Jagdhaftpflicht: Ohne sie gibt es keinen Jagdschein, mit der Mindestsumme zu wenig Schutz
Die Jagdhaftpflicht ist in Deutschland Voraussetzung für den Jagdschein. Das Gesetz verlangt 500.000 Euro für Personenschäden und 50.000 Euro für Sachschäden, Summen aus einer anderen Zeit. Ein einziger Fehlschuss oder ein Jagdhund auf der Bundesstraße kann sie überschreiten. Gute Tarife decken ein Vielfaches und kosten kaum mehr.
Ja. Nach § 17 Abs. 1 Nr. 4 Bundesjagdgesetz wird der Jagdschein versagt, wenn Sie keine Jagdhaftpflicht mit mindestens 500.000 Euro für Personenschäden und 50.000 Euro für Sachschäden nachweisen. Der Nachweis gehört zu jedem Antrag und jeder Verlängerung. Die Privathaftpflicht ersetzt sie nicht, weil sie die Jagd in aller Regel ausschließt.
Warum die Mindestsumme aus dem Gesetz nicht reicht
Die Summen in § 17 Bundesjagdgesetz stammen aus einer Zeit, in der ein schwerer Personenschaden deutlich weniger kostete. Heute treiben lebenslange Pflege, Verdienstausfall und Rentenansprüche einen einzigen Fall mit Querschnittslähmung weit über eine halbe Million Euro. Was die Versicherung nicht zahlt, zahlt der Jäger aus eigenem Vermögen.
Eine Novelle des Bundesjagdgesetzes sollte 2021 die Mindestdeckung auf 5 Millionen Euro anheben. Sie ist aus anderen Gründen gescheitert, die alte Zahl gilt weiter. Die Fachpresse rät trotzdem zu 5 bis 10 Millionen Euro pauschal, und der Aufpreis dafür liegt meist bei wenigen Euro im Jahr.
Der Hund ist das größere Risiko als das Gewehr
Nach Auswertungen der Fachzeitschrift jagdpraxis gehen rund vier Fünftel der gemeldeten Schäden in der Jagdhaftpflicht auf Jagdhunde zurück, meist Kleinschäden außerhalb der Jagd. Deshalb zählt, wie viele Hunde ein Tarif einschließt, ob ungeprüfte Hunde und Welpen dazugehören und ob der Schutz auch beim Spaziergang gilt.
Üblich sind zwei mitversicherte Hunde, manche Tarife nehmen bis zu fünf oder unbegrenzt viele. Wer mehr Hunde führt als der Vertrag kennt, braucht für die übrigen eine eigene Hundehaftpflicht. Fällt der eigene Hund aus und führt ein anderer Jäger ihn, kommt es darauf an, wessen Vertrag Hund und Führer einschließt.
Drohne, Nachtsicht, Hochsitz: was neu dazugekommen ist
Mit der Technik ist das Risiko gewachsen. Drohnen mit Wärmebildkamera suchen vor der Mahd nach Rehkitzen, Nachtsichttechnik ist in vielen Ländern für die Schwarzwildjagd erlaubt. Ältere Bedingungen kennen weder das eine noch das andere. Eine Drohne braucht ohnehin eine Haftpflicht, und gute Jagdtarife schließen sie ein.
Wer ein Revier pachtet, haftet außerdem für Hochsitze, Kanzeln und Wege. Bricht eine morsche Leiter unter einem Jagdgast, geht es um die Verkehrssicherungspflicht des Pächters. Diese Rolle muss im Vertrag stehen. Den Wildschaden auf Feldern deckt die Jagdhaftpflicht dagegen nicht, er ist eine Pflicht aus Gesetz und Pachtvertrag.
Was versichert ist
Personen-, Sach- und Vermögensfolgeschäden bei der Jagdausübung, auch durch Schusswaffen
Abwehr unberechtigter Forderungen, auch vor Gericht
Halten, Führen und Ausbilden von Jagdhunden, je nach Tarif bis zu einer bestimmten Zahl
Erlaubter Waffenbesitz und Waffengebrauch außerhalb der Jagd, etwa auf dem Schießstand
Haftung als Jagdpächter, Jagdaufseher oder Jagdleiter, je nach Tarif
Hochsitze, Kanzeln und andere Reviereinrichtungen
Drohnen zur Kitzrettung und Nachsuche, je nach Tarif
Jagdreisen ins Ausland, zeitlich und räumlich begrenzt
Was nicht versichert ist
Wildschäden auf landwirtschaftlichen Flächen, die der Pächter nach Gesetz oder Pachtvertrag ersetzen muss
Schäden an eigenen Sachen, an der eigenen Waffe und am eigenen Hund
Vorsätzlich herbeigeführte Schäden und Verstöße gegen das Waffenrecht
Gewerbliche Jagdveranstaltungen und Hundezucht, wenn nicht eingeschlossen
Eigene Verletzungen bei der Jagd, dafür gibt es die Unfallversicherung
Wer sie braucht
Jeder, der einen Jagdschein beantragt oder verlängert, gleich ob Jahres- oder Tagesjagdschein
Jagdpächter und Mitpächter, die für Reviereinrichtungen und Jagdgäste haften
Hundeführer, die Jagdhunde halten, ausbilden oder auf Drückjagden führen
Jäger, die im Ausland jagen und nicht wissen, wie weit ihr Vertrag reicht
Wer sie nicht braucht
Treiber und Begleiter ohne Jagdschein: für sie ist die Jagdhaftpflicht nicht vorgeschrieben
Pech-Rad
Drehen Sie am Rad des Pechs
Sechs Schäden, die wirklich passieren: Das Rad wählt Ihren und zeigt, wer zahlt.
Kosten:
Billigtarif Starker Tarif
Alle sechs Fälle ansehen
Fehlschuss verletzt einen Treiber, sechs- bis siebenstellig mit bleibenden Schäden. Billigtarif: zahlt teilweise, Starker Tarif: zahlt. Jede Jagdhaftpflicht zahlt, aber nur bis zur vereinbarten Summe. Bei lebenslanger Pflege reicht die gesetzliche halbe Million oft nicht.
Jagdhund jagt Reh auf die Straße, fünfstellig, mit Verletzten sechsstellig. Billigtarif: zahlt, Starker Tarif: zahlt. Löst der Hund den Unfall aus, haften Halter und Hundeführer. Wichtig ist, dass der Hund im Vertrag steht, auch wenn er noch keine Prüfung hat.
Kitzdrohne stürzt auf ein Auto, rund 1.000 bis 5.000 €. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt. Ältere Jagdtarife kennen keine Drohne. Gute Tarife schließen den Einsatz zur Kitzrettung und Nachsuche ausdrücklich ein.
Hochsitzleiter bricht unter Jagdgast, fünf- bis sechsstellig. Billigtarif: zahlt teilweise, Starker Tarif: zahlt. Für Reviereinrichtungen haftet der Pächter. Ein reiner Jägertarif ohne Pächterrisiko lässt ihn hier allein.
Schuss trifft Fahrzeug auf Jagdreise, rund 2.000 bis 10.000 €. Billigtarif: zahlt teilweise, Starker Tarif: zahlt. Grundtarife gelten oft nur in Europa oder für kurze Zeit. Starke Tarife decken Jagdreisen weltweit.
Wildschweine wühlen Maisfeld um, vier- bis fünfstellig je Saison. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt nicht. Wildschaden ist kein Haftpflichtfall. Ersatz schuldet die Jagdgenossenschaft oder der Pächter nach Pachtvertrag, aus eigener Tasche.
Was sie kostet
Die Jagdhaftpflicht gehört zu den günstigen Pflichtversicherungen. Die Unterschiede liegen weniger im Preis als darin, wie viele Hunde, welche Technik und welche Rollen im Revier eingeschlossen sind.
Beispiel
Richtwert
Einzelner Jäger ohne Revier, ein Hund
rund 30 bis 90 € im Jahr
Wovon der Beitrag abhängt
Deckungssumme und Selbstbeteiligung
Anzahl der mitversicherten Jagdhunde
Rolle: Jäger, Pächter, Jagdaufseher oder Berufsjäger
Einschlüsse wie Drohne, Nachtsicht und Ausland
Laufzeit, viele Jäger zahlen für drei Jahre im Voraus
Spanne aus veröffentlichten Anbieterangaben 2025. Pächter, Berufsjäger und mehrere Hunde kosten mehr. Ihr Beitrag steht erst im Angebot fest.
Die Tariflinien am Markt
01
Grundschutz
Gesetzliche Mindestsumme oder wenig mehr, ein oder zwei Hunde, kaum Einschlüsse. Reicht für den Jagdschein, nicht für einen schweren Unfall.
02
Komfort
5 bis 10 Mio. € pauschal ohne Selbstbeteiligung, mehrere Hunde samt Welpen, Ausland in Europa. Für die meisten Jäger passend.
03
Premium
Höhere Summen, Drohne und Nachtsicht, Pächterrisiko, weltweite Jagdreisen, viele Hunde. Für Pächter, Hundeführer und Reisejäger.
Woran Sie einen guten Tarif erkennen
Kriterium
Mindeststandard
Starker Tarif
Warum das zählt
Deckungssumme
500.000 € Personen, 50.000 € Sach
mindestens 10 Mio. € pauschal
Ein einziger schwerer Personenschaden übersteigt die gesetzliche Summe.
Jagdhunde
zwei geprüfte Hunde
mehrere Hunde, auch ungeprüfte und Welpen
Hunde verursachen die meisten Schäden, oft außerhalb der Jagd.
Hunde außerhalb der Jagd
nur bei der Jagd
auch im Alltag, beim Training und auf Reisen
Sonst fehlt der Schutz beim täglichen Spaziergang.
Pächterrisiko
nicht eingeschlossen
Jagdpächter, Jagdleiter und Reviereinrichtungen eingeschlossen
Der Pächter haftet für Hochsitze und Gesellschaftsjagden.
Drohne und Nachtsicht
nicht genannt
ausdrücklich eingeschlossen
Kitzrettung und Nachtjagd sind heute Alltag im Revier.
Ausland
Europa, kurze Reisen
weltweit für Jagdreisen
Auf der Jagdreise gilt sonst oft nur die Mindestsumme des Ziellands.
Selbstbeteiligung
vereinbart
keine
Bei vielen kleinen Hundeschäden zahlt man sonst fast alles selbst.
Anbieter im Überblick
Jagdhaftpflicht bieten viele deutsche Sachversicherer an, einige mit Tarifen eigens für Pächter und Hundeführer. Direktversicherer, die nicht mit Maklern arbeiten, nennen wir mit, damit Sie den Markt kennen.
Versicherer
Einordnung
Allianz
Vertreter und Makler
ERGO
Vertreter, Makler und Direktvertrieb
Zurich
Vertreter und Makler
Die Bayerische
Makler und Direktvertrieb
R+V
Volks- und Raiffeisenbanken, Vertreter und Makler
SIGNAL IDUNA
Vertreter und Makler
Alte Leipziger
Maklerversicherer
Uelzener
Versicherungsverein mit Schwerpunkt Tier und Jagd, Maklervertrieb
Für den Inhaber eines Jagdscheins, mit Waffe und einer festen Zahl Jagdhunde.
Pächter-Jagdhaftpflicht
Schließt die Haftung als Jagdpächter, Jagdleiter und für Reviereinrichtungen ein.
Berufsjäger und Jagdaufseher
Für Menschen, die die Jagd beruflich oder im Auftrag eines Reviers ausüben.
Jagd-Unfallversicherung
Ergänzung für eigene Verletzungen des Jägers, die keine Haftpflicht zahlt.
Mythos oder Wahrheit
Was stimmt, was nicht?
Fünf Sätze, die man über diese Versicherung hört. Tippen Sie zuerst, dann lösen wir auf.
Ohne Jagdhaftpflicht bekomme ich keinen Jagdschein.
Das stimmt.
Stimmt: Das Bundesjagdgesetz macht den Nachweis zur Voraussetzung für Erteilung und Verlängerung. Fehlt er, versagt die Behörde den Jagdschein.
Die gesetzliche Mindestsumme ist ausreichend, sonst hätte der Gesetzgeber mehr verlangt.
Das stimmt nicht.
Falsch: Die Summen sind seit Jahrzehnten nicht angepasst. Eine Anhebung auf 5 Millionen Euro war 2021 geplant und ist gescheitert. Ein schwerer Personenschaden übersteigt eine halbe Million schnell.
Die meisten Schäden in der Jagdhaftpflicht verursacht der Hund, nicht die Waffe.
Das stimmt.
Stimmt: Nach Auswertungen der Fachpresse gehen rund vier Fünftel der Meldungen auf Jagdhunde zurück, meist kleine Schäden außerhalb der Jagd.
Meine Privathaftpflicht deckt die Jagd mit ab.
Das stimmt nicht.
Falsch: Die Jagd ist in der Privathaftpflicht in aller Regel ausgeschlossen. Dafür gibt es die eigene Jagdhaftpflicht, die die Behörde auch sehen will.
Wildschäden auf dem Acker zahlt die Jagdhaftpflicht des Pächters.
Das stimmt nicht.
Nein: Wildschaden ist eine Ersatzpflicht aus Gesetz und Pachtvertrag, keine Haftpflicht. Die Bedingungen schließen ihn ausdrücklich aus.
Häufige Fehler beim Abschluss
Nur die gesetzliche Mindestsumme versichern, weil sie für den Jagdschein genügt
Mehr Hunde führen, als der Vertrag einschließt
Als Pächter einen Jägertarif ohne Pächterrisiko behalten
Den Wildschaden auf dem Feld in der Jagdhaftpflicht vermuten
Vor der Jagdreise nicht prüfen, ob der Vertrag im Zielland gilt
Häufig gefragt
Fragen und Antworten
Zahlt die Privathaftpflicht bei der Jagd?
In aller Regel nicht.
Die Privathaftpflicht schließt die Jagd aus,
und für den Jagdschein verlangt die Behörde ohnehin einen eigenen Nachweis über eine
Jagdhaftpflicht.
Was kostet eine Jagdhaftpflicht?
Für einen einzelnen Jäger mit Hund nennen Anbieter rund 30 bis 90 Euro im Jahr.
Höhere Deckungssummen kosten meist nur wenige Euro mehr.
Pächter, Berufsjäger und Tarife mit vielen Hunden liegen darüber.
Wie weise ich die Versicherung für den Jagdschein nach?
Der Versicherer stellt eine Bestätigung aus,
die Sie bei der unteren Jagdbehörde mit dem Antrag oder der Verlängerung vorlegen.
Sie muss für die gesamte Laufzeit des Jagdscheins gelten.
Wie viele Hunde sind mitversichert?
Das regelt der Tarif.
Üblich sind zwei Jagdhunde, manche Tarife schließen bis zu fünf oder beliebig viele ein.
Welpen und Hunde ohne Prüfung sind nicht überall dabei.
Ist der Wildschaden im Revier versichert?
Nein.
Wildschäden auf Feldern und Wiesen ersetzt nach § 29 Bundesjagdgesetz die Jagdgenossenschaft oder,
wenn der Pachtvertrag es so regelt, der Pächter.
Die Jagdhaftpflicht schließt diese Ansprüche aus.
Gilt meine Jagdhaftpflicht im Ausland?
Meist in Europa, oft zeitlich begrenzt.
Für Jagdreisen außerhalb Europas brauchen Sie einen Tarif mit weltweitem Schutz oder eine
Zusatzdeckung.
Bin ich als Jagdgast versichert?
Über Ihre eigene Jagdhaftpflicht ja, sie folgt Ihnen in jedes Revier.
Die Versicherung des Gastgebers deckt seine Rolle als Pächter und Jagdleiter, nicht Ihre Schüsse.
Warum über einen Makler?
Weil sich die Tarife bei Hunden, Pächterrisiko, Technik und Ausland stark unterscheiden,
im Preis aber kaum.
Wir vergleichen in Ihrem Auftrag, die Vergütung zahlt der Versicherer.
NAMMERT Versicherungsmakler
Angebote für Jagdhaftpflicht anfordern
Wir holen Angebote ein und melden uns mit einem Vergleich, kostenlos: Es zahlt der Versicherer.
Danke, Ihre Anfrage ist bei uns.
Wir melden uns innerhalb eines Werktags. Wenn etwas eilt: 03375 / 29 12 77.