Alles zur Versicherung: Berufsunfähigkeit
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Kurz gesagt
Ja. Psychische Erkrankungen sind der häufigste Grund für eine BU-Rente, rund 36 Prozent der Fälle. Es gilt dieselbe Bedingung wie bei jeder Krankheit: Sie können Ihren Beruf voraussichtlich sechs Monate lang zu mindestens 50 Prozent nicht ausüben, belegt durch Fachärzte. Nichts zahlt die BU, wenn der Vertrag die Psyche ausschließt oder Sie eine Therapie im Antrag verschwiegen haben.
Was eine BU ohne Vorerkrankung kostet und welche Summen bei einer psychischen Berufsunfähigkeit im Spiel sind. Zuschläge nach einer Therapie legt jeder Versicherer selbst fest.
| Beispiel | Richtwert |
|---|---|
| Bürokaufmann, 30 Jahre, 1.500 Euro Rente bis 67 | ab etwa 48 Euro im Monat |
| Informatiker, 35 Jahre, 1.500 Euro Rente | ab etwa 37 Euro im Monat |
| Bürokaufmann, 35 Jahre, 1.500 Euro Rente mit Leistung schon bei Krankschreibung | etwa 66 Euro im Monat |
| Beitragszuschlag nach abgeschlossener Psychotherapie | Richtwert 20 bis 100 Prozent, oft auch Ausschluss statt Zuschlag |
| BU-Rente 2.000 Euro über 25 Jahre | 600.000 Euro |
Stand Oktober 2026. Beitragsbeispiele aus öffentlich genannten Tarifbeispielen mit Stand April 2026 für Antragsteller ohne Vorerkrankung. Ursachenanteile aus einer Auswertung von Leistungsfällen, veröffentlicht Dezember 2025. Der Zuschlag nach Psychotherapie ist ein Richtwert aus der Angebotspraxis, viele Versicherer arbeiten stattdessen mit Ausschluss oder Zurückstellung.
Rechenbeispiel
Sie ist seit fünf Monaten krankgeschrieben, in fachärztlicher Behandlung und war sechs Wochen in einer Klinik. Ihr Vertrag: 2.000 Euro Rente bis 67, kein Ausschluss für die Psyche.
| Kundentermine und Präsentationen, 40 Prozent der Arbeitszeit | nicht mehr möglich |
| Planung und Steuerung von Projekten, 30 Prozent | nur noch zu einem Drittel möglich |
| Teamführung, 20 Prozent | nicht mehr möglich |
| Verwaltung und Dokumentation, 10 Prozent | möglich |
| Noch leistbar | rund 20 Prozent, berufsunfähig also zu rund 80 Prozent |
Mit Klinikbericht, Facharztbefunden und dieser Aufschlüsselung ist die Schwelle von 50 Prozent klar belegt. Sie bekommt 2.000 Euro im Monat. Der Versicherer wird später nachprüfen. Geht es ihr nach zwei Jahren so gut, dass sie wieder mehr als die Hälfte schafft, kann die Rente enden.
Eine BU unterscheidet nicht zwischen körperlichen und seelischen Ursachen. Das Gesetz spricht in § 172 Versicherungsvertragsgesetz von Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfall, und eine Depression ist eine Krankheit. Entscheidend ist allein, ob Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr schaffen.
Die Zahlen zeigen, warum das wichtig ist. Rund jede dritte BU-Rente geht inzwischen auf die Psyche zurück, deutlich mehr als auf Rücken und Gelenke oder Krebs. Wer eine Absicherung nur gegen körperliche Risiken sucht, etwa eine Grundfähigkeitsversicherung, hat genau diese größte Lücke offen.
| Ursache der Berufsunfähigkeit | Anteil an den Fällen |
|---|---|
| Psychische Erkrankungen | rund 36 Prozent |
| Skelett und Bewegungsapparat | knapp 18 Prozent |
| Krebs | rund 17 Prozent |
| Sonstige Erkrankungen | etwa 16 Prozent |
| Unfälle | rund 7 Prozent |
| Herz und Gefäße | etwa 6 Prozent |
Bei einem Beinbruch zeigt das Röntgenbild den Schaden. Bei einer Depression muss der Arzt beschreiben, was Sie nicht mehr können: konzentriert arbeiten, Termine halten, Kundenkontakt aushalten, Entscheidungen treffen. Der Versicherer will Befunde von Fachärzten für Psychiatrie oder von Psychotherapeuten, Klinikberichte und einen Verlauf über Monate. Ein Attest der Hausärztin mit dem Wort Burnout reicht selten.
Ebenso wichtig ist Ihre Berufsbeschreibung. Schreiben Sie auf, wie ein typischer Arbeitstag vor der Erkrankung aussah, mit Stunden und Anteilen. Nur so lässt sich zeigen, dass mehr als die Hälfte der Tätigkeiten nicht mehr geht. Viele Ablehnungen bei psychischen Erkrankungen haben weniger mit der Diagnose zu tun als mit einer zu dünnen Akte.
Psychische Erkrankungen verlaufen in Phasen. Der Versicherer darf während des Rentenbezugs nachprüfen, ob die Berufsunfähigkeit noch besteht. Bessert sich Ihr Zustand so, dass Sie wieder zu mehr als der Hälfte arbeiten können, kann die Rente enden. Das ist kein Trick, sondern Teil jedes Vertrags.
Gute Bedingungen helfen hier: eine Wiedereingliederung, bei der Sie stufenweise zurückkehren, ohne dass die Rente sofort wegfällt, und eine klare Regel für eine erneute Berufsunfähigkeit. Fragen Sie danach, bevor Sie abschließen.
Wer im Antrag eine Psychotherapie oder eine depressive Episode angibt, bekommt oft ein Angebot mit Ausschluss. Dann zahlt die BU bei allen psychischen Ursachen nicht, also gerade beim häufigsten Grund. Manchmal ist ein solcher Vertrag trotzdem sinnvoll, weil er den Rest absichert. Sie sollten aber wissen, was Sie kaufen.
Achten Sie darauf, wie weit der Ausschluss reicht. Ein eng gefasster Ausschluss nur für eine bestimmte Diagnose ist deutlich besser als einer für alle psychischen Erkrankungen. Manche Versicherer prüfen einen Ausschluss nach einigen beschwerdefreien Jahren auf Antrag erneut. Fragen Sie danach und lassen Sie sich das schriftlich geben.
Viele verschweigen eine Therapie aus Angst vor Ablehnung. Das ist der teuerste Fehler. Fällt im Leistungsfall auf, dass eine abgefragte Behandlung fehlte, kann der Versicherer nach § 21 Absatz 3 Versicherungsvertragsgesetz innerhalb von fünf Jahren nach Abschluss zurücktreten, bei Vorsatz oder Arglist innerhalb von zehn Jahren. Bei einer psychischen Erkrankung wird die Krankenakte immer gründlich gelesen.
Besser: Fordern Sie bei Ihrer Krankenkasse die gespeicherten Diagnosen an, das geht kostenlos nach Artikel 15 der Datenschutz-Grundverordnung. Lassen Sie sich von Ihrer Therapeutin bestätigen, dass die Behandlung abgeschlossen ist. Dann stellen wir eine anonyme Voranfrage bei mehreren Versicherern, ohne dass Ihr Name in einer Datei landet. Liegt die Therapie länger zurück als der Abfragezeitraum, müssen Sie sie nicht angeben.
Wer gerade in Behandlung ist, bekommt meist keine BU, auch nicht mit Ausschluss. Dann ist es oft klüger, die Therapie abzuschließen und den Antrag später zu stellen, statt jetzt einen schlechten Vertrag zu nehmen. Verschieben Sie aber keine Behandlung wegen einer Versicherung. Gesundheit geht vor.
Als Übergang kann eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder ein Vertrag mit vereinfachten Gesundheitsfragen dienen. Beide sind schwächer als eine BU. Eine Grundfähigkeitsversicherung schützt bei psychischen Erkrankungen kaum, weil die Fähigkeiten wie Gehen oder Sehen erhalten bleiben.
Fragen und Antworten
Burnout allein gilt oft nicht als eigenständige Krankheitsdiagnose. Gezahlt wird, wenn Ärzte eine Erkrankung wie eine Depression feststellen und die Schwelle von 50 Prozent belegt ist.
Ja, wenn sie im abgefragten Zeitraum liegt, meist drei bis fünf Jahre bei ambulanter Behandlung. Ältere Therapien müssen Sie nicht angeben, wenn nicht danach gefragt wird.
Oft ja, mit Zuschlag, Ausschluss oder nach einer Wartezeit. Viele Versicherer nehmen an, wenn die Therapie einige Jahre abgeschlossen ist. Eine anonyme Voranfrage zeigt, wer annimmt.
Oft länger als bei körperlichen Ursachen, weil Befunde von mehreren Stellen nötig sind. Rechnen Sie mit mehreren Monaten. Vollständige Unterlagen verkürzen das.
Ja, in der Regel ab Beginn der Berufsunfähigkeit, wenn Sie den Antrag rechtzeitig stellen. Lesen Sie die Frist für eine verspätete Meldung in Ihren Bedingungen.
Zwingen nicht. Viele Bedingungen verlangen aber, dass Sie zumutbaren ärztlichen Anweisungen folgen. Eine Behandlung abzulehnen kann den Anspruch gefährden.
Entscheidend ist, ob die Berufsunfähigkeit voraussichtlich mindestens sechs Monate besteht. Kurze Phasen reichen nicht. Bei wiederkehrenden Schüben hilft eine gute Dokumentation des Verlaufs.
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Brauche ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
Wann zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung?
Die BU zahlt, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich mindestens sechs Monate zu mindestens 50 Prozent …
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Was ist der Unterschied zwischen berufsunfähig und erwerbsunfähig?
Berufsunfähig sind Sie, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr schaffen. Erwerbsg …
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