Montageversicherung: Anlagen vom Abladen bis zur Übergabe absichern
Wer eine Maschine, eine Produktionslinie oder eine Stahlkonstruktion beim Kunden aufbaut, trägt bis zur Abnahme das Risiko, dass sie beschädigt wird. Fällt ein Bauteil vom Kran, brennt beim ersten Anfahren ein Schaltschrank durch oder wird nachts Kabel gestohlen, baut der Montagebetrieb ein zweites Mal, ohne dafür bezahlt zu werden. Die Montageversicherung ist die Sachversicherung für genau diese Zeit, einschließlich des Probebetriebs.
Brauche ich als Anlagenbauer eine Montageversicherung?
Meist ja, sobald Sie Anlagen beim Kunden aufbauen und bis zur Abnahme die Gefahr tragen. Im Werkvertrag ist das nach § 644 BGB der Normalfall. Ihre Betriebshaftpflicht hilft dabei nicht, denn sie zahlt für Schäden an fremden Sachen, nicht für die eigene, noch nicht übergebene Leistung. Wer nur Ersatzteile liefert oder ausschließlich Wartung macht, braucht sie in der Regel nicht.
Montage oder Bau: welche Versicherung zuständig ist
Die Grenze verläuft nach dem Gegenstand, nicht nach der Baustelle. Die Bauleistungsversicherung schützt Bauwerke: Fundamente, Wände, Hallen, Straßen. Die Montageversicherung schützt Maschinen, maschinelle Einrichtungen, Stahlkonstruktionen und technische Anlagen, die aufgebaut, angeschlossen und in Betrieb genommen werden. Auf einer großen Baustelle laufen deshalb oft beide Verträge nebeneinander.
Schwierig wird es an den Nahtstellen, etwa bei Fundamenten für eine Presse oder bei fest eingebauter Haustechnik. Hier lohnt es sich, vor Vertragsschluss schriftlich festzuhalten, welche Teile in welchen Vertrag gehören, damit im Schaden nicht zwei Versicherer aufeinander zeigen.
Der Probebetrieb ist die gefährlichste Phase
Viele Schäden entstehen nicht beim Heben, sondern beim ersten Einschalten: falsch angeschlossene Phasen, eine vergessene Schraube im Getriebe, Überdruck in einer Leitung. Die Montageversicherung schließt den Probebetrieb in der Regel ein, aber nur für einen vereinbarten Zeitraum. Läuft die Inbetriebnahme länger, etwa weil der Kunde Nachbesserungen verlangt, muss die Frist verlängert werden, bevor sie endet.
Die Montageversicherung endet mit dem Ende des Probebetriebs, der Abnahme oder der erklärten Betriebsbereitschaft, je nachdem, was zuerst eintritt. Danach ist die Anlage Sache des Betreibers und gehört in dessen Maschinen- oder Elektronikversicherung. Die Übergabe sollte deshalb mit Datum dokumentiert sein.
Was mitversichert werden kann
Neben dem Montageobjekt lassen sich meist weitere Bausteine einschließen: eigene Montageausrüstung wie Gerüste, Hebezeuge und Werkzeugcontainer, die bereits vorhandene Anlage des Kunden, an die angeschlossen wird, Aufräum- und Bergungskosten sowie Mehrkosten für Eil- und Luftfracht von Ersatzteilen. Jeder dieser Punkte braucht eine eigene Summe.
Gerade die Altanlage wird oft vergessen. Wer eine neue Steuerung in eine laufende Fertigung einbindet und dabei die bestehende Linie beschädigt, steht ohne diesen Einschluss mit einem Schaden da, den weder die Montage- noch die Haftpflichtversicherung ohne Weiteres trägt.
Einzelprojekt oder Jahresvertrag
Wer nur gelegentlich größere Anlagen aufbaut, versichert jedes Projekt einzeln. Betriebe mit laufenden Montagen fahren mit einem Jahresvertrag meist besser: Er deckt alle Montagen bis zu einer Höchstsumme je Objekt, abgerechnet wird über den gemeldeten Montageumsatz. So beginnt keine Montage ohne Schutz, nur weil die Anmeldung liegen geblieben ist.
Was versichert ist
Unvorhergesehene Schäden am Montageobjekt bis zur Abnahme
Ungeschicklichkeit, Fahrlässigkeit und Bedienungsfehler der Monteure
Schäden beim Heben, Absetzen und Ausrichten
Kurzschluss, Überspannung und Folgen von Montagefehlern beim Probebetrieb
Brand, Blitz, Explosion, Sturm und je nach Vertrag Überschwemmung
Diebstahl eingebauter Teile und Vandalismus
Montageausrüstung und Altanlagen, wenn eingeschlossen
Aufräum-, Bergungs- und Eilfrachtkosten nach Vertrag
Was nicht versichert ist
Das fehlerhafte Teil selbst bei Konstruktions-, Material- oder Gussfehlern, meist nur der Folgeschaden
Schäden nach Abnahme oder Beginn des regulären Betriebs
Haftpflichtschäden an Sachen und Personen Dritter
Vertragsstrafen, Verzug und entgangener Gewinn
Verschleiß, Rost und allmähliche Einwirkungen
Der vereinbarte Selbstbehalt
Wer sie braucht
Maschinen- und Anlagenbauer, die beim Kunden montieren und in Betrieb nehmen
Montagebetriebe und selbstständige Monteure mit eigener Gefahrtragung
Stahlbau-, Förder- und Krantechnikbetriebe
Hersteller von Energie-, Lüftungs- und Prozessanlagen
Besteller, die eine große Anlage auf eigenes Risiko aufbauen lassen
Wer sie nicht braucht
Betriebe, die nur liefern und die Montage dem Kunden überlassen
Reine Wartungs- und Servicebetriebe ohne eigene Aufbauleistung
Pech-Rad
Drehen Sie am Rad des Pechs
Sechs Schäden, die wirklich passieren: Das Rad wählt Ihren und zeigt, wer zahlt.
Kosten:
Billigtarif Starker Tarif
Alle sechs Fälle ansehen
Bauteil rutscht vom Kran, Neuteil, Fracht und erneute Montage. Billigtarif: zahlt, Starker Tarif: zahlt. Der klassische Montageschaden. Gedeckt ist der Schaden am Montageobjekt, abzüglich Selbstbehalt.
Kurzschluss beim ersten Anfahren, Schaltschrank, Motoren, Verkabelung. Billigtarif: zahlt teilweise, Starker Tarif: zahlt. Im Probebetrieb versichert, solange der vereinbarte Zeitraum läuft. Schwache Verträge begrenzen ihn knapp.
Nachts wird Kupferkabel gestohlen, Material und Arbeitszeit für den Neueinzug. Billigtarif: zahlt teilweise, Starker Tarif: zahlt. Eingebaute Teile sind meist versichert, lose gelagertes Material nur mit eigenem Einschluss.
Bestehende Linie des Kunden beschädigt, Reparatur der Altanlage. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt. Die vorhandene Anlage ist nicht Montageobjekt. Sie ist nur versichert, wenn sie ausdrücklich eingeschlossen ist.
Montagefehler zeigt sich nach Übergabe, Folgeschaden an der Anlage. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt teilweise. Nach der Abnahme endet die Montageversicherung. Manche Verträge bieten eine Deckung für die Gewährleistungszeit, mit engen Grenzen.
Kunde verlangt Vertragsstrafe, Pönale wegen verspäteter Übergabe. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt nicht. Vertragsstrafen und Verzögerungsschäden sind keine Sachschäden. Die zahlt auch der beste Montagevertrag nicht.
Was sie kostet
Die Prämie richtet sich vor allem nach der Montagesumme, also dem Neuwert des Montageobjekts samt Montagekosten, und nach der Dauer bis zur Abnahme. Jahresverträge werden über den Montageumsatz abgerechnet, meist mit einer Mindestprämie. Belastbare, unabhängig veröffentlichte Beispielbeiträge liegen uns für diese Sparte nicht vor, deshalb nennen wir keine Beträge.
Wovon der Beitrag abhängt
Montagesumme und Wert des schwersten Einzelteils
Art der Anlage und Anteil an Elektrik und Steuerung
Dauer von Montage und Probebetrieb
Montageort, Land und Gefährdung durch Hochwasser oder Diebstahl
Mitversicherte Montageausrüstung und Altanlagen
Schadenverlauf und Höhe des Selbstbehalts
Den Beitrag nennt der Versicherer erst nach Prüfung von Projektbeschreibung, Montageplan und Ort.
Die Tariflinien am Markt
01
Einzelvertrag für ein Projekt
Deckt ein bestimmtes Montageobjekt vom Abladen bis zur Abnahme, mit festem Probebetriebszeitraum. Passend für gelegentliche Großprojekte.
02
Jahresvertrag für laufende Montagen
Alle Montagen eines Jahres bis zu einer Höchstsumme je Objekt, Abrechnung über den Umsatz, Bausteine für Montageausrüstung und Altanlagen.
03
Projektdeckung für Großanlagen
Für Kraftwerks-, Chemie- oder Industrieanlagen mit hohen Summen: individuell gezeichnet, oft mit Mitversicherung aller Beteiligten und Deckung für die Gewährleistungszeit.
Woran Sie einen guten Tarif erkennen
Kriterium
Mindeststandard
Starker Tarif
Warum das zählt
Probebetrieb
kurzer, starrer Zeitraum
ausreichend lang, mit Verlängerung auf Antrag
Inbetriebnahmen verzögern sich fast immer.
Folgeschäden aus Fehlern
nur äußere Ursachen
Folgeschäden aus Konstruktions- und Montagefehlern versichert
Der typische Schaden entsteht durch einen Fehler im eigenen Haus.
Altanlagen des Kunden
nicht versichert
mit eigener Summe eingeschlossen
Beim Anschluss an laufende Anlagen ist der Schaden an der Bestandsanlage oft der größte.
Montageausrüstung
ausgeschlossen
Gerüste, Hebezeuge und Werkzeug mitversichert
Eigene Geräte stehen wochenlang auf fremden Grundstücken.
Elementargefahren
nur Sturm
auch Überschwemmung und Starkregen
Offene Hallen und Baugruben laufen schnell voll.
Geltungsbereich
nur Deutschland
weltweit oder für alle benötigten Länder
Anlagenbau ist Exportgeschäft.
Gewährleistungszeit
nicht versichert
Schäden aus Montagefehlern, die sich nach Übergabe zeigen, als Baustein
Ein Fehler beim Aufbau kann erst Monate später einen Schaden auslösen.
Anbieter im Überblick
Die Montageversicherung zeichnen in Deutschland vor allem Sachversicherer mit technischer Abteilung, für große Anlagen auch Industrieversicherer. Ob ein Haus ein bestimmtes Projekt annimmt, hängt von Anlage, Summe und Land ab. Die Liste ist ein Marktüberblick ohne Wertung.
Versicherer
Einordnung
Allianz
Sachversicherer des Allianz-Konzerns mit Sitz in München
HDI Global
Industrieversicherer des Talanx-Konzerns für größere Firmenkunden
Mannheimer
Sachversicherer aus Mannheim mit Montageversicherung nach eigenen AMoB
Zurich
europäische Gesellschaft der Zurich-Gruppe mit Sitz in Frankfurt
R+V
Versicherer der Volks- und Raiffeisenbanken mit Sitz in Wiesbaden
VHV
Maklerversicherer aus Hannover mit Schwerpunkt Bau und Handwerk
Helvetia
deutsche Gesellschaft der Schweizer Helvetia-Gruppe
Württembergische
Sachversicherer der W&W-Gruppe mit Sitz in Stuttgart
Ein Vertrag für ein bestimmtes Projekt mit fester Laufzeit. Übersichtlich, aber jede Montage muss rechtzeitig angemeldet werden.
Montage-Jahresvertrag
Deckt alle Montagen eines Jahres automatisch bis zur vereinbarten Höchstsumme. Der Standard für Betriebe mit laufenden Aufträgen.
Bauleistungsversicherung
Verwandte Sparte für das Bauwerk selbst. Auf gemischten Baustellen ergänzen sich beide Verträge.
Maschinenversicherung
Schließt nach der Abnahme an und schützt die Anlage im laufenden Betrieb, abgeschlossen vom Betreiber.
Transportversicherung
Deckt den Weg vom Werk bis zum Montageort. Die Montageversicherung beginnt meist erst mit dem Abladen.
Mythos oder Wahrheit
Was stimmt, was nicht?
Fünf Sätze, die man über diese Versicherung hört. Tippen Sie zuerst, dann lösen wir auf.
Schäden an der eigenen Anlage vor der Übergabe zahlt die Betriebshaftpflicht.
Das stimmt nicht.
Falsch. Die Haftpflicht deckt Schäden an fremden Sachen. Die eigene, noch nicht abgenommene Leistung ist in aller Regel ausgeschlossen, genau dafür gibt es die Montageversicherung.
Der Probebetrieb ist ohne zeitliche Grenze mitversichert.
Das stimmt nicht.
Nein. Der Probebetrieb ist meist für einen vereinbarten Zeitraum versichert. Dauert er länger, muss die Deckung vorher verlängert werden.
Auch der Besteller kann die Montageversicherung abschließen.
Das stimmt.
Ja. Bei großen Anlagen versichert oft der Besteller das ganze Projekt und alle Beteiligten in einem Vertrag. Wer versichert, sollte im Liefervertrag stehen.
Das defekte Teil selbst wird bei einem Materialfehler meist nicht ersetzt.
Das stimmt.
Stimmt in den meisten Verträgen. Ersetzt wird der Schaden, den der Fehler an anderen Teilen verursacht. Den Austausch des fehlerhaften Teils schuldet der Lieferant als Gewährleistung.
Wer eine Bauleistungsversicherung hat, ist auch für Maschinenmontagen gedeckt.
Das stimmt nicht.
In der Regel nicht. Die Bauleistung deckt Bauwerke. Maschinen und technische Anlagen samt Probebetrieb gehören in die Montageversicherung.
Häufige Fehler beim Abschluss
Sich auf die Betriebshaftpflicht verlassen, die die eigene Leistung nicht deckt
Den Probebetrieb verlängern, ohne den Versicherer zu informieren
Die Altanlage des Kunden nicht einschließen, an die angeschlossen wird
Transport und Montage getrennt versichern und die Lücke beim Abladen übersehen
Im Jahresvertrag zu niedrige Höchstsummen je Objekt vereinbaren
Häufig gefragt
Fragen und Antworten
Was ist der Unterschied zwischen Montage- und Bauleistungsversicherung?
Die Bauleistungsversicherung deckt Bauwerke,
die Montageversicherung Maschinen, Stahlkonstruktionen und technische Anlagen samt Probebetrieb.
Entscheidend ist, was aufgebaut wird, nicht wo.
Auf gemischten Baustellen braucht es oft beide Verträge mit klarer Abgrenzung.
Wann beginnt und endet der Schutz?
In der Regel mit dem Abladen am Montageort und mit der Abnahme oder dem Beginn des regulären
Betriebs.
Der Weg dorthin gehört in die Transportversicherung,
die Zeit danach in die Maschinenversicherung des Betreibers.
Ist der Probebetrieb immer mitversichert?
Meist ja, aber nur für einen vereinbarten Zeitraum.
Dauert die Inbetriebnahme länger, muss die Deckung vor Ablauf verlängert werden.
Prüfen Sie diese Frist bei jedem Angebot.
Zahlt die Versicherung, wenn ein Konstruktionsfehler zum Schaden führt?
Meist ersetzt sie den Schaden, den der Fehler an anderen Teilen anrichtet,
nicht aber das fehlerhafte Teil selbst.
Dessen Austausch ist Gewährleistung.
Gute Verträge regeln das genau.
Wer schließt die Versicherung ab, Hersteller oder Kunde?
Das regelt der Vertrag zwischen beiden.
Meist versichert derjenige, der bis zur Abnahme die Gefahr trägt,
also der Hersteller oder Montagebetrieb.
Bei großen Anlagen versichert oft der Besteller alle Beteiligten in einem Vertrag.
Sind Montagen im Ausland versichert?
Wenn der Geltungsbereich es vorsieht.
Viele Verträge gelten für benannte Länder oder weltweit.
Manche Staaten verlangen zusätzlich eine örtliche Police, das klären wir vor Projektbeginn.
Sind meine Werkzeuge und Hebezeuge mitversichert?
Nur, wenn die Montageausrüstung als Baustein eingeschlossen ist.
Sonst gehören sie in eine eigene Geräte- oder Maschinenversicherung.
Warum über einen Makler?
Weil Versicherer Probebetrieb, Altanlagen,
Fehlerfolgeschäden und Auslandsmontagen sehr unterschiedlich behandeln und die Annahme vom Projekt
abhängt.
Wir holen Angebote ein, vergleichen die Bedingungen und stimmen die Grenze zu Bauleistung und
Transport ab.
Die Vergütung zahlt der Versicherer.
NAMMERT Versicherungsmakler
Angebote für Montageversicherung anfordern
Wir holen Angebote ein und melden uns mit einem Vergleich, kostenlos: Es zahlt der Versicherer.
Danke, Ihre Anfrage ist bei uns.
Wir melden uns innerhalb eines Werktags. Wenn etwas eilt: 03375 / 29 12 77.