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Zahlt die Versicherung bei Starkregen und Überschwemmung?

Kurz gesagt

Nur mit Elementarschutz. Wohngebäude- und Hausratversicherung zahlen im Grundschutz nicht für Starkregen, Überschwemmung oder Rückstau. In ruhigen Lagen kostet der Baustein beim Gebäude im Schnitt rund 92 Euro im Jahr, beim Hausrat rund 18 Euro. Rund 41 Prozent der Wohngebäude in Deutschland haben ihn bis heute nicht.

Zahlt die Versicherung bei Starkregen und Überschwemmung?

Was es kostet

Aufpreis für den Elementarbaustein zusätzlich zum bestehenden Vertrag, aus veröffentlichten Marktauswertungen.

BeispielRichtwert
Wohngebäude, Gefährdungsklasse 1im Schnitt rund 92 Euro Aufpreis im Jahr
Wohngebäude, Gefährdungsklasse 2im Schnitt knapp 200 Euro Aufpreis im Jahr
Wohngebäude, Gefährdungsklasse 4, Musterhaus 500.000 Euro mit 500 Euro Selbstbeteiligungim Schnitt über 2.000 Euro Aufpreis im Jahr
Hausrat, Gefährdungsklasse 1 und 2, Grundbeitrag rund 77 Eurorund 18 bis 27 Euro Aufpreis im Jahr
Spanne zwischen den Anbietern in derselben Risikoklassevon 19 Euro bis über 3.193 Euro im Jahr

Richtwerte, Stand September 2026, aus öffentlich genannten Marktauswertungen. Ihr Beitrag hängt von Lage, Gebäudewert, Selbstbeteiligung und Vorschäden ab; das genaue Angebot holen wir ein. Die Sanierungs- und Trocknungskosten im Text sind veröffentlichte Richtwerte aus der Handwerkspraxis.

Rechenbeispiel

Reihenhaus, Keller unter Wasser nach einem Gewitter

Ein Gewitter bringt 45 Liter je Quadratmeter in einer Stunde. Die Straße steht, das Wasser läuft über den Lichtschacht in den Vollkeller mit 80 Quadratmetern.

Auspumpen und Entsorgungetwa 600 bis 2.500 Euro
Trocknung, rund 20 Tage Gerätestrometwa 2.000 bis 4.000 Euro
Sanierung Vollkeller 60 bis 100 Quadratmeteretwa 8.000 bis 18.000 Euro
Heizungsraum neu herrichtenetwa 5.000 bis 12.000 Euro
Elementarbaustein in Gefährdungsklasse 1rund 92 Euro im Jahr

Ohne Elementarschutz tragen Sie rund 15.000 bis 36.000 Euro selbst. Mit Schutz bleibt die vereinbarte Selbstbeteiligung, meist 500 bis 1.000 Euro. Zehn Jahre Beitrag kosten weniger als eine Woche Trocknung.

Was der Grundschutz zahlt und was nicht

Die Wohngebäudeversicherung deckt ohne Zusatz nur Feuer, Leitungswasser, Sturm ab Windstärke 8 und Hagel. Die Hausratversicherung deckt dieselben Gefahren für Ihre Sachen, dazu Einbruchdiebstahl. Wasser, das von außen über das Grundstück kommt, gehört in beiden Verträgen nicht dazu.

Dafür gibt es einen eigenen Baustein, den Elementarschutz. Er wird zum bestehenden Vertrag dazugebucht, einmal für das Gebäude und einmal für den Hausrat. Wer nur eines von beidem hat, hat im Schadenfall nur die halbe Lösung.

EreignisWer zahlt
Sturm ab Windstärke 8 und HagelGrundschutz von Gebäude und Hausrat
Rohrbruch im HausGrundschutz von Gebäude und Hausrat
Starkregen überflutet Grundstück und Kellernur mit Elementarbaustein
Fluss oder Bach tritt über die Ufernur mit Elementarbaustein
Rückstau aus dem Kanal in den Kellernur mit Elementarbaustein, meist nur mit Rückstausicherung
Grundwasser drückt von unten ins Mauerwerkin der Regel niemand, das ist ausgeschlossen
Regen läuft durch das offen gelassene Dachfenstermeist niemand, hier fehlt die Überflutung

Die Definition entscheidet, nicht das Wetter

In den Musterbedingungen der Branche steht seit Mai 2022 sinngemäß: Eine Überschwemmung ist die Überflutung von Grund und Boden des Versicherungsgrundstücks oder unmittelbar angrenzender Flächen, Straßen sowie Geh- und Radwege mit erheblichen Mengen Oberflächenwasser.

Der Satz klingt harmlos und ist der Grund für die meisten Streitfälle. Es reicht nicht, dass es stark geregnet hat. Das Wasser muss vorher auf dem Boden gestanden haben und von dort ins Gebäude gelaufen sein.

Läuft der Regen dagegen direkt vom Dach in den Lichtschacht, sammelt sich auf dem Balkon oder drückt durch ein undichtes Fenster, während der Boden ringsum trocken bleibt, fehlt genau dieses Merkmal. Viele Versicherer lehnen dann ab, auch wenn der Keller voll ist.

Deshalb ist das Foto vom überfluteten Hof oder von der stehenden Straße oft mehr wert als jede Schilderung im Nachhinein.

Rückstau ist ein eigener Punkt

Rückstau heißt: Der Kanal ist voll, das Wasser läuft in den Rohren des Hauses rückwärts und kommt aus Bodenabläufen, Toiletten oder der Waschküche wieder heraus. Das passiert oft ohne einen einzigen Tropfen Oberflächenwasser auf dem Grundstück.

Rückstau ist nicht automatisch Teil des Elementarschutzes. In vielen Verträgen steht er ausdrücklich drin, in anderen nur eingeschränkt. Prüfen Sie das Wort Rückstau wörtlich in Ihrer Police.

Fast alle Verträge verlangen zusätzlich eine funktionsfähige Rückstausicherung in überflutungsgefährdeten Räumen und deren Wartung. Das ist eine Obliegenheit: Fehlt die Klappe oder ist sie verklemmt, darf der Versicherer kürzen oder ganz ablehnen.

Grundwasser: der häufigste Grund für eine Absage

Grundwasser ist nur dann versichert, wenn es an die Oberfläche tritt und den Boden überflutet. Steigt der Pegel nach Tagen Dauerregen und drückt von unten durch Bodenplatte oder Kellerwand, ist das ausgeschlossen.

In der Praxis ist das eine Beweisfrage, und die entscheidet ein Gutachter Wochen später an einem trockenen Keller. Wer nicht am Schadentag fotografiert hat, steht schlecht da.

Markieren Sie deshalb den höchsten Wasserstand mit Klebeband oder Stift an der Wand, bevor Sie auspumpen, und halten Sie fest, ob draußen Wasser stand.

Was Sie in den ersten Stunden tun

Zuerst die Sicherheit: Strom für den Keller abschalten, bevor Sie hineingehen, und nicht in stehendes Wasser steigen, solange eine Leitung darin liegen kann.

Dann dokumentieren: Fotos und ein kurzes Video von außen und innen, vom Hof, von der Straße, vom Wasserstand an der Wand. Erst danach auspumpen und räumen.

Melden Sie den Schaden sofort, die Bedingungen verlangen eine unverzügliche Anzeige. Beauftragen Sie nur, was zur Schadenminderung nötig ist, und heben Sie jeden Beleg auf.

Die Trocknung gehört in Fachhände. Beton braucht nach veröffentlichten Richtwerten 21 bis 42 Tage, und der Strom für die Geräte kostet 100 bis 200 Euro am Tag. Schließen Sie keine Wand, solange die Messwerte zu hoch sind.

Vorbeugen, was wirklich hilft

Eine Rückstauklappe kostet im Einbau rund 1.500 bis 3.500 Euro, die jährliche Wartung 50 bis 150 Euro. Beides zusammen ist Pflicht, wenn der Vertrag die Sicherung verlangt.

Lichtschächte lassen sich aufkanten, also mit einem Rand über das Geländeniveau ziehen, und mit dichten Abdeckungen versehen. Das ist die billigste Maßnahme mit der größten Wirkung, weil der Lichtschacht der übliche Weg ins Haus ist.

Dazu kommen druckdichte Kellerfenster, eine Schwelle vor der Kellertreppe, ein Gefälle weg vom Haus und Heizung, Zählerkasten sowie Technik ein Stück höher gesetzt. Wertsachen und Papiere gehören nicht in den Keller.

Ehrlich gesagt: Starkregen trifft überall

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor markantem Wetter ab 15 bis 25 Litern je Quadratmeter in einer Stunde und spricht von Extremwetter ab mehr als 40 Litern in einer Stunde. Solche Zellen stehen dort, wo das Gewitter gerade steht, und fragen nicht nach dem nächsten Fluss.

Die Kanalisation ist auf deutlich weniger ausgelegt. Deshalb laufen Keller auch in Hanglagen, in Neubaugebieten und mitten in der Stadt voll.

Es gibt aber Fälle, in denen der Baustein wenig bringt. Wohnen Sie zur Miete in einem oberen Stockwerk ohne Kellerabteil, ist Ihr Hausrat kaum gefährdet. Und in der höchsten Gefährdungsklasse kann der Aufpreis im Schnitt über 2.000 Euro im Jahr liegen, mit hoher Selbstbeteiligung und wenigen Anbietern. Dann rechnen Sie Beitrag, Selbstbehalt und bauliche Maßnahmen offen gegeneinander.

Schritt für Schritt

  1. Strom für den Keller abschalten, bevor Sie hineingehen.
  2. Fotos und Video machen, auch vom Hof und von der Straße, und den höchsten Wasserstand an der Wand markieren.
  3. Schaden sofort melden und die Schadennummer notieren.
  4. Nur nötige Sofortmaßnahmen beauftragen und jeden Beleg aufheben.
  5. Trocknung durch eine Fachfirma, keine Wand schließen, solange die Messwerte zu hoch sind.
  6. Rückstausicherung prüfen lassen und das Protokoll zu den Unterlagen legen.

Checkliste

  • Elementarbaustein vorhanden, Starkregen und Überschwemmung ausdrücklich genannt
  • Rückstau wörtlich in der Police, Rückstausicherung eingebaut und gewartet
  • Baustein sowohl für das Gebäude als auch für den Hausrat
  • Selbstbeteiligung bekannt und für Sie tragbar
  • Heizung, Zählerkasten und Technik im Keller höher gesetzt
  • Lichtschächte aufgekantet und abgedeckt

Häufige Fehler

  • Annehmen, die Wohngebäudeversicherung zahle Starkregen von selbst
  • Auspumpen und aufräumen, bevor Fotos und Wasserstand festgehalten sind
  • Die Rückstauklappe einbauen und dann nie warten lassen
  • Nur das Gebäude absichern und den Hausrat im Keller vergessen
  • Glauben, ohne Fluss in der Nähe könne nichts passieren

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Zahlt die Hausratversicherung bei Starkregen?

Nur mit Elementarbaustein. Ohne ihn ersetzt sie Möbel, Technik und Vorräte im Keller nicht, auch wenn der Vertrag sonst gut ist.

Der Keller ist voll, aber draußen stand kein Wasser. Zahlt die Versicherung?

Oft nicht. Die Bedingungen verlangen eine Überflutung von Grund und Boden. Lief das Wasser direkt vom Dach oder über den Lichtschacht hinein, fehlt dieses Merkmal. Fotos vom Hof und von der Straße sind dann entscheidend.

Ist Rückstau automatisch mitversichert?

Nein. Rückstau muss in der Police stehen, und fast alle Versicherer verlangen eine funktionsfähige, gewartete Rückstausicherung. Fehlt sie, darf gekürzt oder abgelehnt werden.

Zahlt die Versicherung bei Grundwasser im Keller?

Nur wenn das Grundwasser an die Oberfläche getreten ist und den Boden überflutet hat. Drückt es von unten durch Bodenplatte oder Wand, ist es in aller Regel ausgeschlossen.

Wie schnell muss ich den Schaden melden?

So schnell wie möglich. Die Bedingungen verlangen eine unverzügliche Anzeige, und je später die Meldung, desto schwerer wird der Nachweis.

Gibt es staatliche Hilfe, wenn ich nicht versichert bin?

Darauf besteht kein Anspruch. Hilfsprogramme werden nach großen Ereignissen von Fall zu Fall beschlossen und decken selten den vollen Schaden.

Brauche ich den Schutz auch ohne Fluss in der Nähe?

Meistens ja. Starkregen fällt dort, wo das Gewitter steht. In ruhigen Lagen ist der Baustein fürs Gebäude mit rund 92 Euro im Jahr zudem günstig.

Wann brauche ich den Baustein eher nicht?

Wenn Sie zur Miete in einem oberen Stockwerk ohne Kellerabteil wohnen. Dann ist Ihr Hausrat kaum erreichbar für Wasser von unten.

Quellen

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