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Mit dem Boot in die Türkei: Transitlog, Schein und Blue Card
Wer mit dem eigenen Boot in die Türkei fährt, reist über einen Seegrenzübergang ein und erledigt fast alles über eine Fahrterlaubnis, das Transitlog. Dazu kommen die neue türkische Verordnung über private Boote von 2026, die Anerkennung Ihres Scheins und die Blue Card für Abwasser. Hier steht, was türkische Verordnungen und Ministerien sowie der ADAC dazu schreiben.
Führerschein in der Türkei
- Ausländer in der Türkei dürfen mit einem im Ausland erworbenen Schein im Rahmen seiner Berechtigung eigene Boote, mit Vollmacht überlassene Boote und Bareboat-Charterboote führen.[1]
- Hat die türkische Hafenbehörde Zweifel an einem ausländischen Schein, kann sie ihn bei der ausstellenden Stelle prüfen lassen. Bis zur Bestätigung dürfen Sie ihn nicht nutzen.[1]
- Die türkische Verwaltung erkennt ausländische Scheine nach Gegenseitigkeit als gleichwertig an und veröffentlicht die anerkannten Scheine im System ADBS. Ob Ihr Sportbootführerschein dort steht, prüfen Sie vor der Reise.[1]
- Nach Angaben des ADAC werden deutsche Sportbootführerscheine in der Türkei anerkannt. Mitzunehmen sind der Befähigungsnachweis und die Funkscheine, jeweils im Original und in Kopie.[8]
- Die neue Verordnung über private Boote wurde am 17.01.2026 veröffentlicht, gilt sechs Monate später und ersetzt die Fassung von 2023. Sie erfasst ausdrücklich Boote im türkischen Register, ob sie für Boote unter deutscher Flagge gilt, ist nicht geklärt.[1]
- Für türkisch registrierte Boote verlangt sie bis 10 m den Schein ADB 10 und bis 24 m den ADB 24. Scheinfrei sind dort Boote unter zehn PS, Ruderboote, Kanus und Jollen wie Optimist oder Laser.[1]
Gebühr für das Transitlog
- Die Gebühr für die Fahrterlaubnis, das Transitlog, legt das türkische Verkehrsministerium im Einvernehmen mit dem Tourismusministerium fest.[2]
- Für 2026 nennt eine private Rechtsdatenbank nach Länge 1.540,70 TL für 5 bis 10 m, 3.081,60 TL für 10 bis 15 m, 5.136,10 TL für 15 bis 20 m und 15.408,40 TL für 20 bis 25 m, im türkischen Register eingetragene Boote zahlen ein Drittel. Ob diese Beträge für ausländische Yachten gelten, ist amtlich nicht bestätigt, prüfen Sie das vor der Reise.[3]
- Die festen Gebühren nach dem türkischen Gebührengesetz stiegen zum 1. Januar 2026 um 18,95 Prozent.[4]
- Seit dem 12.07.2024 läuft die Fahrterlaubnis vollständig digital über das System SİBS, bezahlt wird mit einem Zahlungscode aus dem System.[7]
Haftpflicht beim Einklarieren
- Nach Angaben des ADAC brauchen Sie für die Türkei eine gültige Bootshaftpflichtversicherung, der Nachweis wird beim Einklarieren verlangt.[8]
- Die türkische Verordnung über Meerestourismus schreibt eine Versicherung für Schäden an Besatzung und Dritten nur für zertifizierte Betriebe vor, nicht ausdrücklich für private ausländische Yachten. Mindestdeckung und Sprache des Nachweises prüfen Sie vor der Reise.[2]
Transitlog und Einreise
- Jedes Sportboot reist über einen türkischen Seegrenzübergang ein und aus. Die Grenzformalitäten laufen über Erklärungen auf der Fahrterlaubnis.[2]
- Auf der Fahrterlaubnis stehen alle Angaben zu Boot, Zoll, Crew, Passagieren, Pässen, Gesundheit und Fahrt, sie kann elektronisch ausgestellt werden.[2]
- Nach der Einreise fahren ausländische Yachten frei in türkischen Gewässern und tragen die Route ins Transitlog ein. Eigner, Betreiber, Kapitän oder Agentur füllen es vollständig aus, unterschreiben es und führen es an Bord mit. Nach Fahrtende informieren Sie spätestens binnen zwölf Stunden die Hafenbehörde.[2]
- Nach Angaben des ADAC stellen meist Agenten oder Servicebüros in den türkischen Marinas das Transitlog aus.[8]
- Ausländische Yachten dürfen Eigner und schriftlich Bevollmächtigte nur ohne Gewinnzweck nutzen, Gäste fahren ohne Entgelt mit. Gehört die Yacht mehreren Eignern, dürfen höchstens vier im Jahr sie nutzen.[2]
- In zertifizierten türkischen Marinas darf ein ausländisches Boot ohne weitere Genehmigung bis zu fünf Jahre zum Überwintern, zur Wartung und Reparatur bleiben, verlängerbar um weitere fünf Jahre. Das Transitlog gilt in dieser Zeit weiter.[2]
Ausrüstung
- Für Boote im türkischen Register gilt die Liste der Mindestsicherheitsausrüstung der neuen Verordnung. Fehlt etwas, wird die Fahrt untersagt und je Meter Bootslänge ein Bußgeld von 1.000 TL fällig, ob das auch Gastyachten trifft, ist nicht geklärt.[1]
- Nach Angaben des ADAC muss die Sicherheitsausrüstung in der Türkei zu Fahrtgebiet und Bootsgröße passen.[8]
Ankern, Alkohol, Tempo und Blue Card
- Türkische und ausländische Sportboote dürfen außerhalb militärischer Sperr- und Sicherheitszonen an Küsten und in Buchten anlegen, übernachten und ankern, solange nichts anderes angeordnet ist. Wo Fahren, Ankern, Halten oder Tauchen verboten ist, geben die türkischen Behörden bekannt.[2]
- Wer mit mehr als 0,5 Promille Blutalkohol (in der Verordnung als %0,05 geschrieben) oder 0,25 mg/ml im Atem fährt, verliert einen türkischen Schein für sechs Monate. Inhaber anerkannter ausländischer Scheine zahlen 2.500 TL je Meter Bootslänge.[1]
- Dieselbe Strafe droht, wer behördlich festgelegte Geschwindigkeiten überschreitet oder sich Badebereichen gefährlich nähert. Konkrete Tempolimits und Abstände nennt die türkische Verordnung nicht, fragen Sie vor Ort danach.[1]
- Das Abwassersystem Blue Card (Mavi Kart) ist in die türkische Anwendung für Schiffsabfälle DAU übergegangen. Es erfasst unabhängig von der Flagge alle Boote mit abfallerzeugender Ausrüstung, Boote mit Außenbordmotor sind ausgenommen.[5]
- Ohne Blue Card lassen Sie Ihr Boot kostenlos in der nächsten Marina oder Annahmestelle registrieren und erhalten eine Blue Card Nummer, über die jede Abgabe läuft. Private Eigner melden sich nicht selbst in der DAU an, bestehende Nummern gelten weiter.[5]
- Der ADAC schreibt dagegen, Yachten müssten sich in der App Maritime Waste Application registrieren. Klären Sie in der ersten türkischen Marina, welcher Weg für Ihr Boot gilt.[8]
Mit dem Bootstrailer durch die Türkei
- In der Türkei liegt die Grenze mit Anhänger 10 km/h unter der des Fahrzeugs ohne Anhänger (Art. 100 Karayolları Trafik Yönetmeliği). Für Pkw ergeben sich daraus 110 km/h auf der Autobahn, 100 km/h auf geteilten Straßen, 80 km/h auf zweispurigen Landstraßen und 40 km/h innerorts.[9]
- Die Autobahn- und Brückenmaut der KGM richtet sich nach Achsen: Klasse 1 und 2 sind zweiachsig, Klasse 3 hat drei Achsen. Ob die Anhängerachse mitzählt, steht im Tarifblatt nicht ausdrücklich; die 15-Temmuz-Şehitler-Brücke in Istanbul ist nur für Klasse 1 offen.[10]
Notruf und Seenotleitstelle
- Die zentrale Such- und Rettungsleitstelle in Ankara erreichen Sie im Notfall direkt unter +90 312 231 9105, außerdem unter +90 312 232 4783, mobil und per WhatsApp unter +90 552 727 0727 und per E-Mail an trmrcc@uab.gov.tr.[6]
- Als türkische Seenotleitstelle arbeitet das Küstenwachkommando in Ankara.[6]
- Nach Angaben des ADAC gilt in der Türkei der europäische Notruf 112, auf See UKW-Kanal 16.[8]
Das unterschriebene Transitlog, Ihr Schein mit Kopie, die Funkscheine und der Haftpflichtnachweis mit der Deckungssumme gehören in der Türkei an Bord. Gebühr und Blue Card klären Sie vor der Abfahrt mit Agentur oder Marina.
Für NAMMERT-Kunden stellen wir die Haftpflichtbestätigung auch auf Englisch aus.
Häufige Fragen
Gilt mein Sportbootführerschein in der Türkei?
Nach Angaben des ADAC ja. Amtlich erkennt die Türkei ausländische Scheine nach Gegenseitigkeit an und listet sie im System ADBS, ob der SBF dort steht, prüfen Sie vor der Reise.
Was ist das Transitlog?
Die türkische Fahrterlaubnis (seyir izin belgesi) für Sportboote. Über sie laufen Einreise, Zoll, Crewliste und Route, sie wird seit 2024 digital über SİBS bearbeitet und muss an Bord sein.
Was kostet das Transitlog 2026?
Laut einer privaten Rechtsdatenbank 3.081,60 TL für ein Boot von 10 bis 15 m. Amtlich bestätigt ist die Höhe für ausländische Yachten nicht.
Brauche ich in der Türkei eine Blue Card?
Boote mit abfallerzeugender Ausrüstung brauchen eine Blue Card Nummer, die Sie kostenlos in einer türkischen Marina oder Annahmestelle erhalten. Boote mit Außenbordmotor sind ausgenommen.
Welche Notrufnummer gilt auf See in der Türkei?
Die Such- und Rettungsleitstelle in Ankara unter +90 312 231 9105, dazu nach Angaben des ADAC die 112 und UKW-Kanal 16.
Quellen
Stand: 11.10.2026. Regeln ändern sich. Prüfen Sie vor der Reise bei den Behörden des Landes, ob alles noch gilt.
- Resmî Gazete 33140: Verordnung über private Boote und ihre Führer (2026), veröffentlicht 17.01.2026, in Kraft sechs Monate danach, abgerufen 2026-10-11
- Türkische Verordnung über Meerestourismus (Deniz Turizmi Yönetmeliği), konsolidierte Fassung mit Änderungen bis 24.02.2023, abgerufen 2026-10-11
- Legalbank (private Rechtsdatenbank): Gebührentarif 2026, Abschnitt II Nr. 10, Stand 2026, abgerufen 2026-10-11
- Türkisches Finanzministerium: Harçlar Kanunu Genel Tebliği Nr. 98 (Wiedergabe auf alomaliye.com), in Kraft 01.01.2026, abgerufen 2026-10-11
- Türkisches Umweltministerium: Denizcilik Atıkları Uygulaması, häufige Fragen, Revision 3 vom 27.01.2025, abgerufen 2026-10-11
- Türkisches Verkehrsministerium: Search and Rescue, ohne Datum, abgerufen 2026-10-11
- Bengütürk (Nachrichtenportal): Fahrterlaubnis für Meerestourismus wird digital, 13.08.2024, abgerufen 2026-10-11
- ADAC Skipper-Portal: Revier Türkei, ohne Datum, abgerufen 2026-10-11
- Karayolları Trafik Yönetmeliği, mevzuat.gov.tr, abgerufen 2026-10-11
- KGM, Tarif 15 Temmuz und FSM Brücken ab 01.01.2026, abgerufen 2026-10-11