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Zahlt die Unfallversicherung nach einem Zeckenbiss?

Kurz gesagt

Die private Unfallversicherung zahlt nach einem Zeckenbiss nur, wenn die Infektion im Vertrag eingeschlossen ist und einen Dauerschaden hinterlässt. In den Musterbedingungen AUB 2020 ist FSME nach einem Zeckenstich eingeschlossen, Borreliose nicht. Borreliose ist nur in erweiterten Tarifen versichert. Die Behandlung selbst zahlt Ihre Krankenversicherung.

Zahlt die Unfallversicherung nach einem Zeckenbiss?

Was es kostet

Öffentlich genannte Jahresbeiträge für eine private Unfallversicherung mit 100.000 Euro Grundsumme und 350 Prozent Progression. Tarife mit erweitertem Infektionsschutz liegen meist im oberen Teil der Spanne.

BeispielRichtwert
Erwachsener, Büroberufetwa 60 bis 180 Euro im Jahr
Erwachsener, Handwerk oder körperliche Arbeitetwa 120 bis 260 Euro im Jahr
Kind, klassische Kinderunfallversicherungetwa 50 bis 100 Euro im Jahr
Senioren ab 60 oder 70 Jahrenetwa 120 bis 460 Euro im Jahr

Beiträge Stand Juli 2026 aus öffentlich genannten Tarifbeispielen.

Dass Tarife mit Borreliose-Schutz eher oben in der Spanne liegen,

ist ein Richtwert aus der Angebotspraxis.

Das genaue Angebot holen wir ein.

Rechenbeispiel

Borreliose mit bleibendem Gelenkschaden

Eine Frau, 45 Jahre, bemerkt Wochen nach einer Gartenarbeit eine Wanderröte. Trotz Behandlung bleibt ein steifes Knie. Der Gutachter setzt den Invaliditätsgrad auf 20 Prozent fest. Die Zahlen sind ein Rechenbeispiel.

Grundsumme100.000 Euro
Invaliditätsgrad20 Prozent
Tarif nach Musterbedingungen ohne Borreliose0 Euro
Tarif mit Borreliose-Einschluss20.000 Euro
Progressiongreift meist erst ab 26 Prozent, hier nicht

Ob es 0 oder 20.000 Euro gibt, entscheidet allein ein Satz in den Bedingungen. Bei FSME hätten beide Tarife gezahlt.

Warum ein Zeckenbiss kein gewöhnlicher Unfall ist

Ein Unfall ist ein plötzliches Ereignis von außen, das die Gesundheit schädigt. Der Stich einer Zecke ist zwar von außen, die eigentliche Gefahr ist aber die Infektion danach. Infektionen sind in der Unfallversicherung grundsätzlich ausgeschlossen. Die Musterbedingungen des Versicherungsverbands machen davon Ausnahmen: Tollwut, Wundstarrkrampf, Erreger aus nicht nur geringfügigen Unfallverletzungen und FSME durch einen Zeckenstich.

Borreliose steht nicht auf dieser Liste. Viele Versicherer bieten aber einen erweiterten Schutz an, der Borreliose und FSME ausdrücklich einschließt. Ob Ihr Vertrag das hat, steht in den Bedingungen unter Infektionen oder in einer besonderen Klausel zu Zecken und Insektenstichen.

Folge nach dem ZeckenstichMusterbedingungen AUB 2020Tarif mit erweitertem Schutz
FSME mit bleibenden Schädenversichertversichert
Borreliose mit bleibenden Schädennicht versichertversichert
Rötung, Antibiotika, Heilung ohne Folgenkeine Invaliditätsleistungkeine Invaliditätsleistung, je nach Tarif Tagegeld

Was die Unfallversicherung zahlt und was nicht

Die Unfallversicherung zahlt keine Arztrechnungen. Sie zahlt Geld, wenn die Krankheit einen dauerhaften Schaden hinterlässt, zum Beispiel Lähmungen nach einer FSME oder Gelenk- und Nervenschäden nach einer Borreliose. Je nach Tarif kommen Krankenhaustagegeld, Reha-Kosten und bei schweren Dauerschäden eine lebenslange Unfallrente dazu.

Heilt die Infektion folgenlos aus, gibt es keine Invaliditätsleistung.

Fristen und Nachweis

Nach den Musterbedingungen muss die Invalidität binnen 15 Monaten nach dem Unfall eingetreten, von einem Arzt schriftlich festgestellt und beim Versicherer geltend gemacht sein. Bei Zecken ist das schwierig, weil der Stich oft unbemerkt bleibt und Beschwerden erst Wochen später kommen. Viele Tarife berücksichtigen das und lassen die Fristen bei Zeckenerkrankungen erst mit der ersten ärztlichen Diagnose beginnen.

Vor Gericht wird oft darüber gestritten, ob überhaupt ein versicherter Zeckenstich nachweisbar ist oder ob eine Krankheit ohne Unfallbezug vorliegt. In zwei Fällen vor den Oberlandesgerichten Koblenz (10 U 228/11) und Nürnberg (8 W 2040/14) bekamen die Versicherten kein Geld. Halten Sie deshalb fest, wann und wo die Zecke gestochen hat, mit Foto und Datum, und lassen Sie Blutwerte früh bestimmen.

Wer besonders auf den Schutz achten sollte

FSME tritt vor allem im Süden und Osten Deutschlands auf. Seit Februar 2026 gelten 185 Land- und Stadtkreise als Risikogebiet, 2025 wurden 693 Erkrankungen gemeldet. 98 Prozent der Erkrankten waren nicht oder nicht ausreichend geimpft. Borreliose wird von Zecken deutlich häufiger übertragen als FSME.

Wer viel draußen ist, im Garten, im Wald, mit Hund oder beim Wandern, und Kinder sollten einen Tarif haben, der Borreliose ausdrücklich nennt. Gegen FSME hilft die Impfung, gegen Borreliose nur lange Kleidung, Zeckenschutzmittel und das Absuchen nach dem Aufenthalt im Freien.

Schritt für Schritt

  1. Zecke sofort entfernen, Stelle fotografieren und Datum und Ort notieren.
  2. Bei Rötung, Fieber, Kopfschmerzen oder Abgeschlagenheit gleich zum Arzt gehen.
  3. Die Unfallversicherung informieren, sobald eine Infektion festgestellt ist.
  4. Bei bleibenden Beschwerden die Invalidität rechtzeitig ärztlich feststellen lassen und schriftlich geltend machen.
  5. In den Bedingungen nachlesen, ob Borreliose eingeschlossen ist und wann die Fristen beginnen.

Checkliste

  • FSME nach Zeckenstich eingeschlossen
  • Borreliose ausdrücklich eingeschlossen
  • Fristen beginnen bei Zeckenerkrankungen mit der ersten Diagnose
  • FSME-Impfung bei Wohnort oder Urlaub im Risikogebiet
  • Foto, Datum und Arztbericht zum Stich aufbewahren

Häufige Fehler

  • Davon ausgehen, dass jeder Tarif Borreliose deckt
  • Den Stich nicht festhalten und später nichts belegen können
  • Die Frist für die Invalidität verstreichen lassen, weil die Beschwerden schleichend kamen
  • Von der Unfallversicherung die Arztkosten erwarten

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Ist ein Zeckenstich ein Unfall?

Nicht im klassischen Sinn, weil der Schaden durch die Infektion entsteht.

FSME ist in den Musterbedingungen trotzdem ausdrücklich eingeschlossen,

Borreliose nur in erweiterten Tarifen.

Zahlt die Unfallversicherung bei Borreliose?

Nur wenn Ihr Tarif Borreliose ausdrücklich einschließt und ein bleibender Schaden bleibt.

Heilt die Krankheit aus, gibt es keine Invaliditätsleistung.

Wer zahlt die Behandlung nach einem Zeckenbiss?

Ihre Krankenversicherung.

Die Unfallversicherung zahlt nur Geld für die Folgen, vor allem bei Invalidität.

Muss ich einen Zeckenstich sofort melden?

Einen Stich ohne Beschwerden nicht.

Sobald eine Infektion festgestellt ist,

sollten Sie die Unfallversicherung informieren und die Fristen in Ihrem Vertrag im Blick behalten.

Spielt eine fehlende FSME-Impfung eine Rolle?

In den Musterbedingungen nicht.

Für Ihre Gesundheit schon: 98 Prozent der FSME-Erkrankten 2025 waren nicht oder nicht ausreichend

geimpft.

Sind Kinder bei Zeckenbissen versichert?

Wie Erwachsene nur im Rahmen der Bedingungen.

Gerade bei Kindern lohnt ein Tarif, der Borreliose ausdrücklich nennt.

Quellen

NAMMERT Versicherungsmakler

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