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Versicherungsmakler / Versicherungsfragen / Unfallversicherung

Was ist die Gliedertaxe?

Kurz gesagt

Die Gliedertaxe ist die Tabelle in Ihrer Unfallversicherung, die jedem Körperteil einen festen Prozentsatz zuordnet. Verlust oder vollständige Funktionsunfähigkeit ergeben den vollen Satz, eine teilweise Beeinträchtigung einen Bruchteil. Invaliditätsgrad mal Versicherungssumme ist die Leistung: ein Daumen zählt üblich 20 Prozent, aus 150.000 Euro werden 30.000 Euro. Verbesserte Tabellen setzen bis zu 60 Prozent an.

Was ist die Gliedertaxe?

Was es kostet

Veröffentlichte Beitragswerte und die daraus gerechneten Auszahlungen, Grundsumme 100.000 bis 150.000 Euro.

BeispielRichtwert
Erwachsener, guter Schutz im Testab etwa 100 Euro im Jahr, sehr guter Schutz ab etwa 188 Euro
Kind, guter Schutz im Testab etwa 50 Euro im Jahr, sehr guter Schutz ab etwa 127 Euro
Büroberuf, 100.000 Euro Grundsumme, 350 Prozent Progressionetwa 60 bis 180 Euro im Jahr
Handwerk, 100.000 Euro Grundsumme, 350 Prozent Progressionetwa 120 bis 260 Euro im Jahr
Daumenverlust bei 150.000 Euro Grundsumme30.000 Euro mit einfacher, bis 90.000 Euro mit verbesserter Gliedertaxe
Mehrbeitrag für eine verbesserte Gliedertaxeetwa 10 bis 25 Prozent

Beitragswerte Stand September 2026 aus veröffentlichten Tests und Tarifbeispielen. Die Auszahlungen sind mit den genannten Prozentwerten selbst gerechnet. Der Mehrbeitrag für eine verbesserte Gliedertaxe ist ein Richtwert aus der Angebotspraxis, er hängt vom Versicherer ab; das genaue Angebot holen wir ein.

Rechenbeispiel

Verlust eines Daumens, 150.000 Euro Grundsumme, zwei Verträge

Gleicher Unfall, gleiche Versicherungssumme, nur die Gliedertaxe unterscheidet sich. So groß wird der Unterschied.

Versicherungssumme in beiden Verträgen150.000 Euro
Einfache Gliedertaxe: Daumen 20 Prozent30.000 Euro
Verbesserte Gliedertaxe: Daumen 60 Prozent90.000 Euro
Unterschied bei gleicher Grundsumme60.000 Euro
Mehrbeitrag für die verbesserte Tabelleetwa 10 bis 25 Prozent, Richtwert aus der Angebotspraxis

Der zweite Vertrag zahlt dreimal so viel. Dazu kommt: 20 Prozent liegen unter der Progressionsschwelle von 26 Prozent, 60 Prozent darüber. Die Progression wirkt also nur im verbesserten Vertrag und vergrößert den Abstand weiter.

Wie aus der Tabelle Geld wird

Die Gliedertaxe ist der Rechenkern der ganzen Unfallversicherung. Sie ordnet jedem Körperteil und jedem Sinnesorgan einen Prozentsatz zu. Verlieren Sie das Teil ganz oder kann es dauerhaft überhaupt nicht mehr arbeiten, gilt der volle Satz. Bleibt eine Restfunktion, gilt der entsprechende Bruchteil: ist eine Hand nur noch zur Hälfte brauchbar, ergibt das die Hälfte des Handsatzes.

Aus diesem Prozentsatz wird der Invaliditätsgrad, und dieser Grad mal Ihrer Versicherungssumme ist die Leistung. Wichtig: Es gibt keine gesetzliche Gliedertaxe. Der Gesamtverband der Versicherer gibt nur eine unverbindliche Empfehlung, jedes Haus schreibt seine eigene Tabelle in die Bedingungen. Genau darin unterscheiden sich zwei Angebote, die auf dem Deckblatt gleich aussehen.

KörperteilÜblicher SatzVerbesserte Gliedertaxe
Arm im Schultergelenk70 Prozentbis 100 Prozent
Arm bis oberhalb des Ellenbogens65 Prozentbis 75 Prozent
Hand im Handgelenk55 Prozentbis 100 Prozent
Daumen20 Prozentbis 60 Prozent
Zeigefinger10 Prozentbis 30 Prozent
Anderer Finger5 Prozentbis 15 Prozent
Bein über Mitte des Oberschenkels70 Prozentbis 100 Prozent
Bein unterhalb des Knies50 Prozentbis 100 Prozent
Fuß im Fußgelenk40 Prozentje nach Tarif höher
Große Zehe5 Prozentje nach Tarif höher
Andere Zehe2 Prozentje nach Tarif höher
Ein Auge50 Prozentbis 80 Prozent
Beide Augen100 Prozent100 Prozent
Gehör auf einem Ohr30 Prozentje nach Tarif höher
Gehör auf beiden Ohren60 Prozentje nach Tarif höher
Geruchssinn10 Prozentje nach Tarif höher
Geschmackssinn5 Prozentje nach Tarif höher

Verbesserte Gliedertaxe: der wichtigste Punkt beim Abschluss

Eine verbesserte Gliedertaxe setzt höhere Prozentwerte an als die Empfehlung der Branche. Ratgeber erwähnen das meist in einem Nebensatz. Gerechnet wird es selten, obwohl genau hier das Geld liegt: Bei gleicher Versicherungssumme und gleichem Unfall zahlt der eine Vertrag ein Vielfaches des anderen. Wie stark verbessert wird, legt jeder Versicherer selbst fest, einheitlich ist daran nichts.

Der zweite Effekt wird fast immer übersehen. Die Progression greift in vielen Bedingungswerken erst ab einem Invaliditätsgrad von 26 Prozent. Eine verbesserte Gliedertaxe hebt manche Verletzungen über diese Schwelle, und dann wirkt die Progression zusätzlich. Ein Daumen mit 20 Prozent bleibt darunter, derselbe Daumen mit 60 Prozent liegt darüber.

KörperteilEinfache GliedertaxeVerbesserte Gliedertaxe
Daumen30.000 Euro90.000 Euro
Zeigefinger15.000 Euro45.000 Euro
Hand im Handgelenk82.500 Euro150.000 Euro
Bein unterhalb des Knies75.000 Euro150.000 Euro
Ein Auge75.000 Euro120.000 Euro

Mehrere Teile, Teile ohne Eintrag, Vorschäden

Sind mehrere Körperteile betroffen, werden die einzelnen Sätze zusammengezählt. Nach oben ist bei 100 Prozent Schluss: Arm mit 70 und Gehör auf einem Ohr mit 30 Prozent ergeben genau 100, mehr wird daraus auch bei weiteren Verletzungen nicht. Betrifft alles denselben Arm oder dasselbe Bein, bildet der Versicherer einen Gesamtgrad für dieses Glied statt zu addieren.

Körperteile, die nicht in der Tabelle stehen, etwa Rücken, Kopf oder innere Organe, werden im Schadenfall einzeln bewertet. Maßstab ist, wie stark die körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit insgesamt beeinträchtigt ist, gemessen an einem Menschen gleichen Alters und Geschlechts. War ein Glied schon vor dem Unfall eingeschränkt, wird diese Vorinvalidität abgezogen. Und haben Krankheiten am Dauerschaden mitgewirkt, kürzt der Versicherer entsprechend; gute Bedingungen rechnen diese Mitwirkung erst ab einem hohen Anteil an.

Was die Gliedertaxe nicht leistet

Die Tabelle fragt nicht nach Ihrem Beruf. Eine Pianistin und ein Buchhalter bekommen für denselben Finger denselben Prozentsatz, obwohl der Verlust für die eine das Berufsleben beendet. Wer sein Einkommen absichern will, braucht dazu eine Berufsunfähigkeitsversicherung; die Unfallversicherung ersetzt sie nicht.

Und sie gilt nur für Unfälle. Ein Bandscheibenvorfall ohne Unfall, ein Schlaganfall oder eine Krebserkrankung lösen keine Leistung aus, egal wie hoch die Sätze sind. Dazu kommen Fristen: Die Invalidität muss meist innerhalb bestimmter Monate nach dem Unfall eingetreten, ärztlich festgestellt und beim Versicherer geltend gemacht sein. Wer das versäumt, bekommt trotz guter Tabelle nichts.

Schritt für Schritt

  1. Die Gliedertaxe im Bedingungswerk suchen, sie steht beim Abschnitt zur Invaliditätsleistung.
  2. Die Sätze für Arm, Hand, Bein und Auge mit den üblichen Werten aus der Tabelle oben vergleichen.
  3. Den eigenen Fall durchrechnen: Satz mal Versicherungssumme, dann die Progression darüberlegen.
  4. Nachlesen, wie Vorschäden und die Mitwirkung von Krankheiten geregelt sind.
  5. Erst danach die Beiträge vergleichen, und nur zwischen Angeboten mit derselben Tabelle.

Checkliste

  • Gliedertaxe liegt schriftlich vor, nicht nur als Werbeaussage
  • Sätze für Arm, Hand, Bein und Auge liegen über den üblichen Werten
  • Finger und Zehen haben eigene Sätze, nicht einen Sammelwert
  • Körperteile ohne Eintrag werden nach der körperlichen Leistungsfähigkeit bewertet
  • Mitwirkung von Krankheiten wird erst ab einem hohen Anteil angerechnet
  • Frist zur ärztlichen Feststellung der Invalidität ist großzügig bemessen

Häufige Fehler

  • Angebote nur über den Beitrag vergleichen und die Tabelle überspringen
  • Eine verbesserte Gliedertaxe kaufen und dafür die Grundsumme senken
  • Annehmen, es gebe eine einheitliche Gliedertaxe für alle Versicherer
  • Den Unfall spät melden und die Frist zur Feststellung der Invalidität verpassen

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Wer legt die Gliedertaxe fest?

Jeder Versicherer selbst, in seinen Bedingungen. Der Gesamtverband der Versicherer gibt nur eine unverbindliche Empfehlung. Ein Gesetz gibt es nicht.

Wie rechne ich meine Leistung aus?

Prozentsatz laut Tabelle mal Versicherungssumme. Liegt der Grad über der Progressionsschwelle, meist 26 Prozent, kommt die Progression obendrauf.

Was gilt, wenn ein Körperteil nur teilweise unbrauchbar ist?

Dann gilt der entsprechende Bruchteil. Eine Hand, die nur noch halb arbeitet, ergibt die Hälfte des Handsatzes.

Zählt mein Beruf bei der Gliedertaxe?

Nein. Pianistin und Buchhalter erhalten für denselben Finger denselben Satz. Der Beruf beeinflusst nur den Beitrag, nicht die Leistung.

Was ist mit Körperteilen, die nicht in der Tabelle stehen?

Sie werden einzeln bewertet, danach wie stark die körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit insgesamt beeinträchtigt ist.

Werden Vorschäden abgezogen?

Ja. Eine Vorinvalidität am selben Glied wird abgerechnet, und Krankheiten, die am Dauerschaden mitgewirkt haben, kürzen die Leistung.

Braucht jeder eine verbesserte Gliedertaxe?

Nein. Wenn Sie dafür die Grundsumme senken müssten, ist das ein schlechtes Geschäft: die Grundsumme wirkt bei jedem Grad, die bessere Tabelle nur bei bestimmten Verletzungen.

Quellen

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