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Sturm am Liegeplatz: vorbeugen und melden
Schadenpraxis · 5 Min. Lesezeit · NAMMERT Fachredaktion
Kurz gesagt
Sturm, Hagel und Blitzschlag sind bereits in der Teilkasko gedeckt; Vertreiben am Anker und Kollision am Steg über die Vollkasko. Vorbeugen lässt sich vor der Sturmwarnung mit verdoppelten Leinen, zusätzlichen Fendern und abgenommener Persenning.
Was gedeckt ist
Sturm-, Hagel- und Blitzschäden sind Teilkasko-Leistungen und damit in jedem Kaskotarif enthalten, am Liegeplatz wie im Winterlager. Vertreiben am Anker, Kollision mit Steg oder Nachbarboot und Stranden deckt die Vollkasko.
Schäden, die Ihr Boot an gemieteten Steganlagen und Stellplätzen verursacht, fallen unter die Mietsachschadendeckung der Haftpflicht (in Basis-Plus und Premium). Fügt Ihr Boot dem Nachbarboot Schaden zu, greift ebenfalls die Haftpflicht.
Vorsorge vor der Sturmwarnung
Leinen verdoppeln und mit Ruckdämpfern versehen, Fender richtig positionieren und zusätzliche Fender einsetzen, Persenning und Bimini abnehmen statt festbinden, Ausrüstung an Deck sichern oder verstauen.
Prüfen Sie Klampen, Poller und Schäkel, bei Sturm reißen selten die Leinen, sondern die Beschläge. Bei Ankerlieger: Kettenlänge erhöhen, Ankerwache einteilen oder Schutzhafen aufsuchen.
Nach dem Sturm
Dokumentieren Sie den Zustand vor dem Aufräumen: Gesamtsituation, Detailfotos, Nachbarboote, Wetterdaten des Tages. Diese Belege sind bei mehreren betroffenen Booten im Hafen entscheidend für die Zuordnung.
Melden Sie den Schaden über „mein NAMMERT". Bei uns nimmt derselbe Assekuradeur den Schaden auf, der das Deckungskonzept entwickelt hat, das verkürzt die Bearbeitung erheblich.
Festmacher bei Sturm: Leinen, Springs und Scheuerschutz
Bei Sturm arbeiten die Springs genauso hart wie Vor- und Achterleine. Sie verhindern, dass das Boot vor und zurück einruckt und dabei gegen Steg oder Nachbarn schlägt. Bringen Sie deshalb auch die Springs doppelt aus und belegen Sie jede Leine auf einer eigenen Klampe.
Wo eine Leine über eine Kante, eine Scheuerleiste oder durch eine Klüse läuft, scheuert sie bei jeder Bewegung. Ein Stück Schlauch oder ein Scheuerschutz aus Gewebe an diesen Stellen verlängert ihre Lebensdauer deutlich. Kontrollieren Sie den Schutz nach jeder Böenphase, denn er verrutscht leicht.
Lange Leinen federn besser als kurze. Sie sollten so lang sein, dass das Boot Spiel hat, Steg und Pfähle aber nicht erreicht. An festen Stegen in Gewässern mit wechselndem Wasserstand brauchen die Leinen zusätzliche Lose, sonst kommen sie bei steigendem wie bei fallendem Wasser unter starken Zug.
Boot sturmfest machen: Segel, Rollgenua und Windangriffsfläche
Jede Fläche, die der Wind packen kann, zerrt am Boot und an den Leinen. Eine aufgerollte Genua kann sich bei Sturm von selbst öffnen und in kurzer Zeit zerfetzen. Nehmen Sie das Vorsegel ab oder sichern Sie die eingerollte Genua zusätzlich mit einer Leine, die mehrfach um das Tuch läuft.
Großsegel im Lazy Bag oder unter der Persenning brauchen zusätzliche Zeisinge. Fallen spreizen Sie vom Mast ab, damit sie nicht die ganze Nacht schlagen. Dinghy, Kanister, Sitzpolster und Fahrräder kommen unter Deck oder von Bord.
Bei Motorbooten gilt dasselbe für Kuchenbude, Sonnendach und Antennen. Schließen Sie alle Luken und Fenster, kontrollieren Sie die Cockpitlenzer auf freien Abfluss und laden Sie die Batterien, damit die Bilgepumpe arbeiten kann.
Sturmwarnung verfolgen und rechtzeitig handeln
Verfolgen Sie in der stürmischen Jahreszeit den Seewetterbericht und die Warnungen des Wetterdienstes für Ihr Revier. Eine Sturmwarnung gilt ab Windstärke 8. Bereiten Sie Ihr Boot bei Tageslicht und ruhigem Wetter vor, nicht erst, wenn der Wind schon pfeift.
Wohnen Sie weit vom Hafen entfernt, vereinbaren Sie mit dem Hafenmeister oder einem Stegnachbarn, dass jemand nach dem Boot sieht, und hinterlegen Sie eine Telefonnummer. Achten Sie auch auf die Windrichtung: Ein Liegeplatz, der bei Westwind ruhig liegt, kann bei Ostwind offen und unruhig sein.
Liegen Sie vor Anker oder an einer Boje und ist ein Sturm angesagt, wechseln Sie rechtzeitig in einen geschützten Hafen. Prüfen Sie bei einer Boje Kette, Schäkel und Auge, soweit es geht, und legen Sie eine zweite Leine zur Boje aus.
Sturm im Winterlager und auf dem Trailer
An Land kippen Boote bei Sturm leichter, als viele denken. Prüfen Sie, ob Böcke und Lagerstützen fest stehen, gesichert sind und auf tragfähigem Untergrund stehen. Ein Boot mit stehendem Mast bietet dem Wind deutlich mehr Fläche.
Winterplanen müssen straff sitzen und dürfen nicht flattern, sonst scheuern sie den Rumpf und reißen. Trailer stellen Sie mit angezogener Feststellbremse und Unterlegkeilen ab. Sehen Sie nach jedem Sturm nach dem Rechten und fotografieren Sie Auffälligkeiten sofort.
Checkliste zum Abhaken
- Vor-, Achterleinen und Springs doppelt ausbringen, jede Leine auf eigener Klampe
- Ruckdämpfer einsetzen, Scheuerschutz an Kanten und Klüsen anlegen
- Zusätzliche Fender auf Höhe der Scheuerleiste hängen
- Genua abnehmen oder eingerollt mit Leine sichern
- Persenning, Bimini und Kuchenbude abnehmen
- Fallen vom Mast abspreizen, lose Teile unter Deck bringen
- Klampen, Poller und Schäkel prüfen
- Batterien laden, Bilgepumpe und Cockpitlenzer kontrollieren
- Kontakt beim Hafenmeister oder Stegnachbarn hinterlegen
Fragen und Antworten
Häufige Fragen
Ist ein Sturmschaden am Liegeplatz versichert?
Ja, Sturm, Hagel und Blitzschlag sind bereits Teilkasko-Leistungen.
Wer zahlt Schäden am Nachbarboot?
Ihre Bootshaftpflicht, sofern Ihr Boot den Schaden verursacht hat.
Was ist mit Schäden an der Steganlage?
Mietsachschäden an gemieteten Steganlagen sind in Basis-Plus und Premium enthalten.
Wie lang sollten die Festmacher bei Sturm sein?
So lang, dass das Boot federnd arbeiten kann, ohne Steg, Pfähle oder Nachbarboote zu berühren. Lange Leinen mit Ruckdämpfern nehmen Böen weicher auf als kurze, straff gespannte Leinen. An festen Stegen mit wechselndem Wasserstand brauchen sie zusätzliche Lose.
Soll ich bei Sturm an Bord bleiben?
Ihre eigene Sicherheit geht vor. Auf schwankenden Stegen und bei fliegenden Teilen ist der Aufenthalt gefährlich. Bereiten Sie das Boot vorher gründlich vor und sehen Sie erst nach, wenn der Wind nachgelassen hat.
Muss ich die Rollgenua wirklich abnehmen?
Eine eingerollte Genua kann sich bei Sturm lösen und aufschlagen. Am sichersten ist es, sie abzunehmen. Geht das nicht, sichern Sie sie mit einer zusätzlichen Leine, die mehrfach um das Tuch läuft, und belegen Sie die Reffleine fest.
NAMMERT Assekuradeur GmbH, Karl-Marx-Straße 4, 15711 Königs Wusterhausen, 03375 / 29 12 77
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