Ein Stich beim Nachbarn, ein umgekippter Bienenwagen auf der Fahrt zur Raps- oder Obstblüte, eine Charge Honig, die reklamiert wird: Die Imkerei trägt Risiken, die viele erst bemerken, wenn es passiert ist. Hier steht, was Berufs- und Nebenerwerbsimker absichern sollten und was es kostet.
Sind meine Bienenvölker versichert, wenn sie an Faulbrut eingehen?
Nein, Tierseuchen wie die Amerikanische Faulbrut fallen nicht unter die Betriebshaftpflicht oder eine übliche Sachversicherung, das Risiko ist am freien Markt praktisch nicht versicherbar. Bei behördlich angeordneter Sperre und Vernichtung von Völkern greift stattdessen die Tierseuchenkasse des jeweiligen Bundeslands, die Beiträge dafür sind Pflicht für gemeldete Imker. Gegen Diebstahl, Sturm und Vandalismus am Bienenstand kann dagegen eine Inhaltsversicherung abgeschlossen werden.
Was in dieser Branche schiefgeht
01
Bienenstich bei Allergikern
Ein Passant oder Nachbar reagiert allergisch auf einen Stich und braucht Notarzt und Klinik, die Kosten landen beim Imker.
02
Bestäubung schlägt fehl
Ein Landwirt macht den Imker für eine schlechte Ernte verantwortlich, wenn Völker zu spät oder zu wenig aufgestellt wurden.
03
Honig als Produkt
Ein Kunde reklamiert verunreinigten oder falsch etikettierten Honig, ein Produkthaftungsfall ist schnell teurer als der Jahresumsatz.
04
Wanderimkerei und Transport
Bienenkästen fallen beim Umsetzen zur Raps- oder Lindenblüte vom Anhänger, Fahrzeug und Ladung werden beschädigt.
05
Diebstahl und Vandalismus am Stand
Bienenstöcke stehen oft abgelegen im Freiland und werden gestohlen oder mutwillig umgeworfen.
06
Faulbrut und Vergiftung
Eine gemeldete Tierseuche oder ein Pflanzenschutzunfall in der Nachbarschaft kostet ganze Völker, ohne dass eine Betriebshaftpflicht dafür einsteht.
Risiko-Radar
Einschätzung im Vergleich zu anderen Branchen, 1 gering bis 5 hoch.
Für Imkereien mit eigenem Online-Shop für Honig und Imkereibedarf, gegen Datenverlust und Betrugsversuche beim Bestellprozess.
Was es kostet: Beispielpreise
Imker zahlen vor allem für die Betriebshaftpflicht, gestaffelt nach Völkerzahl, Umsatz und ob Wanderimkerei betrieben wird. Viele Imkerbund-Mitglieder haben über die Vereinsmitgliedschaft bereits einen Basisschutz, der für Berufsimker mit eigenem Verkauf meist nicht ausreicht.
Versicherung
Beispiel
Richtwert
Betriebshaftpflicht
Nebenerwerbsimkerei mit bis zu 25 Völkern und Direktverkauf
etwa 100 bis 200 Euro im Jahr
Betriebshaftpflicht
Berufsimkerei mit rund 100 Völkern, Umsatz bis 50.000 Euro, 3 Millionen Euro Deckungssumme
etwa 130 bis 600 Euro im Jahr
Inhaltsversicherung
Schleuder, Gerät und Lager im Wert von 20.000 Euro
etwa 150 bis 400 Euro im Jahr
Kfz-Versicherung
Transporter für die Wanderimkerei, Haftpflicht und Teilkasko
etwa 400 bis 900 Euro im Jahr
Betriebsunterbrechung
Ertragsausfall zwölf Monate für Berufsimkereien
etwa 300 bis 900 Euro im Jahr
Zum Vergleich: Die Betriebshaftpflicht einer kleinen Imkerei kostet im Jahr ungefähr so viel wie 15 bis 20 Gläser Honig im Hofverkauf.
Richtwerte ohne Versicherungsteuer, Stand September 2026.
Die Beitragsbeispiele stammen aus öffentlich genannten Angebotsbeispielen,
Landesverbandsbeiträge über den Imkerbund liegen oft niedriger,
decken aber weniger als eine eigene Betriebshaftpflicht.
Faulbrut- und andere Seuchenschäden sind nicht Teil dieser Beiträge,
dafür ist die Tierseuchenkasse des Bundeslands zuständig.
Sechs Dinge, die Imkern wirklich passieren, zusammengelegt auf einen Tag. Tippen Sie sich durch und sehen Sie, wer zahlt.
Schaden bis jetzt48.700 Euro
Beim Verladen für die Rapsblüte rutscht ein Volk vom Anhänger, der Transporter wird beschädigt.
4.200 Euro · Zahlt: Kfz-Versicherung
Ein Spaziergänger wird am Wanderstand mehrfach gestochen und reagiert allergisch, Notarzteinsatz und Behandlung folgen.
18.000 Euro · Zahlt: Betriebshaftpflicht
Ein Landwirt macht den Imker für eine schwache Apfelernte verantwortlich, die Völker seien zu spät aufgestellt worden.
9.500 Euro · Zahlt: Betriebshaftpflicht
Ein Kunde erkrankt nach einem Glas Honig und meldet einen Produktfehler.
6.000 Euro · Zahlt: Betriebshaftpflicht
Unbekannte werfen nachts drei Bienenstöcke am freistehenden Lehrstand um, Beuten und Werkzeug sind zerstört.
3.800 Euro · Zahlt: Inhaltsversicherung
Ein Kurzschluss in der Schleuderei setzt Lager und Gerät unter Wasser.
7.200 Euro · Zahlt: Inhaltsversicherung
Welches Paket hätten Sie gehabt?
Davon bezahlt die Versicherung: 0 Euro
Aus eigener Tasche: 48.700 Euro
Beispielhafte Summen ohne Selbstbeteiligung.
Was gezahlt wird, regeln die Bedingungen.
Konkrete Tipps vom Makler
Schließen Sie Bestäubungsdienstleistungen und Produkthaftung für Honig ausdrücklich in die Betriebshaftpflicht ein, nicht jede Police tut das automatisch.
Melden Sie Ihre Völker bei der Tierseuchenkasse Ihres Bundeslands an, das ist die einzige Absicherung gegen Faulbrut und andere Seuchen.
Prüfen Sie, ob die Mitgliedschaft im Imkerverein oder Landesverband bereits einen Grundschutz enthält, bevor Sie doppelt versichern.
Sichern Sie Transportfahrzeuge und Anhänger für die Wanderimkerei gesondert ab, Standardpolicen für Pkw reichen oft nicht.
Dokumentieren Sie Völkerzahl, Standorte und Werte am Bienenstand, das beschleunigt die Schadenregulierung bei Diebstahl oder Vandalismus.
Klären Sie bei Marktständen und Hoffesten, ob Standbetrieb und Verkostung in der Betriebshaftpflicht mitversichert sind.
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Häufige Fragen
Fragen und Antworten
Was kostet eine Betriebshaftpflicht für Imker?
Für eine kleine Nebenerwerbsimkerei mit Direktverkauf sind 100 bis 200 Euro im Jahr ein
realistischer Rahmen, für Berufsimkereien mit größerer Völkerzahl und Umsatz kann es bis zu 600
Euro werden.
Zahlt eine Versicherung, wenn meine Bienenvölker an Faulbrut sterben?
Nein.
Faulbrut und andere Bienenseuchen sind über die Betriebshaftpflicht oder eine Sachversicherung
nicht abgedeckt, dafür ist die Tierseuchenkasse Ihres Bundeslands zuständig,
in die gemeldete Imker Pflichtbeiträge zahlen.
Brauche ich eine eigene Versicherung, wenn ich im Imkerverein bin?
Die Mitgliedschaft im Landesverband des Deutschen Imkerbunds bringt meist einen Basisschutz über
eine Gruppenversicherung mit.
Für Berufsimker mit eigenem Verkauf,
Bestäubungsaufträgen oder größerem Umsatz reicht das oft nicht und eine eigene Betriebshaftpflicht
ist sinnvoll.
Ist die Wanderimkerei extra zu versichern?
Der Transport der Völker gehört als Kfz-Risiko in die Fahrzeugversicherung,
Schäden an Beuten und Ausrüstung beim Umsetzen sollten Sie zusätzlich in der Inhaltsversicherung
klären.
Wer ist bei Arbeitsunfällen in der Imkerei zuständig?
Die SVLFG.
Ab einer bestimmten Völkerzahl gilt für Imker die Pflichtversicherung bei der landwirtschaftlichen
Berufsgenossenschaft.
Ist Honigverkauf über einen eigenen Online-Shop mitversichert?
Nur wenn er ausdrücklich in der Betriebshaftpflicht genannt ist.
Für Risiken wie Datenverlust oder Betrug beim Bestellprozess brauchen Sie zusätzlich eine
Cyberversicherung.
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