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Schlepp vor Mallorca: was die neue Rechnung aus Spanien für die Kasko heißt

Menschen rettet Salvamento Marítimo weiter kostenlos, den Schlepp nach einem Motorausfall nicht mehr. Ob die Rechnung ein Versicherungsfall ist, hängt daran, was ohne den Schlepp passiert wäre.

19. September 20267 min LesezeitNAMMERT Assekuradeur GmbH

Seit dem 1. September 2026 gilt in Spanien die Orden TRM/844/2026, veröffentlicht am 8. August im Staatsanzeiger BOE. Sie ersetzt die Tarifordnung von 2013 und regelt, was die staatliche Seenotrettung Salvamento Marítimo für ihre Einsätze berechnet. Die Rettung von Menschenleben ist nach Artikel 2 ausdrücklich ausgenommen und bleibt kostenlos. Was ein Eigner darüber hinaus anfordert, kostet nach Artikel 5 Geld, und nach Artikel 6 gilt schon die Annahme der Hilfe als Einverständnis mit dem Tarif.

Die Rechnung setzt sich aus Stundensatz, Einsatzzeit und einem Faktor zusammen, der für Sportboote 1 beträgt. Die Zeit läuft nach Artikel 7 ab dem Moment, in dem die Einheit ihre Basis verlässt, bis sie wieder dort ist; ein abgebrochener Einsatz wird bis zur Rückkehr bezahlt. Für den Schlepp eines Bootes unter 20 Metern darf der Stundensatz 400 Euro nicht übersteigen, zwischen 20 und 30 Metern 1.120 Euro. Ein Rechenbeispiel: ein Rettungsboot, das drei Stunden von der Basis bis zurück unterwegs ist, ergibt 1.200 Euro. Die oft zitierten 16.572 Euro je Stunde sind der Satz für einen Hubschrauber, nicht für einen Schlepp. Gezahlt wird binnen 30 Arbeitstagen, danach kommen Verzugszinsen hinzu.

Für den Versicherungsschutz ist die entscheidende Frage nicht, wer geschleppt hat, sondern warum. Ein Motor, der einfach stehen bleibt, ist in der Kasko ein Betriebsschaden und nach A-5.2 e (Basis) beziehungsweise A-6.2 e (Basis Plus und Premium) ausgeschlossen. Wo kein versicherter Schaden droht, gibt es auch keine Kosten, die einen solchen Schaden abwenden. Die Rechnung für den Schlepp nach einem reinen Maschinenausfall bei ruhigem Wetter trägt deshalb der Eigner. Auch die Maschinenanlagen-Zusatzdeckung nach A-14 in Basis Plus und Premium ersetzt, wenn sie vereinbart ist, Schäden an der Maschine selbst; einen Schlepp nennt sie nicht.

Anders liegt es, wenn der Schlepp einen versicherten Schaden verhindert. Treibt eine Motoryacht nach dem Ausfall auf eine Felsküste zu, droht ein Stranden, und das ist in Basis Plus und Premium ein Unfall nach A-3.1.1. Aufwendungen, die einen gedeckten Schaden abwenden oder mindern, ersetzt die Kasko nach A-5.1, auch über die Versicherungssumme hinaus, und § 90 VVG erstreckt das auf Kosten, die einen unmittelbar bevorstehenden Versicherungsfall abwenden. Ebenso ist es, wenn die Maschine wegen eines versicherten Ereignisses ausfällt, etwa durch eine Leine im Propeller oder eine Grundberührung. In Basis gehört das Stranden nicht zu den versicherten Gefahren; dort zählt nur, ob Sturm ab Windstärke 8, Blitz oder Brand den Schaden gebracht hätten.

Wer die Assistance-Zusatzbedingungen zur Premium-Kasko hat, sollte zwei Stellen kennen. Nach A-1 werden nur Rechnungen erstattet, die mit uns organisiert oder abgestimmt worden sind. Das Wort Schlepp steht in den Zusatzbedingungen nicht; am nächsten kommt A-3.3.5, die Lagerung oder der Transport des Bootes am Schadenort bis 1.500 Euro je Ereignis, wenn es binnen drei Wochen wieder fahrbereit ist. Ob ein Schlepp in den nächsten Hafen im Einzelfall darunter fällt, klärt deshalb der Anruf, bevor die Leine übergeben wird, und nicht die Rechnung danach. Die Aufwendungen für die Rettung der Crew nach A-3.1.2 spielen in Spanien kaum eine Rolle, weil die Menschenrettung dort ohnehin nichts kostet.

Eine Grenze zieht die Verordnung selbst: Die Bergung von Sachen nach dem Internationalen Bergungsübereinkommen von 1989 und dem spanischen Seeschifffahrtsgesetz 14/2014 fällt nach Artikel 2 d nicht unter den Tarif. Sitzt ein Boot schon fest oder läuft es voll, kann aus dem Schlepp eine Bergung werden, und die richtet sich nicht nach dem Stundensatz. In der Kasko gelten dann wieder die Regeln zur Schadenminderung. Die eigene Klausel für Bergungskosten, A-5.2 in Basis Plus und Premium und A-4.2 in Basis, greift nur, wenn ein Staat oder eine Behörde die Bergung aufgrund gesetzlicher Bestimmungen veranlasst oder angeordnet hat. Ein Schlepp, den der Eigner selbst bestellt, ist keine solche Anordnung.

Am stärksten betrifft die neue Rechnung Motorboote und Motoryachten mit einer Maschine: fällt sie aus, gibt es keinen zweiten Antrieb. Eine Segelyacht kann bei passendem Wind oft selbst einen Hafen anlaufen, und genau diese Möglichkeit sollte der Skipper prüfen, bevor er um einen Schlepp bittet. Bei Charteryachten regelt der Chartervertrag, wer die Rechnung trägt; das gehört vor dem Ablegen gelesen und nicht erst im Hafen. Für Trailerboote im Urlaub an der Costa Brava oder auf den Balearen gilt dasselbe wie für jedes andere Boot unter 20 Metern.

Zum Abhaken

Vor dem Törn in Spanien nachlesen, ob Ihr Vertrag Stranden und Kollision als Unfall versichert oder nur Naturgewalten und Brand. Bei einem Maschinenausfall zuerst die Lage einschätzen: Treibt das Boot auf Felsen, Untiefe oder Verkehr zu? Das gehört so in den Funkspruch. Vor der Annahme des Schlepps nach Einheit, Basis und Stundensatz fragen, denn die Annahme gilt als Einverständnis mit dem Tarif. Mit Premium-Assistance vor der Leinenübergabe anrufen und die Hilfe abstimmen lassen. Position, Wind, Abstand zur Küste und Uhrzeit ins Logbuch schreiben und die Lage fotografieren. Die Ursache des Ausfalls festhalten und Beweisstücke wie eine Leine aus dem Propeller aufheben. Die Rechnung von Salvamento Marítimo binnen 30 Arbeitstagen prüfen und begleichen, sonst kommen Zinsen dazu.

Häufige Fragen

Kostet es Geld, wenn Salvamento Marítimo meine Crew rettet?

Nein. Die Rettung von Menschenleben auf See ist nach Artikel 2 der Orden TRM/844/2026 vom Tarif ausgenommen. Bezahlt wird die technische Hilfe für das Boot, etwa der Schlepp nach einem Motorausfall ohne Gefahr für die Besatzung.

Zahlt die Kasko den Schlepp nach einem Motorschaden?

Nach einem reinen Betriebsschaden nicht, der ist ausgeschlossen. In Basis Plus und Premium ist der Schlepp aber Schadenminderung, wenn er ein Stranden oder eine Kollision abgewendet hat oder die Maschine durch ein versichertes Ereignis ausfiel.

Wie teuer ist ein Schlepp in Spanien?

Für Boote unter 20 Metern höchstens 400 Euro je Stunde und Einheit, gezählt von der Abfahrt an der Basis bis zur Rückkehr. Drei Stunden ergeben so 1.200 Euro, und sind mehrere Einheiten beteiligt, werden ihre Beträge addiert.

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