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Darf das Sozialamt an meine Sterbegeldversicherung?

Kurz gesagt

Das Sozialamt darf nur, wenn die Sterbegeldversicherung frei verwertbar ist und Ihr Vermögen über 10.000 Euro liegt. Ist sie angemessen und fest für Bestattung und Grabpflege gebunden, gilt ihre Verwertung nach dem Bundessozialgericht in der Regel als Härte, dann bleibt sie geschützt. Wer kurz vor dem Antrag abschließt, um Sozialhilfe zu bekommen, riskiert Kürzungen.

Darf das Sozialamt an meine Sterbegeldversicherung?

Was es kostet

Gesetzliche Beträge nach dem SGB XII und Richtwerte für Bestattungskosten, Stand Oktober 2026.

BeispielRichtwert
Schonbetrag je erwachsener Person10.000 Euro
Ehepaar zusammen20.000 Euro
Zuschlag je überwiegend unterhaltener Person500 Euro
Bestattung in Deutschland, Durchschnittetwa 5.000 bis 10.000 Euro
Sterbegeldversicherung, Summe 7.000 Euro, Eintritt mit 70etwa 56 bis 63 Euro im Monat

Die Schonbeträge stehen in der Verordnung zu § 90 Absatz 2 Nummer 9 SGB XII, gültig seit 1.

Januar 2023.

Bestattungskosten und Beiträge sind Richtwerte aus öffentlich genannten Beispielen.

Ob Ihre Police geschützt ist, entscheidet das Sozialamt im Einzelfall.

Rechenbeispiel

Witwe, 82, zieht ins Pflegeheim

Das Heim kostet mehr, als Rente und Pflegekasse zahlen. Sie beantragt Hilfe zur Pflege. So rechnet das Sozialamt mit und ohne Zweckbindung der Police.

Sparbuch8.000 Euro
Sterbegeldversicherung, Summe 7.000 Euro, Rückkaufswert5.500 Euro
Ohne Zweckbindung: Vermögen zusammen13.500 Euro, also 3.500 Euro über dem Schonbetrag
Mit Abtretung an den Bestatternur das Sparbuch zählt, 8.000 Euro

Ohne Zweckbindung muss sie zuerst 3.500 Euro selbst zahlen, notfalls durch Kündigung der Police. Ist die Police angemessen und an einen Bestattungsvorsorgevertrag gebunden, bleibt sie in der Regel unangetastet.

Was das Sozialamt überhaupt prüft

Wer Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter oder Hilfe zur Pflege im Heim beantragt, muss zuerst sein verwertbares Vermögen einsetzen. So steht es in § 90 Absatz 1 SGB XII. Eine Sterbegeldversicherung hat meist einen Rückkaufswert und lässt sich kündigen, sie zählt deshalb grundsätzlich als Vermögen.

Geschützt ist ein Grundbetrag für kleinere Barbeträge: Seit dem 1. Januar 2023 sind das 10.000 Euro je erwachsener Person. Ältere Zahlen wie 5.000 Euro, die Sie im Netz noch finden, stammen aus der Fassung bis Ende 2022 und gelten nicht mehr. Die Sterbegeldversicherung wird auf diesen Betrag angerechnet, wenn sie nicht gesondert geschützt ist.

VermögenWie das Sozialamt es behandelt
Sparbuch, Girokonto, Tagesgeldzählt, bis 10.000 Euro je Person geschützt
Sterbegeldversicherung, angemessen und zweckgebundenin der Regel geschützt über die Härteregel
Sterbegeldversicherung ohne ZweckbindungRückkaufswert zählt zum Vermögen
Bestattungsvorsorgevertrag mit Treuhandkontoin der Regel geschützt, wenn angemessen
Geförderte Altersvorsorge nach § 10a EStGausdrücklich geschützt nach § 90 Absatz 2 Nummer 2

Warum die Bestattungsvorsorge trotzdem sicher sein kann

In der Liste der geschützten Vermögenswerte in § 90 Absatz 2 SGB XII taucht die Bestattungsvorsorge nicht auf. Das Bundessozialgericht hat 2008 entschieden, dass sie über die Härteregel des Absatzes 3 geschützt sein kann. Gemeint ist Geld, das für eine angemessene Bestattung und eine angemessene Grabpflege bestimmt ist.

Das Gericht hat zugleich Grenzen gezogen: Was angemessen ist, richtet sich nach den vereinbarten Leistungen und den Preisen vor Ort. Und wer einen Vertrag gezielt abschließt, um Sozialhilfe zu bekommen, muss mit Nachteilen rechnen.

Wann das Sozialamt an die Sterbegeldversicherung darf

Wenn die Police keine erkennbare Zweckbindung hat, sieht das Amt nur einen Vertrag mit Rückkaufswert. Liegt Ihr Vermögen zusammen über 10.000 Euro, kann es verlangen, dass Sie kündigen und das Geld zuerst verbrauchen.

Kritisch sind auch Summen, die deutlich über einer ortsüblichen Bestattung liegen, und Verträge mit hohem Sparanteil. Bei 25.000 Euro Versicherungssumme fragt jedes Sozialamt nach, ob das noch Vorsorge für die Beerdigung ist.

So binden Sie die Sterbegeldversicherung an die Bestattung

Die Sterbegeldversicherung wird zur erkennbaren Bestattungsvorsorge, wenn Sie mit einem Bestatter einen Bestattungsvorsorgevertrag schließen und die Leistung aus der Police an ihn abtreten oder ihn als Bezugsberechtigten eintragen. Dann ist das Geld nachweisbar für Ihre Beerdigung bestimmt.

Halten Sie die Unterlagen bereit: Police, Abtretung oder Bezugsrecht, Vorsorgevertrag mit Leistungsverzeichnis. Das Sozialamt prüft im Einzelfall, die Entscheidung hängt an diesen Papieren.

Was für Ehepaare und Angehörige gilt

Bei Ehepaaren und Lebenspartnern wird das Vermögen beider zusammen betrachtet, geschützt sind dann zweimal 10.000 Euro. Jede Sterbegeldversicherung braucht ihre eigene Zweckbindung, eine gemeinsame Lösung für beide gibt es in der Regel nicht.

Kinder müssen für die Heimkosten ihrer Eltern erst ab einem Jahreseinkommen über 100.000 Euro brutto Unterhalt zahlen. Die Sterbegeldversicherung der Eltern spielt dabei keine Rolle für das Einkommen der Kinder.

Wann Sie sich die Mühe sparen können

Liegt Ihr gesamtes Vermögen einschließlich Rückkaufswert sicher unter 10.000 Euro, darf das Sozialamt ohnehin nichts verlangen. Eine aufwendige Abtretung an den Bestatter ist dann für die Sozialhilfe nicht nötig.

Beim Bürgergeld gelten eigene, andere Freibeträge. Diese Seite betrifft Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter und Hilfe zur Pflege nach dem SGB XII.

Schritt für Schritt

  1. Gesamtes Vermögen aufschreiben, einschließlich Rückkaufswert der Police aus der letzten Standmitteilung.
  2. Mit dem Schonbetrag von 10.000 Euro je Person vergleichen.
  3. Bei einem Bestatter die Kosten einer angemessenen Bestattung vor Ort erfragen.
  4. Bestattungsvorsorgevertrag schließen und die Leistung aus der Police abtreten oder den Bestatter als Bezugsberechtigten eintragen.
  5. Alle Unterlagen beim Antrag auf Sozialhilfe vorlegen.

Checkliste

  • Versicherungssumme passt zu den ortsüblichen Bestattungskosten
  • Zweckbindung schriftlich nachweisbar, durch Abtretung oder Bezugsrecht
  • Vorsorgevertrag mit Leistungsverzeichnis liegt vor
  • Vertrag nicht erst kurz vor dem Sozialhilfeantrag abgeschlossen
  • Rückkaufswert und übriges Vermögen zusammengerechnet

Häufige Fehler

  • Mit veralteten Schonbeträgen von 5.000 Euro rechnen und unnötig Geld ausgeben
  • Eine Kapitallebensversicherung für Bestattungsvorsorge halten
  • Die Police kurz vor dem Heimeinzug abschließen, um Geld vor dem Amt zu verstecken
  • Den Antrag ohne Unterlagen zur Zweckbindung stellen

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Muss ich meine Sterbegeldversicherung kündigen, wenn ich ins Heim komme?

Nur wenn Ihr Vermögen mit dem Rückkaufswert über 10.000 Euro liegt und die Police nicht als

angemessene Bestattungsvorsorge geschützt ist.

Ist sie zweckgebunden, darf das Sozialamt die Kündigung in der Regel nicht verlangen.

Wie hoch darf die Versicherungssumme sein?

Eine feste Grenze steht nicht im Gesetz.

Maßgeblich sind die Kosten einer angemessenen Bestattung und Grabpflege vor Ort.

Summen weit darüber werden kritisch geprüft.

Zählt das Sterbegeld auf den Schonbetrag von 10.000 Euro?

Ohne Zweckbindung ja, mit dem Rückkaufswert.

Mit Zweckbindung und angemessener Höhe ist sie in der Regel zusätzlich geschützt.

Woher kommen die Beträge 2.600 oder 5.000 Euro?

Das sind frühere Schonbeträge: 2.600 Euro galten bis März 2017 etwa für Menschen ab 60,

5.000 Euro von April 2017 bis Ende 2022.

Seit dem 1.

Januar 2023 gelten 10.000 Euro je erwachsener Person.

Kann das Sozialamt nach meinem Tod an das Sterbegeld?

Wenn das Geld wie vorgesehen für die Bestattung verwendet wird, ist es verbraucht.

Was darüber hinaus übrig bleibt, gehört zum Nachlass,

und dort kann ein Kostenersatz der Erben eine Rolle spielen.

Gilt das auch beim Bürgergeld?

Beim Bürgergeld gelten eigene Freibeträge nach dem SGB II.

Die Zweckbindung der Bestattungsvorsorge hilft aber auch dort, die Police sauber zu begründen.

Quellen

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