läuft: Beitragserhöhung, gesenkte Leistung oder ein abgeschlossener Leistungsfall.
Angebote mit genau denselben Bausteinen einholen und auf die Anrechnung der Vorversicherungszeit bestehen.
Den neuen Vertrag schriftlich annehmen lassen, mit Beginn am Tag nach dem Ende des alten.
Erst dann kündigen, in Textform, mit Nummer des Versicherungsscheins und der Bitte um Bestätigung des Enddatums.
Checkliste
Vertragsbeginn und Kündigungsfrist aus dem Versicherungsschein notiert
Mitteilung über eine Beitragserhöhung auf den Hinweis zum Kündigungsrecht geprüft
Neuer Vertrag liegt schriftlich vor, bevor die Kündigung rausgeht
Beginn des neuen Vertrags liegt genau am Tag nach dem Ende des alten
Anrechnung der Wartezeit für alle bisher versicherten Bausteine schriftlich bestätigt
Kündigungsbestätigung mit Enddatum erhalten und abgelegt
Häufige Fehler
Kündigen, bevor der neue Vertrag steht, und mit einer Lücke sowohl ohne Deckung als auch mit neuer Wartezeit dastehen
Die Monatsfrist nach der Beitragserhöhung am Tag der Erhöhung statt am Zugang der Mitteilung beginnen lassen
Auf den Jahreswechsel kündigen, obwohl das Versicherungsjahr mit dem Vertragsbeginn läuft
Mitten in einem laufenden Streit wechseln, obwohl der alte Versicherer für diesen Fall zuständig bleibt
Einen Dreijahresvertrag früher beenden und den Rabatt für die lange Bindung zurückzahlen müssen
Fragen und Antworten
Häufig gefragt
Wie lang ist die Kündigungsfrist genau?
In der Rechtsschutzversicherung meist drei Monate zum Ende des Versicherungsjahres.
Gesetzlich zulässig ist alles zwischen einem und drei Monaten,
und die Frist muss für beide Seiten gleich sein.
Kann ich einen Dreijahresvertrag vorher beenden?
Ordentlich erst zum Ende des dritten Jahres.
Ein Sonderkündigungsrecht nach Beitragserhöhung oder Leistungsfall gilt aber auch vorher.
Rechnen Sie damit, dass ein Rabatt für die lange Bindung zurückgefordert wird.
Wann beginnt die Frist nach einer Beitragserhöhung?
Mit dem Zugang der Mitteilung, nicht mit dem Tag, ab dem der höhere Beitrag gilt.
Sie haben danach einen Monat,
und der Versicherer muss Sie in dieser Mitteilung auf das Recht hinweisen.
Darf der Versicherer mir nach einem Fall kündigen?
Ja.
Nach einem abgeschlossenen Leistungsfall dürfen beide Seiten kündigen,
meist binnen eines Monats nach Anerkennung oder Ablehnung.
Manche Bedingungen setzen zwei Fälle in zwölf Monaten voraus.
Reicht eine E-Mail für die Kündigung?
Ja, Textform genügt.
Einen Kündigungsknopf auf der Website muss ein Versicherer nicht anbieten; gibt es einen,
erzeugt er Ihnen gleich einen Nachweis.
Was passiert mit einem laufenden Fall, wenn ich kündige?
Er wird weiter bearbeitet.
Zuständig bleibt der Versicherer,
in dessen Vertragszeit der erste Verstoß gegen eine Rechtspflicht fiel, unabhängig davon,
wann der Vertrag endet.
Muss ich kündigen, wenn ich nur einen Baustein loswerden will?
Nein, und das ist oft der bessere Weg.
Bausteine streichen, Selbstbeteiligung erhöhen oder die Zahlweise ändern geht ohne neue Wartezeit
und ohne Frage nach Vorschäden.
Bekomme ich Beitrag zurück, wenn ich mitten im Jahr aussteige?
Bei einer Sonderkündigung ja, anteilig für die Zeit nach dem Ende.
Bei einer ordentlichen Kündigung endet der Vertrag ohnehin erst zum Ablauf des Versicherungsjahres.