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Versicherungsmakler / Versicherungsfragen

Welche Versicherungen bekommen Menschen mit Behinderung?

Kurz gesagt

Welche Versicherungen bekommen Menschen mit Behinderung? Fast alle: Privathaftpflicht, Hausrat und Kfz ohne Gesundheitsfragen, oft für 40 bis 180 Euro im Jahr. Das Gleichbehandlungsgesetz erlaubt Zuschläge wegen einer Behinderung nur mit versicherungsmathematischer Begründung. Schwer wird es bei Berufsunfähigkeit, Risikoleben und privater Krankenversicherung, weil dort Gesundheitsfragen zählen.

Welche Versicherungen bekommen Menschen mit Behinderung?

Was es kostet

Beiträge und gesetzliche Vorteile, die für Menschen mit Behinderung gelten. Sachversicherungen kosten dasselbe wie für alle anderen.

BeispielRichtwert
Privathaftpflicht Singleetwa 40 bis 120 Euro im Jahr
Privathaftpflicht Familie mit Kind mit Behinderungetwa 60 bis 180 Euro im Jahr
Kfz-Steuer mit Merkzeichen H, Bl oder aG0 Euro, also 100 Prozent Ersparnis
Kfz-Steuer mit orangefarbenem Ausweis50 Prozent Ermäßigung
Steuer-Pauschbetrag Grad der Behinderung 501.140 Euro im Jahr

Haftpflichtbeiträge aus veröffentlichten Marktübersichten, Stand Oktober 2026.

Steuerwerte nach dem geltenden Gesetzestext.

Zuschläge in Berufsunfähigkeit und Risikoleben legt jeder Versicherer nach eigener Prüfung fest,

dafür gibt es keine allgemeinen Werte.

Rechenbeispiel

Familie mit erwachsenem Sohn, geistige Behinderung, Grad 80, Merkzeichen H

So sieht der Grundschutz aus und was das Gesetz an Entlastung bringt.

Familienhaftpflicht mit deliktsunfähigen Personenetwa 80 bis 150 Euro im Jahr
Krankenversicherung des SohnesFamilienversicherung ohne Altersgrenze, 0 Euro
Kfz-Steuer für das Familienauto auf den Sohn zugelassenentfällt auf Antrag
Steuer-Pauschbetrag des Sohnes7.400 Euro wegen Merkzeichen H

Der wichtigste Baustein kostet unter 150 Euro im Jahr. Die Entlastung durch Steuer und Familienversicherung ist meist höher als jeder Versicherungsbeitrag.

Was das Gesetz bei Versicherungen für Menschen mit Behinderung regelt

Nach § 19 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes darf eine private Versicherung niemanden wegen einer Behinderung benachteiligen. § 20 Absatz 2 macht eine Ausnahme: Ein Versicherer darf anders behandeln, wenn das auf anerkannten Prinzipien risikogerechter Kalkulation beruht, also auf Statistik und Versicherungsmathematik.

In der Praxis heißt das: Eine Behinderung allein ist kein Ablehnungsgrund. Wirkt sie sich aber auf das versicherte Risiko aus, etwa auf die Gefahr, berufsunfähig zu werden, darf der Versicherer Zuschläge verlangen, Ausschlüsse vereinbaren oder ablehnen.

VersicherungGesundheitsfragenWas Menschen mit Behinderung erwartet
Privathaftpflichtneinnormal versicherbar, Tarif mit deliktsunfähigen Personen wählen
Hausrat und Wohngebäudeneinnormal versicherbar, Hilfsmittel in der Wohnung sind Hausrat
Kfz-Versicherungneinnormal versicherbar, umgebautes Auto zum vollen Wert melden
Unfallversicherungoft javersicherbar, bestehende Einschränkung mindert die Leistung
Berufsunfähigkeit, Risikolebenja, ausführlichZuschlag, Ausschluss oder Ablehnung möglich
Private KrankenversicherungjaBasistarif muss annehmen, Normaltarife dürfen ablehnen

Privathaftpflicht: auf deliktsunfähige Personen achten

Wer im Zustand einer krankhaften Störung der Geistestätigkeit einen Schaden verursacht, haftet nach § 827 BGB nicht. Ohne Haftung zahlt auch die Privathaftpflicht nicht, und der Geschädigte bleibt auf seinem Schaden sitzen. Für Familien mit einem Angehörigen mit geistiger Behinderung ist das oft ein Streit mit Nachbarn oder Freunden.

Prüfen Sie deshalb, ob Ihr Haftpflichttarif auch Schäden durch deliktsunfähige Personen bis zu einer vereinbarten Summe zahlt. Ob und wie hoch, steht im Bedingungswerk. Prüfen Sie außerdem, ob ein erwachsenes Kind mit Behinderung ohne Altersgrenze im Familientarif bleibt.

Unfallversicherung mit Behinderung: die Vorinvalidität

Die Musterbedingungen des Versicherungsverbands für die Unfallversicherung kennen die Vorinvalidität: War ein Arm, Bein oder Sinnesorgan schon vor dem Unfall dauerhaft beeinträchtigt, wird dieser Anteil vom Invaliditätsgrad abgezogen. Wirken Krankheiten oder Gebrechen zu mindestens 25 Prozent an den Unfallfolgen mit, kürzt der Versicherer zusätzlich.

Eine Unfallversicherung mit Behinderung lohnt sich trotzdem, wenn die übrigen Körperteile gesund sind. Bezahlt wird für den neuen Schaden. Bei einer schweren Mehrfachbehinderung prüfen Sie, ob überhaupt ein nennenswerter Teil versicherbar bleibt.

Kranken- und Pflegeversicherung

Die gesetzliche Krankenversicherung nimmt Menschen mit Behinderung ohne Gesundheitsprüfung auf. Kinder bleiben nach § 10 SGB V ohne Altersgrenze familienversichert, wenn sie sich wegen der Behinderung nicht selbst unterhalten können und die Behinderung schon während der Familienversicherung bestand.

In der privaten Krankenversicherung muss der Versicherer den Basistarif nach § 193 VVG anbieten, ohne Ablehnung. Normaltarife und Zusatzversicherungen wie Zahn- oder Pflegezusatz dürfen nach Vorerkrankungen fragen und ablehnen.

Auto und Steuer: diese Vorteile gibt es

Die Kfz-Steuer entfällt nach § 3a Kraftfahrzeugsteuergesetz für ein Fahrzeug, wenn im Schwerbehindertenausweis das Merkzeichen H, Bl oder aG steht. Mit dem orangefarbenen Flächenaufdruck halbiert sie sich, solange Sie nicht die Freifahrt im Nahverkehr nutzen. Beides gibt es nur auf schriftlichen Antrag.

Bei der Einkommensteuer gibt es nach § 33b EStG einen Pauschbetrag von 384 Euro bei einem Grad der Behinderung von 20 bis 2.840 Euro bei 100. Für Kfz-Versicherung und Haftpflicht selbst gibt es keinen gesetzlichen Nachlass wegen einer Behinderung.

Wann Sie bestimmte Versicherungen nicht brauchen

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ergibt keinen Sinn, wenn Sie wegen der Behinderung schon dauerhaft nicht im erlernten Beruf arbeiten können, denn bestehende Einschränkungen sind nicht versicherbar. Dann helfen eher die Erwerbsminderungsrente und Ansprüche aus dem Sozialrecht.

Eine Pflegezusatzversicherung bekommen Menschen mit Behinderung oft nicht mehr, wenn schon ein Pflegegrad festgestellt ist: Das Risiko ist dann eingetreten. Wer noch keinen Pflegegrad hat, sollte die Gesundheitsfragen genau lesen, bevor er sich auf eine Zusage verlässt.

Schritt für Schritt

  1. Klären, welche Risiken die Familie wirklich bedrohen: Haftung, Wohnung, Auto, Einkommen.
  2. Bei der Privathaftpflicht nach deliktsunfähigen Personen und Kindern ohne Altersgrenze fragen.
  3. Merkzeichen im Ausweis prüfen und Kfz-Steuerbefreiung beim Zoll beantragen.
  4. Für Berufsunfähigkeit oder Risikoleben eine anonyme Voranfrage stellen lassen, bevor Sie einen Antrag unterschreiben.
  5. Gesundheitsfragen vollständig beantworten, auch zur Behinderung.
  6. Ablehnung oder Zuschlag schriftlich begründen lassen.

Checkliste

  • Haftpflicht mit Schäden durch deliktsunfähige Personen
  • Kind mit Behinderung im Familientarif ohne Altersgrenze
  • Umbauten am Auto in der Kasko angegeben
  • Kfz-Steuer und Pauschbetrag beantragt
  • Gesundheitsfragen vollständig beantwortet
  • Voranfragen anonym gestellt

Häufige Fehler

  • Die Behinderung im Antrag verschweigen, der Versicherer kann dann zurücktreten
  • Glauben, eine Haftpflicht zahle immer, auch wenn der Verursacher deliktsunfähig war
  • Mehrere Anträge mit Namen stellen, statt anonym vorzufragen
  • Umbauten am Auto nicht melden und riskieren, dass sie im Totalschaden fehlen

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Darf mich eine Versicherung wegen meiner Behinderung ablehnen?

Nur wenn die Behinderung das versicherte Risiko nachweisbar erhöht.

Das Gleichbehandlungsgesetz verlangt dafür eine Begründung aus der Risikokalkulation.

Muss ich eine Behinderung in der Haftpflicht angeben?

In der Regel nein, Privathaftpflicht und Hausrat fragen nicht nach Gesundheit.

Ob Schäden durch deliktsunfähige Personen gedeckt sind, sollten Sie aber gezielt prüfen.

Bekomme ich mit Behinderung eine Unfallversicherung?

Meist ja.

Eine schon bestehende Einschränkung zählt als Vorinvalidität und wird bei einem späteren Unfall

abgezogen.

Gibt es Rabatt in der Kfz-Versicherung für Schwerbehinderte?

Einen gesetzlichen Nachlass gibt es nicht.

Entlastung bringt die Kfz-Steuer, die je nach Merkzeichen entfällt oder halbiert wird.

Was passiert mit der Krankenversicherung meines Kindes ab 25?

Es bleibt familienversichert,

wenn es sich wegen der Behinderung nicht selbst unterhalten kann und die Behinderung schon in der

Familienversicherung bestand.

Quellen

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