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Ist Bootfahren billiger als Autofahren? Eine ehrliche Rechnung
Ein Motorboot verbraucht auf 100 Kilometer ein Vielfaches eines Autos, ein Segelboot fast nichts, ein Elektroboot wenige Euro. Den Unterschied machen Nutzung, Bootstyp und die festen Kosten.
31. Oktober 20268 min LesezeitNAMMERT Assekuradeur GmbH
Die Frage kommt am Telefon öfter, als man denkt, meist mit einem Augenzwinkern: Ist Bootfahren nicht eigentlich billiger als Autofahren? Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, was Sie vergleichen. Ein Auto wird in Litern je 100 Kilometer gemessen, ein Motorboot in Litern je Stunde. Wer beides auf dieselbe Strecke umrechnet, erlebt beim Motorboot meist eine Überraschung, bei der Segelyacht und beim Elektroboot oft eine angenehme. Wir rechnen das hier mit belegten Zahlen durch und sagen dazu, was es für den Versicherungsschutz bedeutet.
Zuerst der Verbrauch. Der durchschnittliche Pkw in Deutschland braucht laut Umweltbundesamt 7,4 Liter auf 100 Kilometer (Stand 2024). Ein Trailerboot von 5,9 Metern mit 115 PS Außenborder verbraucht nach dem Messprotokoll der Werft bei Reisefahrt mit 34 km/h rund 12,5 Liter in der Stunde, bei Vollgas rund 40 Liter. Ein Motorboot von 6,3 Metern mit 150 PS braucht bei Reisefahrt rund 20 Liter je Stunde, bei Vollgas rund 60 Liter. Auf 100 Kilometer umgerechnet sind das bei Reisefahrt rund 37 und rund 60 Liter, also das Fünf- bis Achtfache eines Autos. Eine Motoryacht von 41 Metern lag nach Werftangabe bei 12 Knoten unter 230 Litern je Stunde (Angabe von 2011), auf 100 Kilometer mehr als tausend Liter.
Die Segelyacht ist das Gegenstück. Unter Segeln verbraucht sie keinen Tropfen, der Motor läuft für Hafenmanöver, Flaute und die letzte Meile. Das Elektroboot ist die dritte Spalte: Ein Elektroaußenborder mit 6 Kilowatt fährt nach Herstellerangabe mit einer Batterie von 5 Kilowattstunden in langsamer Fahrt 66 Kilometer weit. Beim Haushaltsstrompreis von 37,3 Cent je Kilowattstunde (BDEW, Oktober 2026) kostet die volle Ladung rund 1,87 Euro, also rund 2,80 Euro auf 100 Kilometer. Bei halber Leistung sind es nur noch 18 Kilometer, dann rund 10 Euro auf 100 Kilometer. Ein Elektroauto braucht im Mittel 19,7 Kilowattstunden auf 100 Kilometer (ADAC-Test 2023), rund 7,35 Euro zum selben Strompreis.
Wettfahrt über 100 Kilometer
Wer kommt an, und was kostet der Sprit dafür?
Dann der Preis je Liter. An der Straße kostete Super E10 in Deutschland Ende September 2026 laut ADAC im Schnitt 2,258 Euro, Diesel 2,409 Euro; seit dem 1. Oktober ist die Energiesteuer bis Jahresende befristet um 14,04 Cent je Liter gesenkt. Am Wasser gibt es keinen Rabatt für Freizeitskipper: Nach § 27 Energiesteuergesetz darf Treibstoff in der Schifffahrt steuerfrei verwendet werden, mit Ausnahme der privaten nichtgewerblichen Schifffahrt. Wer sein Sportboot privat fährt, zahlt also den vollen Satz wie an der Straße. In Palma de Mallorca lag Diesel an Land am 31. Oktober 2026 zwischen 1,85 und 2,05 Euro, Super 98 um 1,93 Euro (apalmet.es). Einen belegten aktuellen Preis einer Hafentankstelle haben wir nicht gefunden, deshalb nennen wir keinen.
Bei großen Yachten wird aus dem Preis je Liter eine Reiseroute. Schon 2013 berichteten Branchendienste, dass immer mehr Superyachten außerhalb der EU tanken und sich die Zahl der Yachten in Tunesien und Algerien in einem Sommer fast verdoppelt hatte. Die Preise damals: rund 0,65 bis 0,70 Euro je Liter in Tunesien gegen 1,60 bis 1,65 in Italien, das sind Zahlen von 2013 und heute nicht mehr gültig. Im November 2025 hat ein Bunkeranbieter angekündigt, Yachten in Bizerte, Tunis, Gabès und Sfax mit Marinediesel zu beliefern. In Ceuta meldeten Segler zwischen 2015 und 2018 Diesel um einen Euro je Liter, auch das ist alt. Wie Zoll und Steuer bei der Rückkehr in die EU zu behandeln sind, ist Sache des Skippers und seines Steuerberaters; dazu beraten wir nicht.
Für den Versicherungsschutz heißt das zuerst: Die Tankfahrt muss im Fahrtgebiet liegen. In unseren Kaskobedingungen sind die Küsten Marokkos im Fahrtgebiet Mittelmeer eingeschlossen, Tunesien und Algerien heute erst im weltweiten Fahrtgebiet. Wer von den Balearen, Sardinien oder Sizilien zum Tanken nach Bizerte fährt und nur das Mittelmeer vereinbart hat, ist dort ohne Kasko unterwegs, und eine Haftpflicht muss für das Revier ebenfalls gelten. Eine Erweiterung ist in Arbeit, sie gilt aber erst, wenn das neue Bedingungswerk freigegeben ist. Bis dahin zählt der Versicherungsschein, nicht die Pressemeldung.
Und dann die festen Kosten, an denen die Rechnung meist kippt. Das Auto kostet nach ADAC am Beispiel eines Golf 1.5 TSI rund 704 Euro im Monat, davon 349 Euro Wertverlust, gerechnet auf fünf Jahre und 75.000 Kilometer. Beim Boot kommen Liegeplatz, Winterlager, Kran und Wartung dazu. Die Stadt Loitz an der Peene verlangt 2026 für einen Dauerliegeplatz 50 Euro je Meter und Saison, die Gemeinde Strande an der Kieler Förde für das Winterlager im Freien 10 Euro je Quadratmeter Grundfläche und für den Kran 60 Euro je halbe Stunde bis 5 Tonnen. Ein Motorboot von 7 mal 2,5 Metern käme dort auf rund 350 Euro Liegeplatz, 175 Euro Winterlager und zweimal Kran. Das sind kommunale Sätze, Marinas verlangen oft anders. Die Werftstunde lag 2026 laut VMWD zwischen 77,75 und 86,02 Euro.
Die Versicherung ist beim Boot der kleinere Posten. Eine Bootshaftpflicht beginnt bei uns über den Antragsweg bei 39 Euro im Jahr, für ein Motorboot bei 49 Euro, für eine Yacht bei 100 Euro; eine Teilkasko ab 199 Euro, eine Vollkasko ab 219 Euro. Beim Auto sind die Haftpflichtbeiträge laut GDV von 2017 bis 2025 um 18 Prozent gestiegen, ein Pkw-Sachschaden kostet im Schnitt rund 4.600 Euro. Unser Fazit: Je Kilometer ist das Motorboot fast immer teurer als das Auto, die Segelyacht und das Elektroboot in langsamer Fahrt oft billiger. Aber niemand fährt Boot, um von A nach B zu kommen. Ehrlich gerechnet wird je Saison: Stunden auf dem Wasser, Bootstyp, Liegeplatz, Winterlager, Wartung und Versicherung zusammen, geteilt durch die Tage, an denen Sie wirklich draußen waren.
Zum Abhaken
Häufige Fragen
Zahle ich für Bootsdiesel in Deutschland weniger Steuer als für Autodiesel?
Nein, wenn Sie privat fahren. § 27 Energiesteuergesetz befreit Treibstoff in der Schifffahrt, nimmt die private nichtgewerbliche Schifffahrt aber ausdrücklich aus. Für das Sportboot gilt der volle Satz wie an der Straße.
Bin ich versichert, wenn ich von Mallorca zum Tanken nach Tunesien fahre?
Nur wenn Ihr Fahrtgebiet Tunesien einschließt. In unseren Kaskobedingungen ist das heute erst im weltweiten Fahrtgebiet der Fall, im Fahrtgebiet Mittelmeer ist an der Küste Nordafrikas nur Marokko eingeschlossen. Fragen Sie vor der Fahrt nach.
Ist ein Elektroboot im Betrieb billiger als ein Auto?
In langsamer Fahrt ja: rund 2,80 Euro Strom auf 100 Kilometer gegen rund 7,35 Euro beim Elektroauto, gerechnet mit dem Haushaltsstrompreis. Bei halber Leistung kehrt sich das um, weil die Reichweite stark sinkt.
Was ist beim Boot teurer, Treibstoff oder feste Kosten?
Das hängt von den Stunden ab. Wer wenig fährt, zahlt vor allem Liegeplatz, Winterlager, Kran und Wartung. Wer viel mit einem großen Motorboot unterwegs ist, bei dem überholt der Treibstoff schnell alle anderen Posten.
Dazu passt