Wann habe ich ein Sonderkündigungsrecht bei der Kfz-Versicherung?
Kurz gesagt
Ein Sonderkündigungsrecht haben Sie vor allem in drei Fällen: Der Beitrag steigt, ohne dass der Schutz besser wird, ein Schaden wurde reguliert oder Sie übernehmen mit einem Gebrauchtwagen den Vertrag des Vorbesitzers. Die Frist beträgt jeweils einen Monat. Kein Sonderrecht gibt es, wenn der Beitrag nur steigt, weil Sie nach einem Unfall zurückgestuft wurden.
Wie viel eine Sonderkündigung bringen kann, zeigen öffentlich genannte Marktzahlen.
Beispiel
Richtwert
Beitragseinnahmen der Kfz-Versicherer 2025 gegenüber 2024
plus 13,4 Prozent
Neuverträge im April 2025 gegenüber dem Vorjahr
rund 14 bis 17 Prozent teurer, je nach Umfang
Günstige Tarife gegenüber mittleren Tarifen
rund 29 bis 32 Prozent darunter
Vertrag mit 640 Euro, Erhöhung um 11 Prozent
rund 70 Euro mehr im Jahr
Marktzahlen Stand Februar 2026 und Mai 2025 aus den genannten Quellen.
Die Rechnung mit 640 Euro und das Beispiel unten sind Richtwerte aus der Angebotspraxis.
Wie viel Sie sparen, hängt von Auto, Schadenfreiheitsklasse und Umfang ab.
Rechenbeispiel
Erhöhung kommt am 25. November
Kompaktwagen mit Teilkasko, bisher 640 Euro im Jahr. Die Rechnung für das neue Jahr nennt 710 Euro, der Schutz bleibt gleich, weil die Regionalklasse gestiegen ist.
Zugang der Mitteilung
25. November
Kündigung muss eingehen bis
25. Dezember
Kündigung wirkt zum
1. Januar, dem Tag der Erhöhung
Mehrbeitrag beim Bleiben
70 Euro im Jahr
Vergleichbares neues Angebot
etwa 560 bis 620 Euro
Mit dem Sonderrecht wechseln Sie noch im Dezember und zahlen etwa 90 bis 150 Euro weniger als beim Bleiben.
Beitragserhöhung: der häufigste Anlass
Erhöht der Versicherer den Beitrag über eine Anpassungsklausel, ohne dass sich der Schutz verbessert, dürfen Sie binnen eines Monats nach Zugang der Mitteilung kündigen. So steht es in § 40 des Versicherungsvertragsgesetzes. Der Versicherer muss Sie in der Mitteilung selbst auf dieses Recht hinweisen.
Dazu gehört auch, wenn Ihr Automodell in eine höhere Typklasse oder Ihr Zulassungsbezirk in eine höhere Regionalklasse rutscht. Die Kündigung wirkt frühestens zu dem Tag, an dem der höhere Beitrag gelten würde. Sie zahlen also keinen Cent zum neuen Preis.
Weil viele Rechnungen erst Ende November oder im Dezember kommen, ist das Sonderrecht oft die zweite Chance nach dem Stichtag 30. November.
Anlass
Sonderrecht?
Frist
Tarif wird teurer, Schutz bleibt gleich
ja
ein Monat ab Zugang der Mitteilung
Höhere Typklasse oder Regionalklasse
ja
ein Monat ab Zugang der Mitteilung
Schaden reguliert oder abgelehnt
ja
ein Monat ab Zahlung oder Ablehnung
Gebrauchtwagen mit übernommenem Vertrag
ja, für den Käufer
ein Monat ab dem Kauf
Rückstufung nach eigenem Unfall
nein
nur zum Ablauf, meist 30. November
Umzug, mehr Kilometer, junger Fahrer
nein
nur zum Ablauf
Kündigen nach einem Schaden
Hat der Versicherer einen Haftpflichtschaden bezahlt oder abgelehnt, dürfen beide Seiten binnen eines Monats kündigen. Für die Kasko gilt dasselbe nach § 92 VVG, dort ab Abschluss der Verhandlungen über die Entschädigung. Sie können sofort kündigen oder zum Ende des laufenden Versicherungsjahres, später nicht.
Ehrlich gesagt: Um der Rückstufung zu entgehen, hilft der Wechsel nicht. Der neue Versicherer fragt Ihren Schadenverlauf beim alten ab und stuft Sie genauso ein. Sinnvoll ist die Kündigung, wenn die Regulierung schlecht lief oder ein anderer Tarif trotz Rückstufung günstiger ist. Ein Rabattschutz gilt meist nur beim bisherigen Versicherer und geht beim Wechsel verloren.
Autokauf, Verkauf und Abmeldung
Verkaufen Sie Ihr Auto, geht die Versicherung auf den Käufer über. Er darf sie binnen eines Monats nach dem Kauf kündigen, sofort oder zum Ende des Versicherungsjahres. Sie als Verkäufer melden den Verkauf und bekommen den Beitrag ab dem Übergang anteilig zurück.
Kaufen Sie ein anderes Auto, brauchen Sie ohnehin einen neuen Vertrag mit neuer eVB-Nummer. Dabei können Sie den Versicherer frei wählen und Ihre Schadenfreiheitsklasse mitnehmen. Melden Sie ein Auto ab, endet der Vertrag in der Regel oder geht in eine Ruheversicherung über, je nach Bedingungen.
Wann es kein Sonderrecht gibt
Steigt der Beitrag, weil sich Ihr eigenes Risiko geändert hat, gibt es kein Sonderrecht. Das gilt für die Rückstufung der Schadenfreiheitsklasse nach einem Unfall, einen Umzug in einen teureren Bezirk, eine höhere Fahrleistung oder einen jungen Fahrer, den Sie neu eintragen.
Auch ein Beitrag, der nur weniger sinkt als erhofft, reicht nicht immer. Vergleichen Sie auf der Rechnung Tarifbeitrag und Rabattstufe mit dem Vorjahr. Steigt der Tarif selbst, liegt eine Erhöhung vor.
Schritt für Schritt
Mitteilung oder Rechnung auf das Zugangsdatum und den Hinweis auf das Kündigungsrecht prüfen.
Klären, warum der Beitrag steigt: Tarif, Typklasse, Regionalklasse oder Ihre eigene Rückstufung.
Angebote mit gleichem Umfang und gleicher Selbstbeteiligung einholen.
Neuen Vertrag mit Beginn am Tag der Erhöhung abschließen.
Schriftlich oder per E-Mail kündigen, den Anlass nennen und um Bestätigung bitten.
Checkliste
Zugangsdatum der Mitteilung notiert
Grund der Erhöhung geklärt
Neuer Vertrag beginnt ohne Lücke
Kündigung nennt Sonderkündigungsrecht, Kennzeichen und Versicherungsnummer
Eingangsbestätigung liegt vor
Häufige Fehler
Die Monatsfrist ab dem Rechnungsdatum statt ab dem Zugang rechnen und dann zu spät sein
Nach einem Unfall wechseln und glauben, die Rückstufung falle weg
Kündigen, bevor der neue Vertrag steht, und eine Lücke in der Haftpflicht riskieren
Einen Rabattschutz aufgeben, ohne zu prüfen, was er beim Bleiben wert wäre
Fragen und Antworten
Häufig gefragt
Gilt das Sonderrecht auch, wenn nur die Typklasse steigt?
Ja.
Steigt der Beitrag wegen einer neuen Typklasse oder Regionalklasse und bleibt der Schutz gleich,
dürfen Sie binnen eines Monats kündigen.
Kann ich nach einem Unfall wechseln, um die Rückstufung zu umgehen?
Nein.
Der neue Versicherer übernimmt Ihren Schadenverlauf und stuft Sie genauso zurück.
Der Wechsel lohnt nur, wenn der neue Tarif trotzdem günstiger ist.
Darf ich nach einem Glasschaden in der Teilkasko kündigen?
Ja, auch ein Kaskoschaden öffnet das Sonderrecht.
Die Frist beträgt einen Monat nach Abschluss der Regulierung.
Bekomme ich zu viel gezahlten Beitrag zurück?
Ja.
Endet der Vertrag unterjährig, erstattet der Versicherer den Beitrag für die Zeit danach anteilig.
Kann auch der Versicherer nach einem Schaden kündigen?
Ja, ebenfalls binnen eines Monats.
Er muss aber eine Frist von einem Monat einhalten, damit Sie Zeit für einen neuen Vertrag haben.
Reicht eine E-Mail?
In der Regel ja, Textform genügt.
Nennen Sie den Anlass, zum Beispiel die Beitragserhöhung vom 25.