Zum Inhalt springen
Verwitterter Schalensternwindmesser mit Windfahne auf einem Holzpfahl am Steg, dahinter unscharf festgemachte weiße Segelyachten mit Fendern, kabbeliges graues Wasser und tief hängende Wolken

Magazin / Magazin: Vertrag und Markt

Warnbilanz Oktober 2026: was Sturmwarnungen für die Kasko bedeuten

Die erste Warnbilanz aus dem eigenen Archiv: was die Wetterdienste im Oktober gewarnt haben und warum eine Warnstufe allein noch keinen Kaskoschaden begründet.

3. November 20268 min LesezeitNAMMERT Assekuradeur GmbH

Die Warnbilanz für den Oktober 2026 zählt, was die amtlichen Wetterdienste in Europa und für die Seegebiete der USA gewarnt haben, und ordnet ein, was das für die Kasko bedeutet. Seit dem 12. September 2026 schreibt NAMMERT die Warnlage selbst mit, im Takt von drei Stunden. Der Oktober ist der erste Monat, den dieses Archiv vollständig abdeckt. Was Sturmwarnungen für den Eigner einer Segelyacht, einer Motoryacht oder eines Trailerboots bedeuten, entscheidet am Ende aber nicht die Warnstufe, sondern der Wortlaut der Bedingungen.

Zuerst, wie man die Zahlen liest. Ein Stand ist eine Momentaufnahme: alle Warnungen, die in diesem Augenblick gleichzeitig offen waren. Die Bilanz nennt je Land den höchsten Stand des Monats und das Mittel über alle Stände, keine Summe aller im Monat ergangenen Warnungen. Im Archiv liegen für den Oktober 108 Stände von etwa 248 möglichen, weil nur geschrieben wird, wenn sich die Lage ändert; jeder der 31 Tage ist vertreten. Viermal lagen aber mehr als zwölf Stunden zwischen zwei Ständen, nämlich 15, 18, 14 und 12 Stunden, die ersten drei zwischen dem 4. und dem 10. Oktober, die letzte am 30. Oktober. Was in diesen Lücken begann und endete, hat niemand mitgeschrieben. Die Zahlen sind deshalb eine Untergrenze. Ausgefallen ist im Oktober keine Quelle.

Der höchste Stand gleichzeitig offener Warnungen der Stufe Moderate lag bei 1742, im Mittel waren es 789,4. Die Stufe Severe erreichte im Höchststand 725 und im Mittel 107,1, die Stufe Extreme 44 und im Mittel 9,6. An allen 31 Tagen war irgendwo im erfassten Gebiet mindestens eine Warnung der Stufe Severe oder Extreme offen, die tropischen Wirbelstürme und die Seegebiete der USA eingeschlossen; nach Ländern trennt das Archiv diese schweren Warnungen nicht. Bei den Ländern hatte Großbritannien den höchsten Stand mit 645, vor Spanien mit 601 und Polen mit 579. Im Mittel lag Spanien mit 160,5 aber weit über Großbritannien mit 57,9. Die häufigsten Ereignisarten waren Nebel (Yellow Fog warning, Höchststand 578), die Small Craft Advisory der US-Küste (322), Gewitter (303) und Regen (283). Die Gale Warning, die Sturmwarnung für See, stand im Höchststand bei 210.

Für den Versicherungsschutz kommt es auf einen Unterschied an: Die amtliche Warnung und der Sturm der Kasko sind zwei verschiedene Dinge. In allen drei Kasko-Bedingungswerken ist Sturm unter A.3.1.2 a eine wetterbedingte Luftbewegung von mindestens Windstärke 8 nach Beaufort, also 62 km/h. Naturgewalten wie Sturm, Hagel, Blitzschlag und Erdbeben sind in Basis, Basis Plus und Premium versichert. Das Gegenstück ist der Ausschluss für Witterungseinflüsse wie Regen, Schnee, Eis, Hitze, Frost und Sonneneinwirkung: In der Basis (A-5.2 i) gilt er nicht, wenn sie in Folge versicherter Elementargefahren entstanden sind, in Basis Plus und Premium (A-6.2 i) nicht, wenn sie in Folge von Sturm entstanden sind. Ein Monat mit 1742 gleichzeitig offenen Warnungen der Stufe Moderate ist also kein Monat mit 1742 Schadenfällen, und eine gelbe Nebel- oder Regenwarnung begründet für sich keinen Kaskoschaden. Was zählt, ist die Windstärke am Liegeplatz, und die belegt der Eigner mit der Messung des amtlichen Dienstes, nicht mit der Warnstufe.

Nach Revier heißt das Unterschiedliches. In Nord- und Ostsee, mit Polen, Großbritannien, Skandinavien und dem Baltikum, trifft der Oktober vor allem die Segelyacht am Mooring und das Boot, das gerade ins Winterlager geht. Für den Aufenthalt an Land verlangt A-2.1.2 einen für Wassersportfahrzeuge objektiv geeigneten Liegeplatz, und nach einem umgestürzten Bock wird genau danach gefragt. Am Mittelmeer, in Spanien, Italien, Griechenland, Kroatien und Montenegro, liegen Motoryacht und Charteryacht oft noch im Wasser; dort zählt, ob Leinen und Fender dem Wind standhalten. Für Katamaran und Trawler an der Atlantikküste Frankreichs und Irlands standen 278 und 110 Warnungen im Höchststand. Eine Grenze gilt überall: Die Saisonpolice deckt vom 1. April bis 31. Oktober. Ein Oktobersturm fällt hinein, ein Novembersturm bei derselben Police nicht, auch nicht im Winterlager.

Wer nach einem Sturm einen Schaden findet, hat drei Pflichten aus Teil B der Bedingungen: den Versicherungsfall unverzüglich schriftlich melden (B-3.2.1), den Schaden abwenden und mindern, soweit es zumutbar ist (B-3.2.2), und vor Beginn der Instandsetzung Gelegenheit zur Besichtigung geben (B-3.2.4). Für den Nachweis hilft es, die Windmessung der nächstgelegenen amtlichen Station zum Zeitpunkt des Schadens zu sichern, solange sie noch abrufbar ist, und den Zustand mit Fotos festzuhalten, bevor etwas bewegt wird. Die Bilanz für den November folgt in der ersten Dezemberwoche, wenn das Archiv den Monat vollständig abdeckt.

Zum Abhaken

Im Versicherungsschein nachsehen, ob eine Saisonpolice (1. April bis 31. Oktober) oder eine Ganzjahrespolice besteht Bei einer Warnung die Windvorhersage in Beaufort für den eigenen Liegeplatz lesen, nicht nur die Warnfarbe Leinen doppeln, Scheuerschutz anlegen, Fender prüfen, Segel und Persenning fest bergen Im Winterlager Bock und Pallung auf festen Grund stellen und die Abstützung nach dem Kranen kontrollieren Nach dem Sturm die Messwerte der nächsten amtlichen Station mit Uhrzeit sichern Den Schaden fotografieren und nichts instand setzen lassen, bevor besichtigt wurde Einen Schaden sofort melden: +49 3375 566 75 05

Häufige Fragen

Zahlt die Kasko schon, wenn eine Sturmwarnung ausgegeben war?

Nicht wegen der Warnung. Versichert ist der Schaden durch Sturm, und Sturm ist in den Bedingungen eine Luftbewegung von mindestens Windstärke 8 nach Beaufort, 62 km/h. Ob sie am Liegeplatz erreicht war, zeigt die Messung, nicht die Warnstufe. Umgekehrt braucht es keine Warnung, wenn Windstärke 8 nachweislich erreicht war.

Ist ein Schaden durch Starkregen oder Nebel versichert?

Witterungseinflüsse wie Regen, Schnee, Eis oder Frost sind ausgeschlossen, in Basis Plus und Premium nicht, wenn sie in Folge von Sturm entstanden sind, in der Basis nicht, wenn sie in Folge versicherter Elementargefahren entstanden sind. Nebel allein beschädigt kein Boot; eine Kollision im Nebel ist eine Frage des Unfallschutzes, den Basis Plus und Premium enthalten.

Mein Boot liegt mit einer Saisonpolice im Winterlager. Was gilt im November?

Die Saisonpolice deckt vom 1. April bis 31. Oktober. Vom 1. November bis 31. März besteht kein Schutz, auch nicht im Winterlager, beim Kranen oder in der Werft. Wer das Boot über den Winter versichert haben will, braucht eine Ganzjahrespolice.

Warum sind die Zahlen der Bilanz eine Untergrenze?

Das Archiv schreibt nur, wenn sich die Lage ändert, und im Oktober lagen viermal mehr als zwölf Stunden zwischen zwei Ständen. Warnungen, die in einer solchen Lücke begannen und endeten, fehlen. Die tatsächliche Lage kann deshalb dichter gewesen sein als die Zahlen.

Dazu passt

Der Eignerbrief

Einmal im Monat per E-Mail: Saison, Bedingungen, Neues.

Kostenlos und mit einem Klick abbestellt. Alle Ausgaben

Weitere Beiträge

Magazin · Saison & Pflege Oktober am Steg: warum ein Sturm in der Basis erst ab Windstärke 8 einer ist Magazin · Schadenpraxis Boot nach Sturm am Strand: was die Kasko zahlt und was nicht Magazin · Saison & Pflege Winter im Wasser: was Eis, Sturm und Saisonpolice für das Boot bedeuten

War das hilfreich?

Eine Seglerin im Ölzeug steuert bei Tag eine Yacht über das offene Meer

Wache auf See

Wetter im Blick, Rücken frei.

Beitrag in einer Minute, Police am selben Tag, ein Mensch am Telefon.

Oder gleich anrufen: 03375 / 29 12 77