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Rentenversicherung oder ETF-Sparplan: Was ist besser?

Kurz gesagt

Für den reinen Vermögensaufbau gewinnt meist der ETF-Sparplan: etwa 0,05 bis 0,50 Prozent Fondskosten im Jahr gegen häufig mehr als 1 Prozent Effektivkosten in der Police. Die Versicherung gewinnt, wenn Sie eine Zahlung wollen, die nie endet. Nach einer Rechnung der Verbraucherzentrale ist das eingezahlte Kapital sonst erst weit jenseits von 94 Jahren zurück.

Rentenversicherung oder ETF-Sparplan: Was ist besser?

Was es kostet

Richtwerte aus veröffentlichten Fondsdaten, geltenden Steuerregeln und Verbraucherinformationen.

BeispielRichtwert
Fondskosten breiter Welt-ETFetwa 0,05 bis 0,50 Prozent im Jahr, gängig 0,20 Prozent
Effektivkosten, ab denen es kritisch wird1 Prozent im Jahr zehrt bei niedriger Rendite den ganzen Ertrag auf
Effektivkosten 2 Prozent bei 5 Prozent Renditekosten etwa 50 Prozent des Ertrags
Abgeltungsteuer im Depot25 Prozent plus 5,5 Prozent Zuschlag, zusammen 26,375 Prozent
Teilfreistellung bei Aktienfonds30 Prozent des Gewinns bleiben steuerfrei
Sparerpauschbetrag1.000 Euro im Jahr, 2.000 Euro für Verheiratete
Basiszins für die Vorabpauschale2,53 Prozent für 2025, 3,20 Prozent für 2026
Ertragsanteil bei Rentenstart mit 6717 Prozent der Rente sind steuerpflichtig
Garantiezins neuer Policen seit 20251 Prozent

Richtwerte, Stand September 2026. Steuersätze und Basiszins gelten für Deutschland und ändern sich; die Spanne der Effektivkosten zwischen günstigen Nettotarifen und teuren Provisionstarifen ist ein Richtwert aus der Angebotspraxis. Ihr Ergebnis hängt von Laufzeit, Tarif und persönlichem Steuersatz ab; das genaue Angebot holen wir ein.

Rechenbeispiel

100 Euro im Monat über 30 Jahre

Angenommen sind 5 Prozent Rendite vor Kosten. Steuer ist hier noch nicht gegengerechnet, es geht nur um die laufenden Kosten.

Eingezahlt in 30 Jahren36.000 Euro
Depot mit 0,2 Prozent Kosten im Jahrrund 78.800 Euro
Police mit 1,2 Prozent Kosten im Jahrrund 66.200 Euro
Unterschied allein durch Kostenrund 12.600 Euro

Rund 12.600 Euro Vorsprung für das Depot, bevor Steuer und Rentenbesteuerung dagegenstehen. Diesen Rückstand muss der Steuervorteil der Police erst wieder einholen.

Kosten: der Unterschied, der alles entscheidet

Ein breiter Aktien-ETF kostet zwischen 0,05 und 0,50 Prozent im Jahr, die gängigen Welt-ETFs liegen bei etwa 0,20 Prozent. Dazu kommen die Ordergebühren Ihrer Bank, bei vielen Sparplänen null.

Eine fondsgebundene Police trägt dieselben Fondskosten und zusätzlich Abschluss- und Verwaltungskosten. Die Verbraucherzentrale rechnet vor, dass 1 Prozent Effektivkosten im Jahr bei niedriger Rendite den gesamten Ertrag aufzehren kann und 2 Prozent bei 5 Prozent Rendite etwa die Hälfte.

Vergleichbar wird das nur über die Effektivkosten aus dem Produktinformationsblatt. Diese eine Zahl fasst alles zusammen. Ein niedriger Verwaltungssatz allein sagt nichts, wenn die Abschlusskosten hoch sind.

PostenETF-SparplanFondspolice
Fondskosten im Jahretwa 0,05 bis 0,50 Prozentetwa 0,05 bis 0,50 Prozent
Kosten des MantelskeineEffektivkosten, oft über 1 Prozent
Ausstieg in den ersten Jahrennur Ordergebührhäufig weniger zurück als eingezahlt
FondswechselVerkauf, Steuer wird fälligim Vertrag meist kostenlos und ohne Steuer

Steuer: hier holt die Police auf

Im Depot zahlen Sie 25 Prozent Abgeltungsteuer plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 Prozent, gegebenenfalls dazu Kirchensteuer. Bei Aktienfonds bleiben 30 Prozent des Gewinns steuerfrei, das heißt Teilfreistellung. Steuerpflichtig sind also 70 Prozent.

Auf thesaurierende Fonds wird jedes Jahr eine Vorabpauschale fällig, auch ohne Verkauf. Sie wird aus einem Basiszins berechnet: 2,53 Prozent für 2025 und 3,20 Prozent für 2026. Bis 1.000 Euro Kapitalerträge im Jahr, bei Verheirateten 2.000 Euro, greift der Sparerpauschbetrag.

In der Police fällt während der Laufzeit keine Steuer an, auch nicht beim Fondswechsel. Bei Kapitalauszahlung ab 62 Jahren und nach mindestens 12 Jahren Laufzeit ist die Hälfte des Ertrags steuerfrei, der Rest wird mit Ihrem persönlichen Satz belastet. Wählen Sie die lebenslange Rente, sind bei Start mit 67 nur 17 Prozent jeder Zahlung steuerpflichtig.

ZeitpunktETF-Sparplan im DepotFondspolice
Während der AnsparzeitVorabpauschale jedes Jahrkeine Steuer
FondswechselGewinn wird sofort versteuertsteuerfrei möglich
Auszahlung als Kapital26,375 Prozent auf 70 Prozent des Gewinnshalber Ertrag zum persönlichen Steuersatz
Auszahlung als Rentekein eigener Vorteil17 Prozent der Rente bei Start mit 67
Freibetrag1.000 Euro im Jahr nutzbarwirkt nicht

Lebenslange Rente gegen eigenen Entnahmeplan

Ein Entnahmeplan aus dem Depot ist flexibel und vererbbar, aber er kann leer werden. Die Police zahlt bis zum letzten Tag. Dafür ist mit Ihrem Tod in der Regel Schluss, wenn keine Rentengarantiezeit vereinbart wurde.

Wie viel Rente aus dem Guthaben wird, sagt der Rentenfaktor. Bei einem Rentenfaktor von 25 ergeben 100.000 Euro Guthaben 250 Euro Rente im Monat. Achten Sie darauf, dass dieser Faktor garantiert ist und nicht nur der heute gültige.

Rechnen Sie einmal nach, wie alt Sie werden müssen, bis das eingezahlte Geld zurückgeflossen ist. Die Verbraucherzentrale kommt in ihrem Beispiel auf weit über 94 Jahre. Das spricht nicht gegen die Police, aber es zeigt, wofür Sie zahlen: für Sicherheit gegen ein langes Leben, nicht für Rendite.

Wann der ETF-Sparplan die bessere Antwort ist

Wenn Sie Vermögen aufbauen und später selbst entscheiden wollen, wie viel Sie entnehmen. Wenn Ihre Sparrate schwanken darf oder eine Zeit lang ganz ausfallen können muss. Wenn Sie das Geld im Zweifel auch vor der Rente brauchen könnten.

Auch solange der Sparerpauschbetrag nicht ausgeschöpft ist, liegt das Depot steuerlich vorn: Die ersten 1.000 Euro Erträge im Jahr bleiben frei, in der Police wirkt dieser Freibetrag nicht.

Und wenn Sie vererben wollen. Ein Depot geht vollständig an die Erben, eine laufende Rente endet ohne Garantiezeit mit dem Tod.

Wann die Police die bessere Antwort ist

Wenn Sie eine Zahlung wollen, die nicht aufhört, weil Sie 95 werden könnten. Wenn Sie sich in der Rentenphase nicht um Entnahmen und Umschichtungen kümmern wollen. Wenn Sie im Alter einen hohen persönlichen Steuersatz erwarten und die Rentenbesteuerung deshalb spürbar günstig wirkt.

Voraussetzung sind vier Punkte: Effektivkosten unter 1 Prozent im Jahr, ein garantierter Rentenfaktor, freie Auswahl günstiger Fonds und die Möglichkeit, Beiträge zu pausieren.

Fehlt einer dieser Punkte, ist der ETF-Sparplan die ehrlichere Antwort. Den Rückstand einer teuren Police holt der Steuervorteil am Ende nicht mehr ein.

Der Zwischenweg, den viele wählen

Zweigleisig fahren: den Grundbedarf im Alter über gesetzliche Rente und eine schlanke lebenslange Zahlung absichern, alles darüber im Depot aufbauen. So haben Sie eine Zahlung, die nie endet, und daneben Kapital, über das Sie frei verfügen.

Wichtig ist die Reihenfolge: erst der Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben, dann der langfristige Aufbau. Wer ohne Reserve in einen langen Vertrag geht, kündigt ihn erfahrungsgemäß im falschen Moment.

Schritt für Schritt

  1. Zuerst klären: Brauchen Sie eine Zahlung, die nie endet, oder wollen Sie freies Kapital?
  2. Effektivkosten aus dem Produktinformationsblatt ziehen und der Fondskostenquote des ETF gegenüberstellen.
  3. Prüfen, ob der Rentenfaktor garantiert ist und nicht nur heute gilt.
  4. Persönlichen Steuersatz in der Auszahlphase grob schätzen.
  5. Sparerpauschbetrag prüfen: solange er frei ist, liegt das Depot steuerlich vorn.
  6. Beitrag so wählen, dass Sie ihn 20 Jahre und länger durchhalten.
  7. Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben außerhalb beider Wege halten.

Checkliste

  • Effektivkosten der Police unter 1 Prozent im Jahr
  • Garantierter Rentenfaktor, nicht nur der aktuelle
  • Freie Auswahl günstiger Fonds im Vertrag
  • Beitragspause und Zuzahlung möglich
  • Wahlrecht zwischen Rente und Kapital am Ende
  • Notgroschen liegt außerhalb, drei bis sechs Monatsausgaben

Häufige Fehler

  • Nur die Abschlusskosten vergleichen statt der Effektivkosten
  • Eine Police als Geldanlage kaufen, obwohl die lebenslange Rente gar nicht gewünscht ist
  • Den ETF-Sparplan nach einem schlechten Börsenjahr stoppen
  • Den Steuervorteil der Police überschätzen und die Kostenlücke unterschlagen
  • Vergessen, dass die Vorabpauschale im Depot jedes Jahr Geld vom Konto zieht

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Was ist besser, ETF-Sparplan oder Rentenversicherung?

Für den Vermögensaufbau meist der ETF-Sparplan, weil er weniger kostet und flexibel bleibt. Für eine Zahlung, die nie endet, die Police. Beides nebeneinander ist oft die ehrlichste Antwort.

Wie hoch dürfen die Kosten einer Fondspolice sein?

Entscheidend sind die Effektivkosten im Produktinformationsblatt. Unter 1 Prozent im Jahr ist gut. Deutlich darüber wird es schwer, den Rückstand gegenüber einem Depot wieder aufzuholen.

Muss ich beim ETF-Sparplan jedes Jahr Steuer zahlen?

Bei thesaurierenden Fonds fällt die Vorabpauschale an. Sie wird aus dem Basiszins berechnet, 2,53 Prozent für 2025 und 3,20 Prozent für 2026. Bis 1.000 Euro Kapitalerträge im Jahr deckt der Sparerpauschbetrag das ab.

Wann ist die Auszahlung der Police günstig besteuert?

Bei Kapitalauszahlung ab 62 Jahren und nach mindestens 12 Jahren Laufzeit ist die Hälfte des Ertrags steuerfrei. Bei Verträgen von vor 2012 gilt die Altersgrenze 60 Jahre.

Was ist der Rentenfaktor?

Er sagt, wie viel Monatsrente Sie je 10.000 Euro Guthaben bekommen. Bei einem Rentenfaktor von 25 sind das 250 Euro im Monat aus 100.000 Euro. Verlässlich ist nur ein garantierter Faktor.

Kann ich beides machen?

Ja, und viele tun genau das. Den Grundbedarf über eine lebenslange Zahlung absichern, alles darüber im Depot aufbauen. So sind Sie gegen ein sehr langes Leben geschützt und bleiben trotzdem beweglich.

Vererbe ich das Geld aus einer Rentenversicherung?

Nur im vereinbarten Umfang. In der Ansparzeit meist ja, in der Rentenphase nur bei vereinbarter Rentengarantiezeit. Ein Depot geht vollständig an die Erben.

Quellen

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