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Grundberührung: der häufigste Schaden
Schadenpraxis · 5 Min. Lesezeit · NAMMERT Fachredaktion
Kurz gesagt
Grundberührung ist Vollkasko-Leistung, Teilkasko deckt sie nicht. Das Vorgehen nach dem Aufsetzen: zuerst Wassereinbruch prüfen, dann Antrieb und Ruder.
Warum sie so häufig ist
Grundberührung gehört im Sportbootbereich zu den am häufigsten gemeldeten Schadenursachen, neben Kollision mit Treibgut und Kollision zwischen zwei Fahrzeugen; in unserem eigenen Schadenregister liegt sie hinter Kollision, Diebstahl und Sturm. Ursachen sind veraltetes Kartenmaterial, ungenaue Betonnung, Niedrigwasser und Ablenkung im Revier.
Versicherungstechnisch entscheidend: Grundberührung, Stranden, Kentern und Sinken sind Vollkasko-Leistungen. Die Teilkasko deckt sie nicht, sie greift nur bei äußeren Gefahren wie Sturm, Brand, Blitz und Diebstahl des ganzen Bootes.
Sofortmaßnahmen nach dem Aufsetzen
Zuerst Sicherheit: Personen zählen, Westen anlegen, Position sichern. Dann Bilge und Rumpf auf Wassereinbruch prüfen, Lenzpumpe kontrollieren. Erst danach Freikommen versuchen, bei Verdacht auf Leck lieber auf Grund bleiben und Hilfe rufen.
Antrieb prüfen: Vibrationen deuten auf verbogene Schraube oder Wellenschaden hin, schwergängiges Ruder auf Schäden an Ruderblatt oder Anlage. Fahren Sie nicht mit Vollgas weiter, Folgeschäden am Getriebe können teurer werden als der Erstschaden.
Meldung und Regulierung
Melden Sie den Schaden über „mein NAMMERT" mit Fotos, Positionsangabe, Zeitpunkt und Beschreibung des Ablaufs. Ein Kostenvoranschlag der Werft beschleunigt die Prüfung.
Wir begleiten den Schaden selbst. Bergungs- und Wrackbeseitigungskosten sind in allen Kaskotarifen enthalten, im Premium-Tarif bis 2,5 Millionen Euro. Grobe Fahrlässigkeit ist in Basis-Plus bis 25, in Premium bis 50 Prozent der Versicherungssumme mitversichert.
Grundberührung vermeiden: Seekarte, Echolot und Tiefgang
Kennen Sie den genauen Tiefgang Ihres Bootes, und zwar beladen, mit vollen Tanks und abgesenktem Antrieb. Notieren Sie den Wert gut sichtbar am Steuerstand. Viele Eigner rechnen mit dem Wert aus dem Prospekt, der für ein leeres Boot gilt.
Stellen Sie am Echolot ein, worauf sich die Anzeige bezieht. Der Geber sitzt meist ein Stück unter der Wasserlinie, der Kiel reicht tiefer. Ist der Abstand zum Kiel eingetragen, zeigt das Gerät das Wasser unter dem Kiel, und der Flachwasseralarm warnt rechtzeitig.
Halten Sie Seekarten und Kartenplotter aktuell und lesen Sie die Bekanntmachungen für Ihr Revier. Sandbänke verlagern sich, Fahrwasser werden neu betonnt. In engen Passagen hilft es, langsamer zu fahren und Wegpunkte mit großzügigem Abstand zur Untiefe zu setzen.
Freikommen nach dem Auflaufen: Krängen, Kedgen, Abwarten
Ist kein Leck zu finden, versuchen Sie zuerst, auf dem Weg zurückzufahren, auf dem Sie gekommen sind. Dort war das Wasser tief genug. Geben Sie behutsam Gas rückwärts und beobachten Sie den Kühlwasseraustritt, denn auf Sand und Schlamm saugt der Motor leicht Sediment an.
Bei Kielbooten verringert Krängen den Tiefgang. Die Crew setzt sich auf eine Seite, oder der Großbaum wird mit einem Gewicht seitlich ausgeschwenkt. Hilft das nicht, bringen Sie mit dem Beiboot einen Anker ins tiefe Wasser aus und holen sich mit der Winsch daran heran. Seeleute nennen das Kedgen.
Im Tidenrevier entscheidet die Uhr. Bei steigendem Wasser lohnt oft Geduld, bei fallendem Wasser bleibt wenig Zeit. Wird das Boot trockenfallen, sorgen Sie dafür, dass es sich zur höher gelegenen Seite neigt und alle Luken geschlossen sind, damit es mit der Flut sauber aufschwimmt.
Schäden nach Grundberührung erkennen: Kiel, Kielbolzen und Ruder
Auch wenn das Boot dicht ist, kann die Struktur gelitten haben. Kontrollieren Sie im Inneren die Kielbolzen und die Bodenwrangen auf Risse, gelöste Laminatschichten oder Rost an den Muttern. Feuchte Stellen rund um die Bolzen sind ein Warnzeichen.
Von außen zeigt sich ein Schaden oft als feiner Riss an der Verbindung zwischen Kiel und Rumpf, meist an der Vorderkante. Lassen Sie das Boot kranen oder von einem Taucher ansehen, bevor Sie längere Strecken fahren. Prüfen Sie dabei auch Ruderblatt, Ruderlager, Welle, Propeller und Antrieb.
Halten Sie alles fest, was Sie finden: Fotos vom Unterwasserschiff, die Position aus dem Plotter, die Uhrzeit und den Wasserstand. Solche Angaben helfen der Werft bei der Einschätzung und sind bei einer Schadenmeldung nützlich.
Grundberührung auf Binnengewässern: Pegel, Buhnen und Fahrrinne
Auf Flüssen und Seen kommt der Grund oft unerwartet. Pegelstände ändern sich mit dem Wetter, nach trockenen Wochen liegen Stellen frei, die sonst sicher befahrbar sind. Prüfen Sie vor der Fahrt den aktuellen Pegel und vergleichen Sie ihn mit den Angaben in Karte und Revierführer.
Bleiben Sie in der betonnten Fahrrinne und halten Sie Abstand zu Buhnen, deren Köpfe bei höherem Wasser knapp unter der Oberfläche liegen. An Ufern, Schilfkanten und Hafeneinfahrten ist es meist flacher, als es aussieht.
Checkliste zum Abhaken
- Tiefgang beladen kennen und am Steuerstand notieren
- Echolot auf Wasser unter dem Kiel einstellen, Flachwasseralarm setzen
- Seekarte, Plotter und Revierhinweise aktuell halten
- Pegel oder Gezeiten vor der Fahrt prüfen
- Nach dem Aufsetzen: Personen zählen, Westen an, Bilge prüfen
- Rückwärts auf dem eigenen Weg freikommen, Kühlwasser beobachten
- Kielbolzen, Bodenwrangen und Ruder kontrollieren
- Unterwasserschiff von Werft oder Taucher prüfen lassen
- Fotos, Position, Uhrzeit und Wasserstand festhalten
Fragen und Antworten
Häufige Fragen
Deckt die Teilkasko Grundberührung?
Nein, Grundberührung, Stranden, Kentern und Sinken sind Vollkasko-Leistungen.
Was gilt, wenn ich die Untiefe hätte kennen müssen?
Grobe Fahrlässigkeit ist mitversichert: Basis-Plus bis 25 %, Premium bis 50 % der Versicherungssumme.
Sind Bergungskosten enthalten?
Ja, in allen Kaskotarifen, im Premium-Tarif bis 2,5 Mio. Euro inklusive Wrackbeseitigung.
Muss ich das Boot nach einer leichten Grundberührung aus dem Wasser holen?
Nicht immer, aber eine Kontrolle ist ratsam. Risse an der Verbindung zwischen Kiel und Rumpf sieht man von innen oft nicht. Ein Taucher oder ein Kranen bei der Werft schafft Klarheit, bevor Sie weitere Strecken fahren.
Wie bekomme ich ein Kielboot wieder frei?
Fahren Sie zuerst vorsichtig rückwärts auf dem Weg zurück, den Sie gekommen sind. Krängen verringert den Tiefgang, etwa wenn sich die Crew auf eine Seite setzt. Reicht das nicht, bringen Sie mit dem Beiboot einen Anker ins tiefe Wasser aus und holen sich daran heran.
Was tun, wenn das Boot bei Ebbe trockenfällt?
Schließen Sie Luken und Seeventile und sichern Sie lose Ausrüstung. Lassen Sie das Boot möglichst zur höher gelegenen Seite neigen, damit es mit der Flut sauber aufschwimmt. Prüfen Sie die Bilge, sobald es wieder schwimmt.
NAMMERT Assekuradeur GmbH, Karl-Marx-Straße 4, 15711 Königs Wusterhausen, 03375 / 29 12 77
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