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Versicherungsmakler / Versicherungsfragen

Zahlt eine Versicherung, wenn Mitarbeiter auf einen Deepfake-Anruf hereinfallen?

Kurz gesagt

Ja, eine Versicherung zahlt, wenn Mitarbeiter auf einen Deepfake-Anruf hereinfallen, meist aber nur die Vertrauensschadenversicherung mit Einschluss von Betrug durch Dritte. Cyberpolicen ersetzen den reinen Geldabfluss oft gar nicht oder nur über einen Social-Engineering-Baustein, der oft eine eigene, niedrigere Grenze hat.

Zahlt eine Versicherung, wenn Mitarbeiter auf einen Deepfake-Anruf hereinfallen?

Was es kostet

Beiträge und Grenzen aus veröffentlichten Beispielen für Deckungen gegen Betrug im Unternehmen.

BeispielRichtwert
Vertrauensschadenversicherung, Büro mit 3 Personen, 100.000 Euro Summerund 540 Euro im Jahr, etwa 45 Euro im Monat
Teilgrenze für Schäden ohne Verschulden eigener Beschäftigter in einem Tarifbis 100.000 Euro je Fall und Jahr
Cyberversicherung, kleiner Verein mit 150.000 bis 250.000 Euro Umsatz, 100.000 Euro Summe, 1.000 Euro Selbstbeteiligungab etwa 403 Euro im Jahr

Richtwerte aus veröffentlichten Rechenbeispielen und Tarifbeschreibungen, Stand Oktober 2026.

Ihr Beitrag hängt von Mitarbeiterzahl, Branche, Summe und Kontrollen ab.

Rechenbeispiel

Buchhaltung überweist 150.000 Euro nach Videoanruf

Die Buchhalterin eines Großhändlers sieht in einer Videokonferenz den angeblichen Geschäftsführer und überweist 150.000 Euro für eine geheime Übernahme.

Schaden150.000 Euro
Cyberpolice mit Social-Engineering-Baustein, Grenze 100.000 Eurohöchstens 100.000 Euro
Vertrauensschadenversicherung mit Drittschäden, Summe 250.000 Eurobis 150.000 Euro
SelbstbeteiligungRichtwert aus der Angebotspraxis: 1.000 bis 5.000 Euro

Mit Vertrauensschadenversicherung bleibt im Wesentlichen die Selbstbeteiligung. Mit dem Cyberbaustein allein fehlen mindestens 50.000 Euro, ohne Baustein der ganze Betrag.

So läuft ein Deepfake-Anruf ab

Beim Fake-President-Betrug gibt sich ein Täter als Chef oder Geschäftsführerin aus und drängt eine Person mit Zahlungsvollmacht zu einer eiligen, vertraulichen Überweisung. Mit KI klingt die Stimme am Telefon oder das Gesicht in der Videokonferenz täuschend echt.

Das BSI nennt den Anruf mit der Stimme einer Führungskraft ausdrücklich als Bedrohung. Für gute Qualität brauchen Täter heute oft nur wenige Minuten öffentliches Material, etwa aus Interviews oder Firmenvideos.

Welche Versicherung den Deepfake-Schaden ersetzt

Die Vertrauensschadenversicherung ersetzt den unmittelbaren Geldabfluss und meist auch Kosten für die Aufklärung des Falls. Das Grundkonzept deckt nur Schäden durch eigene Beschäftigte. Moderne Bedingungen schließen Betrug durch außenstehende Dritte ein, die Gutgläubigkeit von Mitarbeitern ausnutzen. Genau dieser Einschluss entscheidet beim Deepfake-Anruf.

Achten Sie auf Teilgrenzen: Manche Tarife zahlen Schäden ohne Verschulden eigener Beschäftigter nur bis 100.000 Euro je Fall und Jahr, auch wenn die Gesamtsumme höher ist.

PoliceZahlt beim Deepfake-Anruf?
Vertrauensschadenversicherung mit Drittschädenja, bis zur vereinbarten Summe oder Teilgrenze
Vertrauensschadenversicherung nur für eigene Mitarbeitermeist nein
Cyberversicherung ohne Zusatzbausteinfür den Geldabfluss meist nein
Cyberversicherung mit Social-Engineering-Bausteinteilweise, oft eng begrenzt
Betriebshaftpflichtnein
D&O-Versicherungnur mittelbar, wenn die Firma die Geschäftsleitung in Haftung nimmt

Warum die Cyberversicherung oft nicht zahlt

Cyberpolicen setzen meist eine Verletzung der Informationssicherheit voraus, also einen Angriff auf Ihre Systeme. Beim Deepfake-Anruf wird aber kein Rechner gehackt, ein Mensch wird getäuscht. Die Musterbedingungen des Versicherungsverbands schließen zudem den Abfluss von Vermögenswerten aus.

Viele Anbieter bieten einen Zusatzbaustein für Social Engineering an. Er kann eine eigene Teilgrenze haben, die unter der Versicherungssumme liegt. Bei einer hohen Überweisung bliebe dann ein Teil des Schadens bei Ihnen.

Pflichten im Vertrag, die über die Leistung entscheiden

Versicherer berufen sich bei Fake-President-Fällen häufig auf verletzte Obliegenheiten, also Pflichten aus dem Vertrag. Wer schriftliche Regeln für Zahlungen hat und sie nachweislich einhält, steht im Schadenfall deutlich besser da.

Bewährt haben sich drei Regeln: Zahlungen ab einer festen Grenze geben zwei Personen frei. Bei jeder ungewöhnlichen Anweisung folgt ein Rückruf über eine bekannte Nummer, nie über die Nummer aus dem Anruf. Änderungen von Bankverbindungen werden gesondert geprüft.

Wann sich die Police für Ihren Betrieb lohnt

Eine Vertrauensschadenversicherung lohnt sich vor allem, wenn mehrere Personen Überweisungen auslösen dürfen, die Geschäftsleitung öffentlich in Videos und Interviews auftritt oder regelmäßig hohe Beträge ins Ausland gehen. Ein Einzelunternehmer, der jede Zahlung selbst freigibt, braucht sie meist nicht. Norman Nammert vermittelt als Versicherungsmakler und kann vorhandene Cyber- und Vertrauensschadenpolicen auf diese Lücke prüfen.

Schritt für Schritt

  1. Prüfen, wer im Betrieb Überweisungen auslösen darf und ab welchem Betrag.
  2. Vier-Augen-Freigabe und Rückruf über bekannte Nummern schriftlich festlegen.
  3. Beschäftigte mit Zahlungsvollmacht zu Deepfake-Anrufen schulen.
  4. In der Cyberpolice den Ausschluss für Vermögensabfluss und die Grenze für Social Engineering nachlesen.
  5. Angebote für eine Vertrauensschadenversicherung mit Drittschäden einholen.
  6. Im Ernstfall sofort die Bank anrufen, Anzeige erstatten und den Versicherer informieren.

Checkliste

  • Drittschäden durch Täuschung ausdrücklich versichert
  • Teilgrenze für Social Engineering ausreichend für Ihre üblichen Zahlungen
  • Vier-Augen-Prinzip dokumentiert
  • Rückrufregel für neue Bankverbindungen
  • Rückwärtsdeckung für früher verursachte, später entdeckte Schäden
  • Kosten für Aufklärung und Rechtsverfolgung eingeschlossen

Häufige Fehler

  • Glauben, die Cyberversicherung decke jeden Betrug
  • Nur auf die Gesamtsumme schauen und die Teilgrenze übersehen
  • Freigaberegeln haben, aber im Alltag nicht einhalten
  • Bei einem Verdacht zuerst intern klären und die Bank zu spät anrufen

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Was ist direkt nach einem verdächtigen Deepfake-Anruf zu tun?

Sofort die Bank anrufen, damit sie die Zahlung wenn möglich anhält,

Anzeige bei der Polizei erstatten, den Versicherer informieren und Anrufliste,

Nachrichten und Kontodaten sichern.

Zahlt die Bank das Geld zurück?

Meist nicht.

Die Überweisung wurde von einer berechtigten Person ausgelöst und gilt damit als autorisiert.

Ein schneller Anruf bei der Bank kann trotzdem helfen, Geld noch anzuhalten.

Ist ein Deepfake per E-Mail etwas anderes als per Anruf?

Für die Vertrauensschadenversicherung zählt die Täuschung, nicht der Weg.

Prüfen Sie aber, ob Ihr Tarif Täuschung per Telefon und Video ausdrücklich nennt.

Was kostet eine Vertrauensschadenversicherung?

Für kleine Büros oft einige Hundert Euro im Jahr,

ein veröffentlichtes Beispiel nennt rund 540 Euro bei 100.000 Euro Summe.

Mehr Beschäftigte und höhere Summen kosten mehr.

Hilft die KI-Verordnung gegen Deepfake-Betrug?

Kaum.

Die Kennzeichnungspflicht seit 02.08.2026 richtet sich an ehrliche Nutzer,

Betrüger halten sich nicht daran.

Schutz bieten Freigaberegeln und eine passende Police.

Quellen

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