Versicherungen für Reisebüros und Reiseveranstalter
Im Reisebüro sind die teuren Fehler unsichtbar: ein falscher Hinweis zum Visum, ein vergessener Anschlussflug, eine Buchung auf den falschen Namen. Wer Reisen selbst zusammenstellt, wird außerdem zum Reiseveranstalter und muss die Kundengelder gegen die eigene Insolvenz absichern. Hier steht, was Pflicht ist, was sinnvoll ist und was es kostet.
Bin ich als Reisebüro schon Reiseveranstalter, wenn ich Flug und Hotel zusammen verkaufe?
Sehr oft ja. Wer mehrere Reiseleistungen für dieselbe Reise zusammenstellt und zu einem Gesamtpreis oder in einem Buchungsvorgang verkauft, gilt nach dem Pauschalreiserecht als Veranstalter. Dann haften Sie für die ganze Reise, müssen die Kundengelder nach § 651r BGB gegen Insolvenz absichern und einen Sicherungsschein ausgeben. Klären Sie das, bevor Sie Bausteine kombinieren, denn ohne Absicherung dürfen Sie keine Anzahlung annehmen.
Was in dieser Branche schiefgeht
01
Falscher Hinweis zur Einreise
Visum, Reisepass statt Personalausweis, Einreiseformular: Fehlt der richtige Hinweis, bleibt die Familie am Flughafen stehen und fordert die Reisekosten zurück.
02
Buchungsfehler
Falsches Datum, falscher Name im Ticket, verpasster Anschluss durch zu knappe Umsteigezeit. Umbuchung und Ersatzflug kosten schnell vierstellig.
03
Plötzlich Veranstalter
Wer Bausteine selbst kombiniert, haftet für Mängel der ganzen Reise, vom schmutzigen Hotel bis zum ausgefallenen Transfer.
04
Insolvenz eines Partners
Geht eine Airline oder ein Veranstalter pleite, stehen Kunden mit leeren Händen da. Dann zeigt sich, wer seine Pflichten zur Absicherung und Information erfüllt hat.
05
Daten und Zahlungen
Reisebüros speichern Pässe, Geburtsdaten und Kreditkarten. Ein Angriff auf das Buchungssystem ist ein Datenschutzfall mit Meldepflicht.
06
Ausfall am Schalter
Fällt das Buchungssystem aus oder brennt das Büro, können Sie keine Reisen verkaufen, während Miete und Löhne weiterlaufen.
Risiko-Radar
Einschätzung im Vergleich zu anderen Branchen, 1 gering bis 5 hoch.
Für Rechner, Drucker und Kassensystem, auch gegen Überspannung und Bedienfehler.
Was es kostet: Beispielpreise
Für reine Vermittler sind die Beiträge überschaubar. Deutlich teurer wird es, wenn Sie selbst Reisen veranstalten: Dann kommt die Insolvenzabsicherung dazu, die sich nach dem Pauschalreiseumsatz richtet. Beim Reisesicherungsfonds liegt das Entgelt inzwischen bei 0,25 Prozent dieses Umsatzes, dazu eine Sicherheitsleistung. Kleinere Veranstalter sichern sich über Versicherer oder Banken ab, deren Beitrag individuell festgelegt wird.
Versicherung
Beispiel
Richtwert
Berufshaftpflicht
Kleines Reisebüro, rund 40.000 Euro Umsatz, 100.000 Euro Deckung
etwa 200 bis 400 Euro im Jahr
Berufshaftpflicht
Reisebüro mit bis zu fünf Beschäftigten, 250.000 Euro Deckung
etwa 450 bis 900 Euro im Jahr
Betriebshaftpflicht
Reisebüro als Vermittler, 3 Mio. Euro Deckung
etwa 90 bis 250 Euro im Jahr
Betriebshaftpflicht
Kleiner Reiseveranstalter mit eigenen Gruppenreisen, mit Veranstalterhaftung
etwa 600 bis 2.000 Euro im Jahr
Cyberversicherung
Reisebüro mit Buchungssystem und Kartenzahlung
etwa 300 bis 800 Euro im Jahr
Zum Vergleich: Vermögensschaden- und Betriebshaftpflicht eines kleinen Reisebüros kosten im Jahr ungefähr so viel wie die Provision aus ein bis zwei Pauschalreisen einer vierköpfigen Familie.
Richtwerte ohne Versicherungsteuer, Stand September 2026.
Vermögensschaden und Haftpflicht für Vermittler stammen aus öffentlich genannten Tarifbeispielen,
Veranstalterhaftung und Cyber sind Richtwerte aus unserer Angebotspraxis.
Die Kosten der Insolvenzabsicherung hängen stark von Umsatz, Anzahlungen und Bonität ab.
Sechs Dinge, die Reisebüros wirklich passieren. Hier alle an einem einzigen Montag in der Hauptsaison. Tippen Sie sich durch den Tag und sehen Sie, wer zahlt.
Schaden bis jetzt40.200 Euro
Eine Familie wird am Flughafen abgewiesen: Für das Reiseziel war ein Reisepass nötig, im Büro wurde der Personalausweis genannt. Reise verfallen, Ersatzbuchung.
5.800 Euro · Zahlt: Berufshaftpflicht
Im Ticket eines Geschäftskunden ist der Name falsch geschrieben. Die Airline verlangt eine Neuausstellung zum Tagespreis.
1.400 Euro · Zahlt: Berufshaftpflicht
Ein Kunde stolpert im Büro über ein Prospektdisplay und bricht sich das Handgelenk.
5.500 Euro · Zahlt: Betriebshaftpflicht
Das Buchungssystem ist verschlüsselt, Kundendaten mit Passnummern sind abgeflossen. Forensik, Meldung an Behörden und Kunden.
18.000 Euro · Zahlt: Cyberversicherung
Eine selbst zusammengestellte Rundreise hatte einen ausgefallenen Transfer. Die Gruppe verlangt Minderung und klagt.
6.500 Euro · Zahlt: Betriebshaftpflicht
Ein Veranstalter zahlt Provisionen nicht aus. Sie klagen den offenen Betrag ein.
3.000 Euro · Zahlt: Firmenrechtsschutz
Welches Paket hätten Sie gehabt?
Davon bezahlt die Versicherung: 0 Euro
Aus eigener Tasche: 40.200 Euro
Beispielhafte Summen ohne Selbstbeteiligung.
Was gezahlt wird, regeln die Bedingungen.
Konkrete Tipps vom Makler
Prüfen Sie ehrlich, ob Sie Reiseleistungen bündeln. Wenn ja, brauchen Sie die Insolvenzabsicherung und die Veranstalterhaftung, bevor Sie die erste Anzahlung annehmen.
Wählen Sie für die Vermögensschadenhaftpflicht mindestens 250.000 Euro, wenn Sie Gruppen- oder Fernreisen verkaufen.
Dokumentieren Sie Einreise- und Visahinweise schriftlich in der Buchungsbestätigung. Das ist im Streit Ihr bester Beleg.
Achten Sie in der Cyberversicherung auf Kartenzahlungsdaten und Betriebsunterbrechung durch Ausfall des Buchungssystems.
Verkaufen Sie verbundene Reiseleistungen nur mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Formblatt, sonst drohen Sie wie ein Veranstalter zu haften.
Lassen Sie sich von Partnerveranstaltern den Sicherungsschein zeigen, bevor Sie Kundengelder weiterleiten.
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Wir kennen die Grenze zum Veranstalter
Ob Sie Vermittler oder Veranstalter sind, entscheidet über Ihre Pflichten. Als Makler klären wir das mit Ihnen und holen Angebote mehrerer Versicherer für genau Ihre Rolle ein.
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Häufige Fragen
Fragen und Antworten
Muss ein Reisebüro die Kundengelder gegen Insolvenz absichern?
Wer nur fremde Pauschalreisen vermittelt, nicht, das macht der Veranstalter.
Wer selbst Reisen zusammenstellt oder verbundene Reiseleistungen verkauft und dabei Geld annimmt,
muss nach § 651r oder § 651w BGB absichern.
Wann muss ich zum Deutschen Reisesicherungsfonds?
Ab einem Pauschalreiseumsatz von 10 Millionen Euro im Jahr ist die Absicherung über den Fonds
Pflicht.
Kleinere Veranstalter können sich über einen Versicherer oder eine Bank absichern.
Was kostet die Vermögensschadenhaftpflicht für ein Reisebüro?
Für kleine Büros beginnt sie bei etwa 200 Euro im Jahr bei 100.000 Euro Deckung.
Mit mehr Beschäftigten und höheren Summen liegen Sie meist zwischen 450 und 900 Euro.
Wer zahlt, wenn ich einen falschen Visahinweis gebe?
Die Vermögensschadenhaftpflicht, denn der Kunde hat keinen Personen- oder Sachschaden,
sondern verliert Geld.
Die normale Betriebshaftpflicht zahlt dafür nicht.
Brauche ich eine Cyberversicherung?
Wer Passdaten und Kreditkarten speichert, sollte sie haben.
Ein Datenabfluss löst Meldepflichten und Kosten aus, die ein kleines Büro allein kaum tragen kann.
Haftet das Reisebüro für Mängel im Hotel?
Als Vermittler meist nicht, dafür haftet der Veranstalter.
Als Veranstalter schon, dann für die ganze Reise.
Deshalb ist die Frage, welche Rolle Sie haben, so wichtig.
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