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Das Logbuch, und warum es zählt
Das Logbuch ist die langweiligste Arbeit an Bord und die einzige, deren Wert sich erst hinterher zeigt. Es ist eine Kette von Beobachtungen, die vor dem Ereignis geschrieben wurde, und genau das macht sie belastbar.
Was hineingehört
Zeit, Position, anliegender Kurs, Fahrt, Wind nach Richtung und Stärke, Luftdruck, Motorstunden, dazu jede Besonderheit: Segelwechsel, Reff, Begegnungen, Störungen an Bord, Ankermanöver mit Peilungen.
Wie oft
Auf Küstenschlägen stündlich, auf langen Schlägen alle vier Stunden zum Wachwechsel, und immer dann zusätzlich, wenn sich etwas ändert. Ein Eintrag, der nur bei ruhiger See entsteht, fehlt genau dann, wenn er gebraucht wird.
Papier oder digital
Beides zählt, solange die Reihe lückenlos ist und der Zeitpunkt feststeht. Papier ist unabhängig von Strom, digital ist leserlich und lässt sich sichern. Wer digital führt, sollte in Abständen eine Kopie außerhalb des Bootes ablegen.
Nach einem Schaden
Weiterschreiben, nicht nachtragen. Was Sie nach dem Ereignis ergänzen, ist ein Bericht, kein Logbuch. Der Wert der Aufzeichnung liegt darin, dass sie nicht rückwirkend entstanden ist.
Logbuch führen: so wird ein Eintrag brauchbar
Ein guter Logbucheintrag beantwortet später eine einfache Frage: Wo war das Boot zu diesem Zeitpunkt, und wie waren die Bedingungen? Dafür muss er knapp, eindeutig und sofort geschrieben sein. Notieren Sie, was Sie ablesen oder beobachten, nicht was Sie vermuten. Eine geschätzte Position wird als solche gekennzeichnet, etwa als Koppelort, damit niemand sie später für einen gemessenen Ort hält.
Schreiben Sie mit Kugelschreiber, nicht mit Bleistift, und radieren Sie nichts. Ein Fehler wird einmal durchgestrichen, sodass er lesbar bleibt, und daneben richtig eingetragen. Wer einen Eintrag macht, zeichnet ihn mit seinem Kürzel ab. Diese alte Regel aus der Berufsschifffahrt macht ein Logbuch glaubwürdig, weil man sieht, dass nichts nachträglich geglättet wurde.
Legen Sie vor dem Törn fest, welche Zeit gilt: Bordzeit oder UTC. Steht das auf der ersten Seite, gibt es später keine Verwirrung, wenn Wetterberichte, Funkmeldungen und Eintragungen verglichen werden. Auf Törns über Zeitzonen hinweg ist UTC meist die einfachere Wahl.
Logbuch-Vorlage: diese Spalten braucht eine Seite
Ob gekauftes Logbuch oder eigene Vorlage, eine brauchbare Seite hat einen Kopf und darunter Zeilen für die laufenden Eintragungen. In den Kopf gehören Datum, Bootsname, Skipper, Crew, Abfahrtshafen und Ziel, dazu Stände von Tank, Frischwasser, Logge und Motorstundenzähler bei Abfahrt. Am Ende des Tages kommen die Stände bei Ankunft und die gesegelte Strecke dazu.
Für die Zeilen hat sich eine feste Reihenfolge bewährt, damit jeder an Bord sofort weiß, wo was steht. Eine Vorlage, die zu viele Spalten hat, wird auf See nicht ausgefüllt, eine mit zu wenigen lässt die wichtigen Angaben weg. Eine breite Spalte für Bemerkungen ist wichtiger als jede weitere Messgröße.
- Uhrzeit mit Angabe Bordzeit oder UTC.
- Position nach Breite und Länge, mit Kennzeichnung, ob gemessen oder gekoppelt.
- Kurs und Fahrt, dazu der Stand der Logge.
- Wind nach Richtung und Stärke, Seegang, Sicht und Luftdruck.
- Segelführung oder Motor, mit Drehzahl, wenn der Motor läuft.
- Bemerkungen: Manöver, Begegnungen, Störungen, Funkverkehr von Bedeutung.
- Kürzel der Person, die eingetragen hat.
Logbuch-Pflicht: was für Sportboote gilt
Für privat genutzte Sportboote gibt es in Deutschland nach verbreiteter Auffassung keine allgemeine gesetzliche Pflicht, ein Logbuch zu führen. Anders kann es aussehen, wenn ein Boot gewerblich genutzt wird, unter fremder Flagge fährt oder für Ausbildung eingesetzt ist. Welche Regeln für Ihr Boot gelten, richtet sich nach Flaggenstaat und Nutzung. Klären Sie das im Zweifel bei der zuständigen Behörde oder Ihrem Verband.
Unabhängig vom Gesetz verlangen viele andere ein Logbuch. Charterfirmen erwarten es oft im Vertrag, Ausschreibungen von Hochseeregatten schreiben es vielfach vor, und wer Seemeilen für einen weiterführenden Schein nachweisen will, braucht nachvollziehbare Aufzeichnungen. Auch Versicherungsverträge können Aufzeichnungen verlangen, was für Ihren Vertrag gilt, steht in den Bedingungen.
Die ehrlichere Frage lautet deshalb nicht, ob Sie müssen, sondern ob Sie es sich leisten wollen, keins zu haben. Nach einer Kollision, einer Grundberührung oder einem Streit im Hafen ist ein lückenloses Logbuch die einzige Unterlage, die zeigt, was vorher war. Ohne sie steht Erinnerung gegen Erinnerung.
Logbuch an Bord: Wachwechsel, Hafen und Ankerplatz
Beim Wachwechsel ist das Logbuch die Übergabe. Die abgehende Wache trägt Position, Kurs, Wetter und alles Auffällige ein, die neue Wache liest es, bevor sie übernimmt. So weiß sie, ob der Luftdruck fällt, ob ein Schiff in der Nähe ist oder ob ein Reff schon eingebunden wurde. Ein Satz zu viel ist hier besser als einer zu wenig.
Im Hafen und am Ankerplatz hört das Logbuch nicht auf. Notieren Sie beim Ankern Ankerplatz, Wassertiefe, gesteckte Kettenlänge und Peilungen zu zwei oder drei festen Landmarken. Ändern sich die Peilungen in der Nacht, wissen Sie, dass der Anker slippt. Im Hafen gehören Liegeplatz, Wetterentwicklung und Arbeiten am Boot hinein, etwa ein Ölwechsel oder ein getauschtes Teil.
So wird das Logbuch nebenbei zum Wartungsheft. Wer nachlesen kann, wann der Impeller gewechselt oder das Rigg zuletzt geprüft wurde, plant die nächste Saison leichter und hat bei einem Verkauf eine glaubwürdige Geschichte des Bootes in der Hand.
Logbuch elektronisch führen und sichern
Ein elektronisches Logbuch hat Vorteile: Es nimmt Position und Zeit automatisch aus dem GPS, ist immer leserlich und lässt sich durchsuchen. Viele Apps und Plotter schreiben zusätzlich einen Track mit. Der Track ersetzt die Eintragungen aber nicht, denn er zeigt nur, wo das Boot war, nicht warum, und nicht unter welchen Bedingungen.
Wichtig ist, dass ein digitales Logbuch nicht an einem einzigen Gerät hängt. Fällt der Strom aus oder geht das Tablet über Bord, ist sonst die ganze Reise weg. Legen Sie regelmäßig eine Sicherung an, die nicht an Bord ist, und halten Sie für Ausfälle ein schlichtes Papierblatt bereit, auf dem die Eintragungen weiterlaufen.
Achten Sie bei der Wahl einer App darauf, dass Einträge einen festen Zeitstempel bekommen und sich später nicht unbemerkt ändern lassen. Ein Logbuch, das man beliebig umschreiben kann, verliert genau die Eigenschaft, die es wertvoll macht.
Häufige Fragen
Muss ich auf meinem Sportboot ein Logbuch führen?
Für privat genutzte Sportboote besteht in Deutschland nach verbreiteter Auffassung keine allgemeine gesetzliche Pflicht. Charterverträge, Regattaausschreibungen und andere Verträge können es aber verlangen. Für Boote unter anderer Flagge oder in gewerblicher Nutzung gelten eigene Regeln.
Was gehört in ein Logbuch für ein Boot?
Uhrzeit, Position, Kurs, Fahrt, Logge, Wind, Seegang, Sicht, Luftdruck, Segelführung oder Motor und alle Besonderheiten. Im Kopf stehen Datum, Crew, Start, Ziel und Füllstände.
Gibt es eine gute Logbuch-Vorlage?
Gekaufte Logbücher bringen eine fertige Einteilung mit. Eine eigene Vorlage funktioniert ebenso, wenn sie die üblichen Spalten hat und eine breite Spalte für Bemerkungen. Wichtig ist, dass die ganze Crew dieselbe Vorlage nutzt.
Darf ich Fehler im Logbuch verbessern?
Ja, aber sichtbar. Den falschen Eintrag einmal durchstreichen, sodass er lesbar bleibt, und daneben richtig eintragen und abzeichnen. Nicht radieren, nicht überkleben, keine Seiten herausreißen.
Reicht ein GPS-Track als Logbuch?
Nein. Ein Track zeigt den Weg, aber nicht Wetter, Segelführung, Entscheidungen und Ereignisse an Bord. Er ist eine gute Ergänzung, ersetzt die Eintragungen aber nicht.
Wie lange sollte ich ein Logbuch aufbewahren?
Eine feste Regel für Sportboote gibt es dafür nicht. Bewahren Sie es mindestens so lange auf, wie Fragen zu einer Reise offen sein können, und am besten dauerhaft, denn es dokumentiert auch die Geschichte des Bootes.
Was das mit der Versicherung zu tun hat
Bei uns ist das Logbuch nicht nur guter Brauch: Die Langfahrtdeckung verlangt ab 300 Seemeilen Standortänderung das digitale NAMMERT-Logbuch, und tritt ein Schaden außerhalb des gemeldeten Standortes ein, darf die Entschädigung gekürzt werden. Wer es führt, erfüllt eine Vertragspflicht und hat zugleich die Unterlage, die im Schadenfall zählt.