Sinnvoll ja, wichtigster Schutz nein. In Kita, Schule und Hort und auf dem Weg dorthin ist Ihr Kind gesetzlich versichert, zu Hause und in der Freizeit nicht. Eine Kinderunfallversicherung kostet etwa 50 bis 100 Euro im Jahr. Sie zahlt aber nur nach Unfällen, und über alle Altersgruppen gehen rund 90 Prozent der schweren Behinderungen auf Krankheiten zurück. Dagegen hilft nur eine Kinderinvaliditätsversicherung.
Belegte Beitragsspannen für Kinder, dazu die Spanne einer Kinderinvaliditätsversicherung und die Größenordnung der Auszahlung.
Beispiel
Richtwert
Kinderunfallversicherung, Grundsumme 100.000 Euro, Progression 225 bis 350 Prozent
etwa 50 bis 100 Euro im Jahr, also 3 bis 8 Euro im Monat
Kinderunfallversicherung mit hoher Grundsumme bei einem günstigen Anbieter
oft 40 bis 80 Euro im Jahr
Unterschied zwischen günstigem und teurem Anbieter bei gleicher Grundsumme und Progression
Faktor 2 bis 3 im Beitrag
Kinderinvaliditätsversicherung, nur Kapitalleistung 100.000 Euro
ab etwa 107 Euro im Jahr
Kinderinvaliditätsversicherung mit lebenslanger Rente und Kapital
etwa 275 Euro im Jahr, mit 1.000 Euro Monatsrente etwa 300 Euro im Jahr
Auszahlung bei Invaliditätsgrad 25 Prozent, Grundsumme 150.000 Euro
etwa 37.500 Euro, die Progression greift hier noch nicht
Auszahlung bei Invaliditätsgrad 50 Prozent, Grundsumme 150.000 Euro, Progression 350 Prozent
rund 150.000 Euro, je nach Tabelle etwas darüber oder darunter
Auszahlung bei Invaliditätsgrad 100 Prozent, Grundsumme 150.000 Euro, Progression 350 Prozent
525.000 Euro
Richtwerte, Stand September 2026.
Die Beiträge stammen aus öffentlich genannten Tarifbeispielen,
die Zahlen zur Kinderinvaliditätsversicherung aus einem veröffentlichten Vergleich.
Die Auszahlung bei 25 und bei 50 Prozent ist ein Richtwert aus der Angebotspraxis,
weil jede Progressionstabelle anders verläuft;
nur der Wert bei 100 Prozent ergibt sich direkt aus der Progression.
Ihr Beitrag hängt von Grundsumme, Umfang und Anbieter ab; das genaue Angebot holen wir ein.
Rechenbeispiel
Kind, 6 Jahre, Grundsumme 150.000 Euro
Was bei einem Invaliditätsgrad von 50 Prozent gezahlt würde, und was diese Summe über ein Leben gerechnet wert ist.
Grundsumme
150.000 Euro
Progression
350 Prozent, höchstens 525.000 Euro
Festgestellter Invaliditätsgrad
50 Prozent
Leistung
rund 150.000 Euro (Richtwert aus der Angebotspraxis)
Beitrag
etwa 50 bis 100 Euro im Jahr
Gegenrechnung über 80 Jahre
150.000 Euro geteilt durch 960 Monate sind etwa 156 Euro im Monat
Die Summe klingt groß und ist es nicht: über ein ganzes Leben verteilt bleibt ein Zuschuss von etwa 156 Euro im Monat. Beim Kind ist deshalb die hohe Grundsumme wichtiger als jeder Zusatzbaustein. Und wäre die Ursache eine Krankheit, zahlte diese Police keinen Euro.
Wo Ihr Kind schon versichert ist, und wo nicht
Kinder sind in der Kita, in der Schule und im Hort gesetzlich unfallversichert, dazu auf dem Weg hin und zurück und bei Ausflügen und Klassenfahrten. Dieser Schutz kostet die Eltern keinen eigenen Beitrag. 2024 wurden bundesweit mehr als 1,1 Millionen solcher Unfälle gemeldet.
Er endet aber am Gartentor. Zu Hause, in der Freizeit und im Sportverein außerhalb der Schule gibt es keine gesetzliche Invaliditätsleistung, und genau dort passiert der größte Teil: 43,8 Prozent der Unfälle geschehen im privaten Umfeld, 24,2 Prozent in Betreuungseinrichtungen und 17,4 Prozent auf Spielplätzen oder Sportanlagen. Die private Police schließt diese Lücke, und sie gilt rund um die Uhr.
Der Punkt, den viele Ratgeber weglassen
Wer sein Kind gegen eine dauerhafte schwere Beeinträchtigung absichern will, deckt mit einer Unfallversicherung den kleineren Teil des Risikos. Nach der Statistik des Statistischen Bundesamtes gehen über alle Altersgruppen gerechnet rund 90 Prozent der schweren Behinderungen auf eine Krankheit zurück, etwa 3 Prozent sind angeboren oder entstehen im ersten Lebensjahr, und nur etwa 1 Prozent stammt aus einem Unfall oder einer Berufskrankheit. Rund 200.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gelten als schwerbehindert.
Auch die gesetzliche Seite zeigt, wie selten der schwere Unfall ist: aus den mehr als 1,1 Millionen Schul- und Kitaunfällen des Jahres 2024 wurden nur etwa 578 neue Unfallrenten. Wer wirklich gegen dauerhafte Beeinträchtigung absichern will, sieht sich deshalb eine Kinderinvaliditätsversicherung an. Sie fragt nicht nach der Ursache, sondern nach dem Grad der Behinderung, üblich sind 50 Prozent nach der Feststellung des Versorgungsamts. Der Preis dafür: sie kostet ein Mehrfaches und stellt umfangreiche Gesundheitsfragen wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung.
Die drei Wege nebeneinander
Die Tabelle zeigt, welches Risiko welcher Schutz trägt. Der Zusammenhang ist einfach: die Unfallversicherung ist billig, weil sie wenig abdeckt, und die Kinderinvaliditätsversicherung ist teuer, weil sie viel abdeckt.
Angeborene Beeinträchtigungen und Krankheiten, die beim Abschluss schon bekannt sind, bleiben in beiden privaten Policen in der Regel außen vor. Das ist der Grund, warum der Abschluss früh und im gesunden Zustand passieren muss und nicht nach der ersten Diagnose.
Risiko
Gesetzliche Unfallversicherung
Private Unfallversicherung
Kinderinvaliditätsversicherung
Unfall in Kita, Schule oder Hort
zahlt
zahlt
zahlt ab dem vereinbarten Grad
Unfall auf dem Weg dorthin
zahlt
zahlt
zahlt ab dem vereinbarten Grad
Unfall zu Hause und in der Freizeit
zahlt nicht
zahlt
zahlt ab dem vereinbarten Grad
Unfall im Sportverein außerhalb der Schule
zahlt nicht
zahlt
zahlt ab dem vereinbarten Grad
Schwere Krankheit, etwa Krebs, Diabetes, Epilepsie
zahlt nicht
zahlt nicht
zahlt
Angeborene Beeinträchtigung
zahlt nicht
zahlt nicht
meist ausgeschlossen
Gesundheitsfragen beim Abschluss
keine
wenige oder keine
umfangreich
Beitrag im Jahr
kein eigener Beitrag
etwa 50 bis 100 Euro
etwa 107 bis 300 Euro
Was beim Kind anders ist
Ein Kind hat keine Berufsgruppe, und die Berufsgruppe ist beim Erwachsenen der stärkste Preistreiber. Deshalb ist der Beitrag klein, und deshalb ist es unsinnig, an der Grundsumme zu sparen: von 100.000 auf 300.000 Euro zu gehen kostet weniger, als die meisten erwarten. Ein Kind mit dauerhafter Beeinträchtigung hat ein ganzes Leben vor sich, und die Summe muss über Jahrzehnte reichen. Progression von 225 bis 350 Prozent gehört dazu, weil die Kosten erst bei schweren Graden wirklich steigen.
Die Todesfallsumme ist der falsche Posten. Sie deckt eine Beerdigung, sie ersetzt aber kein Einkommen, denn ein Kind hat keines, und die Bedingungen deckeln sie bei Minderjährigen ohnehin. Wichtiger sind vier Punkte in den Bedingungen: Bergungs- und Rettungskosten mit ausreichender Summe, kosmetische Operationen samt Zahnersatz nach einem Unfall, Infektionen nach einem Zeckenbiss ausdrücklich eingeschlossen, und die Mitwirkung von Krankheiten erst ab einem hohen Anteil angerechnet oder ganz ausgeschlossen. Der letzte Punkt entscheidet im Streitfall über viel Geld.
Wann Sie sie nicht brauchen
Wenn das Geld nur für eine Police reicht, ist es in der Kinderinvaliditätsversicherung besser angelegt als in der Unfallversicherung. Wer beides nicht bezahlen kann, sollte nicht die billigere nehmen, weil sie billiger ist, sondern die, die das größere Risiko trägt.
Auch nicht nötig: eine zweite Unfallpolice, wenn das Kind über eine Familienunfallversicherung schon mitversichert ist; ein Extravertrag für ein Kind, dessen Beeinträchtigung bereits festgestellt ist, denn dafür zahlt keine der beiden Policen; und eine Spar- oder Ausbildungspolice mit ein paar Euro Unfallschutz obendrauf. Wer ein Vermögen für das Kind aufbauen will, trennt Sparen und Versichern.
Schritt für Schritt
Nachsehen, wo Ihr Kind schon gesetzlich versichert ist: Kita, Schule, Hort, der Weg dorthin und Ausflüge.
Zuerst die Kinderinvaliditätsversicherung anfragen, solange das Kind gesund ist, denn dort entscheiden die Gesundheitsfragen über die Annahme.
Reicht das Geld nur für eine Police, die Kinderinvaliditätsversicherung vorziehen; sie trägt das größere Risiko.
Bei der Unfallversicherung die Grundsumme ab 100.000 Euro ansetzen, beim Kind besser 200.000 bis 300.000 Euro, dazu 225 bis 350 Prozent Progression.
Bergungskosten, kosmetische Operationen, Infektionen nach Zeckenbiss und die Mitwirkung von Krankheiten in den Bedingungen nachlesen und die Todesfallsumme klein halten.
Checkliste
Grundsumme mindestens 100.000 Euro, beim Kind besser 200.000 bis 300.000 Euro
Progression 225 bis 350 Prozent eingeschlossen
Mitwirkung von Krankheiten erst ab hohem Anteil angerechnet oder ausgeschlossen
Bergungs- und Rettungskosten mit ausreichender Summe
Kosmetische Operationen und Zahnersatz nach einem Unfall enthalten
Infektionen nach einem Zeckenbiss ausdrücklich eingeschlossen
Keine hohe Todesfallsumme, das Geld gehört in die Grundsumme
Häufige Fehler
Die Unfallversicherung für den vollen Schutz halten und die Kinderinvaliditätsversicherung nie prüfen
Eine niedrige Grundsumme wählen, weil der Beitrag dann so angenehm klein aussieht
Eine hohe Todesfallsumme vereinbaren, die dem Kind nichts nützt
Mit der Kinderinvaliditätsversicherung warten, bis die erste Diagnose in der Akte steht
Eine Spar- oder Ausbildungspolice mit ein paar Euro Unfallschutz für Absicherung halten
Fragen und Antworten
Häufig gefragt
Ist mein Kind in Kita und Schule versichert?
Ja, gesetzlich und ohne eigenen Beitrag, auch auf dem Weg dorthin,
bei Ausflügen und auf Klassenfahrten.
2024 wurden mehr als 1,1 Millionen solcher Unfälle gemeldet.
Zahlt die gesetzliche Unfallversicherung eine Rente?
Ja, aber selten.
Aus den mehr als 1,1 Millionen Schul- und Kitaunfällen des Jahres 2024 wurden nur etwa 578 neue
Unfallrenten.
Was ist der Unterschied zur Kinderinvaliditätsversicherung?
Die Unfallversicherung fragt nach der Ursache und zahlt nur nach Unfällen.
Die Kinderinvaliditätsversicherung fragt nur nach dem Grad der Behinderung, üblich ab 50 Prozent,
und zahlt auch bei Krankheit.
Sie kostet dafür ein Mehrfaches und stellt Gesundheitsfragen.
Was kostet eine Unfallversicherung für ein Kind?
Etwa 50 bis 100 Euro im Jahr für 100.000 Euro Grundsumme mit Progression,
bei günstigen Anbietern oft 40 bis 80 Euro.
Kinder haben keine Berufsgruppe, deshalb ist der Beitrag klein.
Zahlt die Unfallversicherung nach einem Zeckenbiss?
Nur wenn Infektionen im Vertrag ausdrücklich eingeschlossen sind.
Ein Zeckenbiss ist medizinisch kein Unfall, viele gute Tarife nehmen ihn trotzdem auf.
Ab welchem Alter lohnt sie sich?
Sobald das Kind mobil ist, weil die Freizeitlücke dann beginnt.
Für die Kinderinvaliditätsversicherung gilt zusätzlich: je früher,
desto eher wird das Kind ohne Ausschlüsse angenommen.
Ist eine Unfallversicherung für Kinder Pflicht?
Nein.
Keine der beiden Policen ist vorgeschrieben,
und bei bereits festgestellter Beeinträchtigung hilft auch keine von beiden.